Creditreform: Überdurchschnittlich viele Insolvenzen im Bau-Gewerbe

Der Boom bei den Immobilien verhindert nicht, dass die Zahl der Insolvenzen im Baugewerbe überdurchschnittlich hoch bleibt. Einen Rückgang der Firmen-Pleiten meldet die Creditrefom dagegen im mittelständischen Verarbeitenden Gewerbe.

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Die Creditreform meldet zu den Unternehmens-Insolvenzen im ersten Halbjahr 2014:

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist auf den niedrigsten Stand seit Einführung der neuen Insolvenzordnung (InsO) im Jahre 1999 gefallen. Bundesweit waren im 1. Halbjahr 12.100 Unternehmensinsolvenzen zu verzeichnen. Das waren 9,1 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum (13.310). Ursächlich für den Rückgang sind die anhaltend gute Konjunktur sowie die günstigen Finanzierungsbedingungen. Auch eine geringere Zahl an Folgeinsolvenzen hatte einen positiven Einfluss.

Immer mehr Kleinstfirmen, knapp 100.000 Arbeitsplätze betroffen

Die angemeldeten Forderungen der Insolvenzgläubiger belaufen sich auf insgesamt 12,3 Mrd. Euro nach 14,7 Mrd. Euro im ersten Halbjahr 2013. Für private Insolvenzgläubiger wie Lieferanten und Kreditgeber beträgt die durchschnittliche Schadenssumme je Insolvenzfall 736.000 Euro (Vorjahr: 804.000 Euro). Infolge der Insolvenzen sind 96.000 Arbeitsplätze gefährdet bzw. abgebaut worden. Im Vorjahreszeitraum waren 116.000 Stellen betroffen (minus 17,2 Prozent).

Überwiegend konzentriert sich das Insolvenzgeschehen auf sehr kleine Firmen. Acht von zehn Insolvenzen (80,4 Prozent) betrafen Unternehmen mit höchstens fünf Mitarbeitern (Vorjahr: 78,9 Prozent). Größere Unternehmensinsolvenzen mit mehr als 100 Beschäftigten machten mit 0,6 Prozent nur einen geringen Teil des gesamten Insolvenzgeschehens aus (Vorjahr: 0,8 Prozent). Zwar war die absolute Zahl insolventer Kleinstfirmen ebenfalls rückläufig, allerdings weniger stark als bei mittleren und größeren Unternehmen. Das zeigt die zunehmende Stabilität der häufig auch international tätigen mittelständischen Unternehmen.

Positiver Trend bei jungen Firmen, nicht aber im Baugewerbe

Bei jungen Unternehmen gab es zuletzt einen positiven Trend: Die Zahl der Insolvenzen im Alterssegment bis zwei Jahre sank um 15,7 Prozent. Es gingen offenbar mehr substanzhaltige und größere Gründungen bei einem insgesamt ruhigeren Gründungsgeschehen in Deutschland an den Start. Auch Unternehmen mit einer Marktzugehörigkeit von mehr als zehn Jahren wiesen mit minus 10,1 Prozent einen überdurchschnittlich starken Rückgang der Insolvenzfälle auf.

Rückläufiger zeigt sich das Insolvenzgeschehen vor allem im Verarbeitenden Gewerbe. Die Zahl der Insolvenzen in diesem Wirtschaftsbereich ging um 17,9 Prozent deutlich zurück. 920 Unternehmen waren in den ersten sechs Monaten betroffen. Im Baugewerbe blieb die Zahl der Insolvenzen dagegen mit 1.830 nahezu unverändert (1. Halbjahr 2013: 1.840). Im Handel (minus 12,1 Prozent) sowie im Dienstleistungssektor (minus 8,8 Prozent) waren weniger Insolvenzen zu verzeichnen. Die Insolvenzquote (Zahl der Insolvenzen je 10.000 Bestandsunternehmen) verringerte sich gesamtwirtschaftlich von 82 auf 74. Im Baugewerbe bleibt die Insolvenzquote mit 101 überdurchschnittlich hoch.

Verbraucher: Rückgang im Vorfeld der Reform

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen in Deutschland ist wie im Vorjahr weiter zurückgegangen. 43.800 insolvente Privatpersonen wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres registriert. Das sind 4,4 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2013 (45.810 Personen). In den ostdeutschen Ländern (minus 3,5 Prozent) sank die Zahl der insolventen Verbraucher weniger deutlich als im Westen (minus 4,6 Prozent), nachdem bis 2012 zunächst im Osten ein stärkerer Rückgang zu verzeichnen war. Die Reform des Verbraucherinsolvenzrechts, die zum 1. Juli 2014 in Kraft tritt, umfasst einige Erleichterungen für die Entschuldung von Privatpersonen wie eine Verkürzung der Wohlverhaltensphase. Vor diesem Hintergrund war ein Rückgang im Vorfeld der Reform zu erwarten gewesen. In der zweiten Jahreshälfte könnte sich diese Entwicklung entsprechend umkehren.

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