Fußball-WM: Pfiffe und Beschimpfungen für die Präsidentin

Bei der Eröffnung der Fußball-WM skandierte tausende Brasilianer im Stadion Beschimpfungen gegen die Präsidentin Dilma Rousseff. Auch bei den Live-Übertragungen in den großen Städte gab es Buhrufe, als Rousseff auf den Bildschirmen auftauchte. Die Präsidentin musste auf eine Ansprache verzichten.

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Keine Gnade kannten die Brasilianer bei der Eröffnung der Fußball-WM mit ihrer Präsidentin Dilma Rousseff: Sie wurde ausgepfiffen. (Foto: EPA/SEBASTIAO MOREIRA)

Keine Gnade kannten die Brasilianer bei der Eröffnung der Fußball-WM mit ihrer Präsidentin Dilma Rousseff: Sie wurde ausgepfiffen. (Foto: EPA/SEBASTIAO MOREIRA)

Der Unmut vieler Brasilianer gegen die Regierung hat sich am Donnerstag auch beim Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft entladen. Viele der rund 60.000 Fans im Stadium in Sao Paulo skandierten Beschimpfungen gegen die auf der Tribüne sitzende Präsidentin Dilma Rousseff. Auch bei Liveübertragungen in Metropolen wie Rio de Janeiro und der Hauptstadt Brasilia wurden Buhrufe laut, als Rousseff auf den Großbildschirmen erschien. Die Präsidentin, die in der Landesfarbe Grün gekleidet war, verzichtete auf eine Ansprache zur Eröffnung des Großereignisses. Der Spielausgang sorgte bei den Brasilianern allerdings für gute Stimmung. Mit Straßenfesten feierten sie ausgelassen den 3:1-Sieg ihres Teams gegen die Auswahl Kroatiens in der ersten Begegnung des Turniers.

Zuvor waren in vielen der zwölf WM-Austragungsstädte Proteste aufgeflammt. An manchen Demonstrationen beteiligten sich bis zu 1.000 Menschen. In Sao Paulo setzte die Polizei Tränengas gegen etwa 200 WM-Gegner ein, die versuchten, eine wichtige Zugangsstraße zum Stadion zu blockieren (mehr hier).

Die WM in Brasilien ist die teuerste in der Geschichte des Weltfußballverbands Fifa. Das Schwellenland lässt sich das Ereignis umgerechnet mehr als acht Milliarden Euro kosten. Viele Bürger sind der Ansicht, dass die Regierung das Geld lieber für Gesundheit und Bildung hätte ausgeben sollen. Der Unmut war bereits im vergangenen Jahr in Massenprotesten und teilweise heftigen Straßenschlachten eskaliert. Präsidentin Rousseff stellt sich im Oktober zur Wiederwahl und hofft auf einen WM-Bonus.


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