Volksbanken Österreich: Loch von mehreren hundert Millionen Euro entdeckt

Der österreichischen Volksbanken AG droht laut Insidern beim EZB-Stresstest eine Kapitallücke in Millionenhöhe. Die Regierung unterschätzt das Problem und könnte am Ende gezwungen sein, die ÖVAG zusammen mit der HGAA abzuwickeln. Auf den Steuerzahler kommen weitere Belastungen zu.

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Die österreichische Volksbank AG (ÖVAG) droht im Jahr 2015 eine Kapitallücke. Bei der anstehenden Vermögensprüfung und dem anschließenden Stresstest durch die EZB sei bereits eine Finanzierungslücke von „mehreren hundert Millionen Euro“ absehbar, berichten Insider aus den europäischen Aufsichtsbehörden. Ihnen zufolge würde die österreicherische Regierung das Problem erheblich unterschätzen und könnte am Ende gezwungen sein, die ÖVAG zusammen mit der Hypo Alpe Adria abzuwickeln.

Die Bankenaufsicht hat die Auflagen für die Volksbank AG verschärft. Demnach müssen diese nun 13,6 Prozent Eigenkapital vorweisen, deutlich mehr als die gesetzlich vorgeschriebenen 8 Prozent. Zurzeit erfüllt der Volksbankensektor die Quote mit rund 14,6 Prozent Eigenkapital. Doch im Jahr 2015 wird die Eigenkapitalquote aufgrund veränderter Bewertungskriterien drastisch nach unten fallen, wie die Wiener Zeitung berichtet. Manche Kapital-Kategorien werden dann überhaupt nicht mehr in die Berechnung einfließen. Zudem kommen Risiken durch den geplanten Verkauf der Tochterfirma aus Rumänien, die die Blanz nachträglich belasten könnten.

Das daraus resultierende Finanzierungsproblem für die Volksbanken werde in Österreich unterschätzt, berichtet das Wirtschaftsblatt und bezieht sich dabei auf Insider aus Frankfurt und Brüssel. Die europäischen Aufseher rechnen mit erheblichen Kapitalbedarf nach der Prüfung der Vermögenswerte durch die EZB. Die genauen Ausmaße des Kapitalbedarfs sind noch unklar, doch Insider sprechen von „mehreren Hundert Millionen Euro“.

Durch die 2015 in Kraft tretende europäische Bankenunion könnte sich das Problem für die ÖVAG nochmals verschärfen. Demnach müssen kriselnde Bankinstitute zunächst versuchen, sich das nötige Kapital am Finanzmarkt zu leihen. Doch genau das fällt der Bank schon jetzt schwer. Anschließend würden Aktionäre und Gläubiger zur Rettung der Bank herangezogen werden. Dies würde viele Bankkunden der 49 Volksbanken mit einschließen.

Der Volksbankensektor versucht den Problemen mit einer Umstrukturierung zu begegnen. Die Zahl der Volksbanken soll in den nächsten drei Jahren auf 12 reduziert und unter einer gemeinsamen Holding neu strukturiert werden. Doch der veranschlagte Zeitrahmen für die Neuaufstellung der ÖVAG könnte am Ende nicht ausreichen.

„In der jetzigen Situation kann es eintreten, dass die Volksbanken diese Zeit nicht mehr haben. Wenn sie 2015 Kapital benötigen, aber gemäß den Bestimmungen der Bankenunion keines auftreiben, wird es für Österreich schwierig“, zitiert die Wiener Zeitung Insider aus EU-Kommissionskreisen in Brüssel.

Die österreichische Regierung verfügt wohl über einen Notfallplan für Abwicklung der ÖVAG, wie die Wiener Zeitung in Erfahrung gebracht hat. Demnach würden die unrentablen Volksbanken zusammen mit der Hypo Alpe Adria in einer staatlichen „Bad Bank“ abgewickelt werden. Für den Steuerzahler würde das weitere Belastungen in Form von Staatshilfen bedeuten. Schon jetzt ist Österreich mit rund 1,4 Milliarden Euro (43 Prozent der Anteile) an der ÖVAG beteiligt.

Die Kapitallücke bei den Volksbanken würde Österreichs Bankensektor einen zusätzlichen Schlag verpassen. Am Freitag erst verkündete Finanzminister Spindelegger, dass die Regierung einen Schuldenschnitt für ausgewählte Papiere der Hypo Alpe Adria plant. Der Schritt hatte über die Ländergrenzen hinweg für Aufregung gesorgt, da das Land Kärtnen für die Papiere bürgt. Die Landesregierung in Kärtnen kündigte bereits an nicht für die Ausfälle in Haftung treten zu wollen (mehr hier).

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