Front National lässt antisemitisches Video von Jean-Marie Le Pen verschwinden

Der Gründer des Front National, Jean-Marie Le Pen, hat in Frankreich mit einem antisemitischen Spruch daran erinnert, woher der FN kommt. Seine Tochter ließ das Video umgehend entfernen. Die Situation ist für Juden in Frankreich gefährlich, weil sich Islamisten durch solche Sprüche bei konkreten Gewalttaten bestärkt sehen können.

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Der Gründer der rechtsextremen französischen Partei Front National (FN), Jean-Marie Le Pen, hat mit einer antisemitischen Äußerung für Empörung gesorgt. In einem Video auf der Webseite der Partei äußerte sich Le Pen abfällig zu Kritikern der FN. Als er darin darauf angesprochen wird, dass zu den Kritikern auch der jüdische Sänger Patrick Bruel gehört, sagt der 85-Jährige: „Das wundert mich nicht. Sehen Sie, da machen wir das nächste Mal eine Ofenladung.“ Das wurde allgemein als Verweis auf Öfen verstanden, die in Konzentrationslagern während des Holocaust verwendet wurden. Der Front National war bei der Europa-Wahl Ende Mai mit 25 Prozent der Stimmen die stärkste Kraft in Frankreich geworden. Le Pen sitzt im Europäischen Parlament.

Kritik an den Äußerungen des Parteigründers kam von jüdischen Organisationen und aus den Reihen der eigenen Partei.

Jean-Marie Le Pen benutzte bei dem kritisierten Satz das Wort „fournee“, das auch in Backbüchern benutzt wird und ursprünglich „Ofenladung“ bedeutet. Der FN-Gründer ist bekannt dafür, eine antisemitische Sicht mit subtilen Worten auszudrücken. Er hatte die Partei bis 2011 geführt, dann übernahm seine Tochter das Ruder. Unter der studierten Juristin tritt die FN moderater auf, was ihr Stimmenzuwächse brachte.

Marine Le Pen sagte dem Figaro, dass die Äußerungen ihres Vaters „böswillig interpretiert“ worden sei. Angesichts der „sehr großen Erfahrung“ ihres Vaters sei es jedoch ein „politischer Fehler“ gewesen, eine solche Interpretation nicht vorhergesehen zu haben.

Das Video verschwand am Sonntag wieder von der Website des FN. Marine Le Pen sagte, dass der Vorfall ihrer Partei die Gelegenheit gäbe, zu sagen, dass „der Front National auf das Schärfste jede Form des Antisemitismus verurteilt.“ Zuvor hatte schon ihr Lebensgefährte und Vize-Präsident der Partei, Louis Aliot, die Äußerung von Jean-Marie Le Pen als „dumm“ bezeichnet.

Tatsächlich zeigt der Vorfall, dass der FN gezielt mit antisemitischen Klischees spielt. Die Taktik erinnert sehr an jene von Jörg Haider in Österreich, der immer wieder Nazi-Sprüche wie jenen von der „ordentlichen Beschäftigungspolitik des Dritten Reiches“ geklopft hatte. Meist werden solche Sprüche nach der einkalkulierten öffentlichen Empörung als „politische Fehler“ relativiert. Doch tatsächlich geht es um eine Botschaft an die Zielgruppe der Wähler. Im Falle Haiders waren das die Ewiggestrigen in Kärnten. Im Fall Le Pens ist die Sache deutlich gefährlicher: Denn in Frankreich sind antisemitische Gewalttaten schnell provoziert: Erst kürzlich waren in der Nähe von Paris zwei Menschen verletzt worden.

Die Gefahr besteht vor allem darin, dass sich radikale Islamistischen durch die antisemitischen Ausfälle von Rechtsextremen bestärkt sehen, Gewalt gegen Juden anzu wenden.

Das American Jewish Committee (AJC) hat gemeinsam mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DGI) erst kürzlich vor genau dieser Entwicklung gewarnt (mehr dazu hier).

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