Mysteriös: Dutzende Flugzeuge in Europa verschwanden plötzlich vom Radar

In den vergangenen Tagen sind aus zunächst unerklärlichen Gründen zahlreiche zivile Flugzeuge von den Radarschirmen der europäischen Luftraumsicherung verschwunden. Am Freitag wurde klar, dass die Störungen offenbar durch Nato-Übungen verursacht wurden. Die Flugsicherung spielt die Vorfälle herunter. Militär-Experten sprechen von einer drastischen Beeinträchtigung der Flugsicherheit.

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Dutzende zivile Flugzeuge sind in den vergangenen Tagen plötzlich von den Radarschirmen der Flugsicherung verschwunden. Betroffen war die Flugsicherung in Österreich, Deutschland, Tschechien und der Slowakei.

Am Freitagabend kam ein erster Hinweis aus der Slowakei.

Der Standard aus Wien berichtet:

„Nachdem die Ursache für die temporäre Störung der zunächst noch unklar war, teilten die slowakischen Behörden am Freitagabend mit, dass das Abreißen des Radarkontakts in den vergangenen Tagen militärische Gründe hatte. ,Das Verschwinden von Flugzeugen vom Radarschirm steht in Zusammenhang mit Truppenübungen, die in verschiedenen Teilen Europas am 5. und 10. Juni über die Bühne gegangen sind.’“

Die Flug-Website Aerotelegraph analysiert die Vorfälle:

„Das erste Mal passierte es am Donnerstag vergangener Woche. Plötzlich fehlten auf den Bildschirmen der Lotsen der Flugsicherungszentralen in Bratislava, Karlsruhe, Prag und Wien Informationen. Angaben zur Position, Flugrichtung, -höhe oder -geschwindigkeit wurden teilweise nicht mehr angezeigt. Oder Flieger waren gar nicht mehr zu sehen. «Ungefähr über einen Zeitraum von 25 Minuten hinweg war es so, dass einzelne Flugzeuge kurzzeitig vom Radarschirm verschwanden», erklärte damals ein Sprecher der österreichischen Flugsicherung Austro Control.

Am Dienstag (10. Juni) passierte dasselbe jetzt aber gleich nochmals. Zwischen zirka 13:30 Uhr und 15 Uhr verschwanden wieder Flugzeuge von den Bildschirmen der Lotsen – dieses Mal in Karlsruhe, München, Prag und Wien. Betroffen waren Maschinen, die sehr hoch flogen, schreibt die Zeitung Kurier. Das ruft nun die Europäische Luftverkehrsagentur Eurocontrol und die Europäische Agentur für Flugsicherheit Easa auf den Plan. Sie untersuchen die Vorfälle.“

Zunächst gab es keine Erklärung für die Ausfälle.

Wie die Zeitung Die Presse schreibt, waren die Ausfälle durch Nato-Militärmanöver verursacht worden:

„,Inzwischen haben wir die Ursache für das Verschwinden der Flugzeuge im Norden Italiens und im Westen Deutschlands lokalisiert‘, sagt ein Informant der Presse, der Zugang zu Informationen der europäischen Flugsicherung hat. Seinen Angaben nach war die Quelle der Störung militärischen Ursprungs. Am 5. Juni soll es ein AWACS-Aufklärungsflugzeug in Italien gewesen sein, von dem die alles verschluckenden Signale ausgingen. Am Dienstag ein noch nicht identifiziertes Objekt in der Nähe der US-Air Base Ramstein in Deutschland.

Das AWACS-Flugzeug soll unter NATO-Kommando geflogen sein. In Ramstein befindet sich ein Kommandozentrum für die vereinten Luftstreitkräfte der Nato. Die Frequenz, auf der die Störung stattfand: 1030 Megahertz. Das ist jenes Band, auf dem die Transponder ziviler Flugzeuge mit der Flugsicherung Kontakt halten.“

Aerotelegraph zeigt sich über die Ausfälle besorgt – und hält die Irritationen durchaus für bedenklich:

„So oder so stellt sich aber eine Frage: Wie kann es zum Ausfall kommen und wie gefährlich ist er? Während die Flugsicherung den Zwischenfall herunterspielt, warnen andere Experten. «Die Flugsicherheit im betroffenen Raum war während des Störeinsatzes drastisch herabgesetzt», zitiert der Kurier aus einem Bericht des österreichischen Militärs für die Regierung in Wien.“

Bis heute rätselt die Luftfahrt-Branche über den Verbleib des Malaysian Airlines Flug MH 370. Auch dieses Flugzeug veschwand ohne vorherige Anzeichen plötzlich von den Radarschirmen. Die Maschine oder das Wrack ist bis heute nicht aufgefunden worden.

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