Gefährliches Spiel der Fed: Fondsanleger sollen Ausstiegs-Gebühren zahlen

Neue Pläne der amerikanischen Notenbank verunsichern die Anteilseigner von Rentenfonds. Dabei sind Zweck und Wirkung der diskutierten Ausstiegsgebühren höchst umstritten. Ein Run auf Rentenfonds im Krisenfall, der durch die Gebühren verhindert werden soll, könnte durch sie erst verursacht werden.

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Die Financial Times berichtete darüber diese Woche: Innerhalb der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) wird auf hoher Ebene diskutiert, Rentenfonds zukünftig zu zwingen, Ausstiegsgebühren zu verlangen. Wollen Anleger dann ihre Fondsanteile verkaufen, bekommen sie nicht den vollen Anteilswert ausbezahlt, sondern müssen einen Abschlag als Gebühr in Kauf nehmen.

Es geht um gewaltige Summen. Der US-amerikanische Markt für Unternehmensanleihen ist inzwischen auf ein Volumen von 10 Billionen Dollar angeschwollen. Allein über die Rentenfonds flossen seit 2009 1 Billion Dollar Gelder von Kleinanlegern in diesen Markt. Die vielen Kleinanleger wären nun von der Ausstiegsgebühr betroffen.
Aber warum die neuen Pläne?

Für den bekannten englischsprachigen Blog „Zerohedge“ ist die Lage klar: Schon die Diskussion über die neue Gebühr, schon ihre Androhung wird dazu führen, dass viele Anleger ihre Gelder abziehen. Als Anlagealternative in Zeiten von Minizinsen und negativen Realzinsen bleiben aber praktisch nur Aktien. Die FED, so die Schlussfolgerung von „Zerohedge“, will massiv die Aktienmärkte weiter aufpumpen.

Aus Sicht der FED könnte das Sinn machen. Denn das Fremdkapital für die Unternehmen könnten ja auch die US-amerikanischen Banken mittels billigem FED-Geld aus der Notenpresse bereitstellen. Dazu bräuchte es keine Kleinanleger, die Rentenfonds kaufen, die wiederum in Unternehmensanleihen investieren. Die Kleinanleger sollten, so vielleicht der Gedanke in Notenbankkreisen, lieber das Eigenkapital bereitstellen, dass als Sicherheit für das Fremdkapital benötigt wird. Die Kleinanleger sollten also Aktien kaufen.

Tatsächlich verbergen allerdings Rentenfonds ein meist übersehenes systemisches Risiko. Die Fondsanteile können kurzfristig verkauft und zu Geld gemacht werden. Wollen das viele Anleger gleichzeitig, müssen die Fonds Anleihen verkaufen, um Liquidität zu schaffen. Und geraten wiederum viele Rentenfonds gleichzeitig unter Druck und benötigen Liquidität, brechen die Anleihekurse massiv ein. Unternehmen – nicht zuletzt auch Banken – könnten sich dann durch Anleihen kein Kapital mehr beschaffen.

Ganz Ähnliches ist im Herbst 2008 nach der Lehman-Pleite passiert. Betroffen waren allerdings nicht Rentenfonds, sondern Geldmarktfonds. Die Insolvenz von Lehman Brothers bedeutete nämlich das Ende des Reserve Primary Fund. Der Geldmarktfond hatte Lehman fast 800 Millionen Dollar geliehen. Die Leute zogen massenweise ihr Geld ab, erst aus dem Reserve Primary Fund, dann auch aus anderen Geldmarktfonds.

Beim Thema Bankenkrach haben wir noch immer Bilder aus den 30er Jahren vor Augen, Bilder von Massenaufläufen vor den Bankgebäuden. Dass Ähnliches jedoch genau 2008 geschah, blieb von vielen unbemerkt. Betroffen waren ja „nur“ Geldmarktfonds und der Ansturm geschah ohne spektakuläre Bilder allein durch Verkaufsaufträge über Telefon oder Internet.

Da die Geldmarktfonds allerdings eine wichtige Quelle für die kurzfristige Liquidität der Banken waren, gerieten dann doch die Geldhäuser unter Druck, insbesondere auch in Europa. Nicht umsonst sahen sich Kanzlerin Angela Merkel und der damalige Finanzminister Peer Steinbrück im Oktober 2008 gezwungen, die Sicherheit der Spareinlagen bei deutschen Banken explizit durch die Regierung zu garantieren.

Vor dem Hintergrund wird verständlich, warum sich die Fed nun Sorgen um die Rentenfonds macht. Sie möchte einer Krise ähnlich wie 2008 vorbeugen. Verkaufsgebühren, so die Überlegung der Notenbanker, könnten die Leute davon abhalten, in einer Krisensituation die Fonds leer zu saugen.

Der Schuss könnte allerdings nach hinten losgehen. In einer Studie mit dem Titel „Gates, Fees, and Preemptive Runs“ kommen Experten der Fed zu dem Schluss, dass schon die Möglichkeit, im Krisenfall Gebühren oder Schranken für den Ausstieg einzuführen, die Anleger zu gefährlichen Reaktionen veranlassen kann. Die Anleger, die nun nicht nur Verluste bei ihrer Anlage befürchten, sondern auch noch die Gefahr, aus ihrer Anlage nicht mehr ohne Weiteres herauszukommen, werden ihr Geld umso eher abziehen. Der Ansturm findet schneller statt.

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