Merkel brüskiert Cameron: Juncker soll Kommissions-Präsident werden

Angela Merkel will Jean-Claude Juncker als Präsidenten der EU-Kommission. In einem vertraulichen Brief schreibt Merkel, dass sie Juncker aus innenpolitischen Gründen nominieren müsse. Merkel wird offenbar vom langen Schatten Helmut Kohls verfolgt, der in Gestalt der Bild-Zeitung täglich über ihren Schreibtisch huscht.

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Die Anzeichen mehren sich, dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Frage des EU-Kommissionspräsidenten festgelegt hat: Die niederländische Zeitung De Volksrant meldet, dass die Kanzlerin einen vertraulichen Brief bei den Staats- und Regierungschefs in Umlauf gebracht hat. In diesem Brief gibt die Kanzlerin an, sie müsse „aus innenpolitischen Gründen“ Juncker vorschlagen. Ein fortgesetzte Debatte würde der EU sehr schaden und daher gäbe es keinen anderen Kandidaten.

EU-Ratspräsident Van Rompuy, der Juncker eigentlich nicht ausstehen kann, soll sich verschiedenen Medienberichten zufolge mit Juncker abgefunden haben. Er werde, so hieß es aus seinem Umfeld, nur Juncker als Kandidaten präsentieren.

Die FT geht ebenfalls von einer Niederlage Camerons aus. Zwar sei der britische Premier noch damit beschäftigt, eine Allianz gegen Juncker zu formieren, es werde ihm jedoch nicht helfen. Mats Persson von Open Europe ist der Auffassung, dass Cameron keine Chance mehr hat, Juncker zu verhindern. Weiterer Widerstand sei zwecklos, er würde Cameron nur schaden.

Die innenpolitischen Gründe Merkels sind sehr handfest: Die Bild-Zeitung, Merkels wichtigstes Organ, um an der Macht zu bleiben, will Juncker. Denn Juncker ist ein enger Vertrauter von Helmut Kohl und wurde von Kohl zum Favoriten ausgerufen (hier). Kohl wiederum ist eines der großen Idole des Bild-Chefredakteurs, der ein Faible von Größen der Zeitgeschichte hat. Außerdem waren Kohl und Kai Diekmann gegenseitige Trauzeugen.

Kohl ist überzeugt, dass Juncker der richtige Mann ist, weil er dieselbe politische Gesinnung hat wie Kohl: Auch Kohl ist der Meinung, dass das Volk im Grunde nicht fähig sei, zu entscheiden (hier).

Weil sie aber glaubt, nicht ohne die Bild-Zeitung regieren zu können, muss Merkel zähneknirschend noch einmal eine Kröte schlucken, die ihr vom Altkanzler serviert wird.

Es ist die späte Rache des Helmut Kohl an „seinem Mädchen“, dem er nie verziehen hat, dass sie ihn im Zuge der Parteispendenaffäre eiskalt gestürzt hat.

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