Sphinx Weidmann: Warum kämpft Bundesbank-Chef nicht für die deutschen Sparer?

Noch vor zwei Wochen stimmte Jens Weidmann für die Geldschwemme der EZB. Nun erklärt der Bundesbank-Präsident, dass der Negativ-Zins nichts bringen werde. Warum aber hat er dann dafür gestimmt - und nicht entschlossen die Interessen der deutschen Sparer verteidigt?

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Jens Weidmann wird zur Sphinx  der europäischen Geldpolitik.

Vor vielen Monaten warnte er äußerst zutreffend vor der Folgen von zuviel billigem Geld und zitierte zu diesem Zweck ausführlich aus Goethes Faust (hier; im Detail ausgearbeitet und in den globalen Kontext gestellt – hier in Buchform).

Einige Male leistete er in der EZB Widerstand, als die Südländer vorpreschen wollten (hier).

Bei der historischen Entscheidung der EZB, Negativ-Zinsen einzuführen, folgte Weidmann dem italienischen EZB-Chef Mario Draghi (hier). Draghi war äußerst stolz, dass die nächste Welle der Flaschgeld-Flut mit ausdrücklicher Zustimmung des Bundesbank-Chefs ausgelöst wurde (hier).

Weidmann sagte vor der EZB-Entscheidung ausdrücklich, ein Strafzins für Banken-Einlagen könne „unter anderem den Geldmarkt zwischen den Banken beleben und damit auch die Kreditvergabe an Unternehmen anregen.”

Wenige Tage später erlebt die staunende Öffentlichkeit die nächste Kehrtwende des ehemaligen Mitarbeiters von Bundeskanzlerin Merkel und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Nun sagt Weidmann das glatte Gegenteil.

Reuters meldet:

Weidmann dämpft in einem Interview mit dem Focus er die Erwartung, der gerade beschlossene negative Einlagezins der EZB würde viel zur Ankurbelung der Kreditvergabe beitragen. Im Süden der Eurozone sei die Kreditvergabe auch deshalb schwach, weil viele Firmen wegen der schwachen Wirtschaft kaum frisches Geld nachfragten. Daran werde der negative Einlagezins wenig ändern. Dieser soll wie ein Strafzins wirken und die Banken anregen, ihr Geld zu verleihen und nicht bei der EZB zu parken.

Warum in aller Welt hat Weidmann dann aber für die erneute Zinssenkung und den Negativ-Zins gestimmt?

Zumal Weidmann ja offenbar weitergehende geldpolitische Manipulationen Lockerungen ablehnt. Reuters:

Bundesbankpräsident Jens Weidmann lehnt Forderungen aus süd-europäischen Ländern nach einer Abwertung des Euro zu Gunsten der Exportwirtschaft ab. „Wettbewerbsfähigkeit lässt sich nicht durch eine Abwertung herbeiführen, sie entsteht in den Unternehmen durch attraktive Produkte, die sich auf den Märkten behaupten“, sagte Weidmann dem „Focus“ nach einem Vorabbericht vom Sonntag: „Eine starke Wirtschaft kann auch eine starke Währung vertragen.“ Außerdem würden Notenbanken anderer Länder nicht untätig bleiben und versuchen, zum Ausgleich die eigene Währung ebenfalls zu schwächen, argumentierte er. Das könne zu einem weltweiten Abwertungswettlauf führen, der nur Verlierer kenne.

Weidmann wandte sich auch gegen die Idee, die EZB solle Banken problematische Kredite abnehmen. „In einigen Ländern – auch in Deutschland – sehen wir die Gefahr einer Immobilienblase – und dann sollen wir als Eurosystem niederländische Immobilienkredite kaufen?“, warnte der Bundesbankpräsident.

Der Hinweis auf die Immobilienblase ist interessant: Weidmann macht sich die IWF-Argumente zu eigen. Doch auch hier muss man sich die Frage stellen: Wenn die Anleger mit den niedrigen Zinsen in die Immobilien getrieben werden – warum stimmen die Bundesbank-Vertreter dem offenkundigen Unsinn des fortgesetzten Gelddruckens zu? Außerdem: Warum spricht Weidmann ausgerechnet über die Immobilien? Die hat die EZB ausdrücklich ausgeschlossen.

Rätsel über Rätsel.

Die nächste Entscheidung wird steht vermutlich im Herbst an: Dann wird die EZB über den Ankauf von Asset Backed Securities (ABS) abstimmen.

Es ist leichter, das nächste Ergebnis des wankelmütigen Spanien bei der Fußball-WM vorherzusagen als das Verhalten Weidmanns zu antizipieren.


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