Trotz Preis-Nachlass: Ukraine lehnt russisches Gas-Angebot ab

Die Ukraine lehnt das neue Preis-Angebot für russisches Gas ab. Russland hatte zuvor einen Preisnachlass von 100 Dollar angeboten und die Frist für die Vorkasse auf Montag verschoben. Doch Premier Jazenjuk ist dieser Preis immer noch zu hoch.

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Unmittelbar vor einer neuen Verhandlungsrunde im Gas-Streit mit Russland hat die Ukraine ein Preisangebot des Nachbarlandes abgelehnt. Kiew wolle nur den Marktpreis zahlen, sagte Ministerpräsident Arseni Jazenjuk am Mittwoch bei einer im Fernsehen übertragenen Kabinettssitzung.

Russland hatte zuvor angeboten, den Preis um 100 Dollar pro 1000 Kubikmeter Erdgas zu reduzieren. Bisher verlangt es 485 Dollar, die Ukraine will aber nur 268,50 Dollar pro 1000 Kubikmeter zahlen. Die Ukraine muss nach dem Sturz des prorussischen Präsidenten Viktor Janukowitsch mehr als jedes andere Land in Europa für russisches Gas zahlen.

In Brüssel wurden unterdessen die Verhandlungen unter Vermittlung von EU-Energiekommissar Günther Oettinger fortgesetzt. Der ukrainische Energieminister Juri Prodan sagte dort laut Nachrichtenagentur Interfax, sein Land werde die Gas-Schulden gegenüber Russland nicht vor der Einigung auf einen Preis begleichen.

Anfang Juni hatten beide Seiten nach Angaben Oettingers vereinbart, dass es für die Dauer der Verhandlungen keine Unterbrechungen bei Gaslieferungen geben soll. Zudem hatte er vorgeschlagen, dass Russland auf die angedrohte Vorkasseregelung für Gaslieferungen in die Ukraine im Juni verzichtet. Am Mittwoch verlängerte Gazprom die Frist für den Beginn von Vorauszahlungen auf kommenden Montag. Damit solle den Verhandlungen zwischen beiden Seiten mehr Zeit eingeräumt werden, sagte Gazprom-Chef Alexej Miller dem russischen TV-Sender Rossiya 24.

Die Gespräche in den vergangenen Tagen seien sehr intensiv gewesen. Der russische Energieminister Alexander Nowak sagte, dass sein Land bisher keine neuen Zahlungen für Gaslieferungen in die Ukraine erhalten habe, aber bereit sei, bis Montag zu warten.

Eine Kappung der russischen Gaslieferungen in die Ukraine könnte auch Folgen für die Energieversorgung der Europäischen Union haben. Die EU-Staaten decken rund ein Drittel ihres Gas- und Ölverbrauchs mit Lieferungen aus Russland, rund die Hälfte davon strömt durch Pipelines durch die Ukraine (mehr hier). Beide Seiten sind uneins, wie viel die ukrainische Gasgesellschaft Naftogaz dem russischen Monopolisten Gazprom für Lieferungen schuldet und wie hoch der künftige Gaspreis sein soll.

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