US-Republikaner: Revolte der Basis gegen die Partei-Führung

Die Tea Party sorgt mit einem überraschenden Sieg bei einer internen Vorwahl für Unruhe in der amerikanischen Innenpolitik. Ein völlig unbekannter Wirtschaftsprofessor löst den Mehrheitsführer im Kongress, Eric Cantor ab. Beobachter sprechen von einer „Apokalypse des Establishements“.

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In den USA meldet sich die ultrakonservative Tea Party mit einem Überraschungssieg gegen einen der ranghöchsten Republikaner zurück. Bei parteiinternen Vorwahlen im Bundesstaat Virginia stürzte der Kandidat der Republikaner-Bewegung den Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, Eric Cantor. Damit zieht nun der so gut wie unbekannte Wirtschaftswissenschaftler David Brat in die Kongresswahl im November. Die Republikaner stehen jetzt vor einem Führungswechsel. Beobachter schließen nicht aus, dass die Partei wieder mehr nach rechts rückt. Kompromisse bei wichtigen Vorhaben von Präsident Barack Obama, wie die Einwanderungsreform, dürften in weite Ferne rücken. Auch der Haushaltsstreit könnte wieder an Schärfe gewinnen.

„Ich weiß, dass es hier heute Nacht viele lange Gesichter gibt“, sagte Cantor nach seiner Niederlage am Dienstagabend. Nach Auszählung nahezu aller Stimmen kam er bei der Vorwahl in seinem Bezirk auf 44 Prozent, zwölf Punkte weniger als Herausforderer Brat. Der Professor an einem kleinen College in Virginia jubelte vor Anhängern: „Das ist offensichtlich der glücklichste Moment meines Lebens.“

Brat ist ein neues Gesicht auf der politischen Bühne. Im Wahlkampf hatte er seinem Rivalen vorgeworfen, eine zu laxe und kompromissbereite Haltung bei Einwanderungs- und Haushaltsfragen zu vertreten und nicht genügend Widerstand gegen Obamas umstrittene Gesundheitsreform zu leisten. Dabei gilt Cantor bereits als einer der konservativsten Vertreter im Partei-Establishment. Er wurde sogar als potenzieller Anwärter auf den Posten des Präsidenten des Repräsentantenhauses gehandelt, sollte die derzeitige Nummer eins in der Kammer, John Boehner, den Platz freimachen. Als Favorit galt er auch deshalb, weil er im Rennen um das Ticket für die Kongresswahl 5,4 Millionen Dollar Wahlkampfspenden erhielt, während es Brat gerade mal auf etwa 200.000 Dollar brachte.

Cantors Niederlage sei ein „apokalyptischer Moment“ für das Establishment der Republikaner, sagte der konservative Autor Brent Bozell. Die Parteispitze wollte nach der verheerenden Niederlage bei der Präsidentenwahl 2012 den Einfluss der Tea Party eigentlich zurückdrängen.


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