Irak: Obama erwägt Militärschlag, schließt Bodentruppen aus

US-Präsident Barack Obama will in den kommenden Tagen über einen Militärschlag gegen die Aufständischen im Irak entscheiden. Kurzfristige militärische Erfolge seien jedoch nicht ohne eine aktive Mitwirkung der irakischen Armee zu erzielen. Die Amerikaner halten die irakischen Militärs für unfähig - obwohl sie die irakische Armee nach dem Sturz von Saddam Hussein mit 25 Milliarden aufgerüstet hatte.

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Trotz des raschen Vormarschs der islamistischen Rebellen schicken die USA keine Soldaten in den Irak. Auch für die Prüfung „anderer Optionen“ werde er noch mehrere Tage brauchen, sagte US-Präsident Barack Obama am Freitag in Washington. Jede Aktion der USA müsse begleitet werden von größeren Anstrengungen der irakischen Regierung, betonte der US-Präsident. Im Irak selbst stießen die Islamisten erstmals seit Tagen auf energischen Widerstand. Aus zwei Orten nördlich von Bagdad wurden Gefechte zwischen regierungstreuen Milizen und den sunnitischen Isil-Extremisten gemeldet. Auch China erklärte sich bereit, der irakischen Regierung zur Seite zu stehen. Die Islamisten weiteten aber ihre Kontrolle über die bereits eroberten Gebiete aus und begannen damit, die Grenzwälle zwischen Syrien und dem Irak niederzureißen. Die Extremisten wollen einen islamistischen Staat im Irak und im historischen Groß-Syrien errichten, zu dem sie auch das heutige Jordanien und Israel zählen.

Obama sagte, die Rebellen hätten den Irak zum Teil überrannt. „Das ist ein regionales Problem, und es wird ein langwieriges Problem sein.“ Die Aufständischen bedrohten das irakische Volk und könnten auch zu einer Gefahr für US-Bürger werden, sagte er. Aber die USA würden sich nicht einfach an einem Militäreinsatz beteiligen, wenn es keinen politischen Plan der irakischen Führung gebe und diese nicht auf eine Zusammenarbeit vorbereitet sei. „Wir werden es nicht an ihrer Stelle tun können“, sagte Obama.

Von Bagdad aus wurden schiitische Freiwillige in Lastwagen zur Front in den Norden gebracht. Gekämpft wurde nach Behördenangaben in den Orten Udhaim und Mukdadija, die etwa 80 bis 90 Kilometer von der Hauptstadt entfernt liegen. Nach Mukdadija hat sich die irakische Armee zurückgezogen, als die Kämpfer der Gruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isil) in der Nacht zwei andere Orte eingenommen haben. Augenzeugen zufolge griff ein Militärhubschrauber eine Moschee in Tikrit an, das auch von den Aufständischen kontrolliert wird. Nach UN-Angaben sind bei dem Vormarsch der Islamisten in den vergangenen Tagen vermutlich Hunderte Menschen ums Leben gekommen, darunter viele Zivilisten.

Die irakische Armee wurde von den USA ausgebildet und mit 25 Milliarden Dollar unterstützt. Sie hat der Isil bislang aber kaum etwas entgegenzusetzen. Diese hat innerhalb von Tagen Mossul eingenommen, die zweitgrößte Stadt des Landes, und bedroht nun Bagdad. Die Streitkräfte sind durch Fahnenflucht geschwächt. Die Sunniten im Irak werfen der Armee wie auch der Regierung vor, vordringlich schiitische Interessen zu verfolgen. Die USA haben ihre Truppen 2011 abgezogen – nach dem Sturz des sunnitischen Machthabers Saddam Hussein.

Der überraschende Erfolg der Isil hat auch Staaten auf den Plan gerufen, die eigentlich einer Zusammenarbeit mit den USA kritisch gegenüberstehen. Von einem Insider erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters, dass auch der Iran eine Kooperation mit dem Erzfeind USA erwäge, um die Islamisten zu stoppen. Der Schritt werde innerhalb der iranischen Führung diskutiert, hieß es. Der Iran ist schiitisch geprägt.

China biete der irakischen Regierung „jede erdenkliche Hilfe an“, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in Peking. Die staatliche chinesische Öl-Gesellschaft CNPC ist an drei Projekten im Irak beteiligt.

Die Isil ist auch in den syrischen Bürgerkrieg verwickelt, wo sie gegen die Regierungstruppen von Präsident Baschar al-Assad kämpft, aber auch gegen andere Islamisten-Gruppen. Nach Angaben syrischer Oppositioneller schafft die Isil ihre im Irak erbeuteten Waffen über die Grenze nach Syrien. Bewohner in der Region berichteten, dass die Islamisten mit Planierraupen Breschen in die Erdwälle schlugen, die bislang beide Staaten trennen.

In den neu eroberten Gebieten im Irak veröffentlichte die Isil Verhaltensregeln auf der Grundlage des islamischen Rechts. Diese beinhalten ein Verbot von Alkohol und Zigaretten. Frauen müssten sich komplett verhüllen und dürften nur weite Kleidung tragen. Die UN-Menschenrechtsbeauftragte Navi Pillay ist ihrem Sprecher zufolge besorgt über Massenhinrichtungen und die Vertreibung von rund einer halben Million Menschen.

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