Alstom: Frankreich erwirbt Option der Anteile von Bouygues

Der französische Staat hat nach Angaben von Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg eine Option auf den 20 Prozent-Anteil von Alstom erworben. Großaktionär Bouygues wird die Aktien der Regierung leihen, die die Anteil später zu einem niedrigen Preis kaufen kann. Siemens will sich wieder auf das Tagesgeschäft konzentrieren.

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Die geplante Allianz zwischen Alstom und General Electric ist einen weiteren Schritt vorangekommen. Die französische Regierung erklärte am Sonntagabend, sie habe sich die Option gesichert, vom bisherigen Alstom-Großaktionär Bouygues 20 Prozent der Alstom-Anteile zu kaufen. „Wir haben eine Option, die uns einen Kauf ermöglicht, wenn der Preis so niedrig wie möglich ist“, sagte Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg am Sonntagabend dem TV-Sender France 2. Bis es zu dem Kauf komme, werde Bouygues dem Staat die Aktien leihen. Damit könne der Staat seine Rolle als Alstom-Aktionär ab sofort wahrnehmen.

Am Sonntagabend stand dann auch das Konzept der Regierung für den Kauf von Alstom-Anteilen. Montebourg sagte dem TV-Sender France 2, die Regierung habe sich die Option gesichert, vom bisherigen Großaktionär Bouygues 20 Prozent der Alstom-Anteile zu kaufen. „Wir haben eine Option, die uns einen Kauf ermöglicht, wenn der Preis so niedrig wie möglich ist.“ Bis dahin werde Bouygues dem Staat die Aktien leihen, der damit seine Rolle als Alstom-Aktionär ab sofort wahrnehmen könne. Zwischen beiden Seiten hatte es Streit um den Preis gegeben. Die Regierung wollte etwa 28 Euro pro Alstom-Aktie zahlen, Bouygues wollte etwa 34 Euro haben.

GE hatte zuletzt eine verbesserte Offerte vorgelegt, die Alstoms Energiegeschäft mit 12,4 Milliarden Euro bewertet. Zudem hatte GE in Absprache mit dem Alstom-Management mehrere Joint-Ventures und andere Allianzen vorgeschlagen. Der Alstom-Verwaltungsrat hatte erklärt, das GE-Angebot komme Alstoms Interessen und denen seiner Aktionäre ebenso entgegen wie den Bedenken des französischen Staates. Alstom hatte von Anfang an positiv auf die GE-Avancen reagiert und Siemens die kalte Schulter gezeigt.

Siemens zeigte sich enttäuscht, gab die Hoffnung auf einen Zuschlag aber nicht komplett auf. Konzernchef Joe Kaeser sagte der „Bild“ (Montagausgabe), Siemens sei weiter gesprächsbereit. „Die Türen stehen Alstom und der französischen Regierung offen.“ Wer das bessere Ergebnis wolle, wisse, wo er hingehen müsse. Ein Mitarbeiter von Hollande hatte Reuters gesagt, beide Angebote seien von ebenbürtiger Qualität gewesen. „Aber die Wahrheit ist, dass die Gespräche zwischen Alstom und GE viel weiter fortgeschritten waren.“

Den Siemens-Mitarbeitern teilte Kaeser in einem Reuters vorliegenden Brief mit, er blicke nun nach vorn und konzentriere sich wieder auf den Umbau des Münchner Konzerns. „Deshalb wird uns jetzt der ‚Kampf um Alstom‘, wie unsere Verhandlungen gerne in der Öffentlichkeit dramatisiert wurden, nicht sonderlich fehlen“, sagte Kaeser, der sich zuvor sowohl enttäuscht wie auch noch kampfeslustig gegeben hatte. „Wir drängen uns nicht auf, das haben wir auch gar nicht nötig.“ Es sei bei dem Gebot vor allem auch darum gegangen, Handlungsfähigkeit zu beweisen.

Alstom machen seit längerem Rückgänge im Kraftwerksgeschäft und Probleme in der Zugsparte zu schaffen. Der Konzern hatte deshalb einen Abbau von Arbeitsplätzen angekündigt und sich auf Partnersuche begeben. Unter anderem wurde ein Verkauf von Unternehmensteilen erwogen. Die französische Regierung hatte sich jedoch das letzte Wort gesichert. Dazu erließ sie ein Dekret, das ihr das Recht gibt, einen Kauf heimischer Firmen in strategisch wichtigen Branchen wie Energie, Wasser, Telekommunikation und Gesundheit durch Ausländer zu blockieren.

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