Der Fluch des billigen Geldes: IWF warnt vor globalem Immobilien-Crash

Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt vor einem „verheerenden“ Crash bei den Immobilien. Der IWF gesteht, dass die Staaten keine Ahnung hätten, wie man eine neue schwere Finanz-Krise verhindern könnte. Pikant: Die Warnung erfolgte bereits vor der jüngsten EZB-Sitzung – und wurde geheim gehalten.

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Min Zhu, einer der Stellvertreter von IWF-Chefin Christine Lagarde, hat die Finanzwelt mit einer spektakulären Crash-Warnung aufgescheucht. Min Zhu sprach vor der Bundesbank unter dem wenig beruhigenden Titel „Die Zeit der großzügigen Vernachlässigung von Booms bei Häuser-Preisen ist vorüber“.

Der IWF veröffentlichte die Warnung bereits im Juni nach der Entscheidung der EZB, die Zinsen auf ein Rekord-Tief zu drücken und weiteres Papiergeld in die Märkte zu pumpen. Inzwischen hat die EZB dieses Rekordtief sogar noch unterboten und den Leitzins auf 0,05 Prozent gesenkt. Ob die Entscheidung der EZB, Immobilienkredite aus der Geldschwemme auszunehmen, auf die Warnung des IWF zurückgeht, ist unbekannt (mehr hier).

Zhu schreibt in seiner Analyse:

„Die Immobilienpreise steigen rasant. Aber ist das ein Anlass, um zu applaudieren? Oder sehen wir erneut denselben Film? Erinnern Sie sich daran, wie die Häuserpreise nach einem Jahrzehnt des Booms im Jahr 2006 zu fallen begannen – zuerst in den USA und dann überall. Diese Entwicklung hat zu der globalen Finanzkrise 2008-09 beigetragen. Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass Blasen bei Häuserpreisen in mehr als zwei Dritteln den jüngsten, systemischen Banken-Krisen vorangegangen sind.

Der IWF schlägt verschiedene Maßnahmen vor, wie ein Crash verhindert werden könnte – etwa, dass die Eigenkapitalvorschriften für Immobilien-Kredite verschärft werden sollten.

Der nächste Crash kommt von der globalen Immobilien-Blase. (Grafik: IWF)

Der nächste Crash kommt von der globalen Immobilien-Blase. (Grafik: IWF)

Doch Zhu räumt ein, dass die Politik keine Ahnung hat, wie man das Problem in den Griff bekommen kann:

Die Werkzeuge, um Immobilien-Blasen einzudämmen, müssen erst entwickelt werden. Die Beweise dafür, dass die Regeln wirklich greifen, müssen erst gesammelt werden. Das Zusammenspiel verschiedener politischer Tools kann komplex sein. Aber all das darf keine Ausrede für Untätigkeit sein (im Original hervorgehoben). Das Zusammenspiel von verschiedenen Maßnahmen kann dazu beitragen, die Schwächen von einzelnen politischen Maßnahmen zu überwinden. Wir müssen uns von einer „großzügigen Vernachlässigung“ des Problems in eine Richtung bewegen, in der die politische Wahl alle möglichen Maßnahmen ins Auge fasst.“

Für besonders gefährlich hält der IWF die Lage in Australien, Belgien, Kanada, Norwegen und Schweden. Das bedeutet: Aus jedem dieser Länder kann der gefürchtet Schwarze Schwan kommen – jener Bote, der das Ende des globalen Schulden-Zyklus verkündet.

Das Problem für das internationale Finanzsystem besteht in der extremen Vernetzung der Banken. Alle Banken sind so sehr ineinander verwoben, dass nicht mehr nur die Gefahr des „too big to fail“ besteht. Die akute Gefahr kann von der Vernetzung kommen – wie die Schweizer Computerforscher James Glattfelder und Stefano Battiston bereits in der Analyse der ersten Finanzkrise bewiesen haben (mehr hier).

Mit dem massiven Geldducken wird die Blase weiter angefacht. Auch wenn die EZB die Immobilien-Finanzierung aus ihrer Geldschwemme ausgenommen hat, besteht eine immer größere Wahrscheinlichkeit, dass die Ozeane von Liquidität die Märkte nicht bloß fluten, sondern überschwemmen.

Die IWF-Warnung ist auch im Zusammenhang mit einer nicht minder drastischen Warnung der EZB zu sehen: Die Europäische Zentralbank hat auch bereits vor einem veritablen Börsen-Crash gewarnt (mehr dazu im Detail hier).

Doch die Währungshüter sind Gefangene ihrer eigenen Waffen geworden. Sie suchen nach Auswegen, um den Crash mit noch mehr Geld zu verhindern. Sie vermeiden eine Marktbereinigung, in dem sie immer neue Stützungs-Maßnahmen ergreifen (mehr dazu hier von Philipp Bagus).

Am Ende wird das Konzept „Schuldenabbau durch noch mehr Schulden“ und die daraus resultierende Entwicklung von Asset-Blasen dazu führen, dass der Schock viel größer sein wird als ohne die künstlichen Billionen an wertlosem Geld.

Wie man an den Folgen der Niedrigzinsen sehen kann, werden die Sparer am Ende bezahlen. Marc Faber hat stets vor den Gefahren gewarnt, die sich aus der Möglichkeit ergeben, die Inflation zu „exportieren“ (mehr dazu hier).

Denn auch im Crash-Fall gilt: Niemand ist eine Insel. Die Vernetzung, die durch die unkontrollierten globalen Finanzströme entstanden ist, ist nämlich kein Sicherheitsnetz, sondern ein kollektiver Fallstrick. Die Fachsprache nennt das den „Domino-Effekt“ oder die „Ansteckung“.

Das Spiel endet mit einer Umkehr der Last von den Schuldnern zu den Gläubigern.

Die IWF-Analyse ist daher aus deutscher Sicht als sehr ernste Warnung an die deutschen Sparer und an den deutschen Mittelstand zu verstehen. Sie zeigt, dass auch die „Flucht in die Sachwerte“ eine Sackgasse sein kann.

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