Zentralbank bestätigt: Fußball-WM bringt Brasilien kein Wachstum

Die Notenbank in Brasilien hat ihre Prognosen für Brasilien gekappt. Entgegen den Prognosen der Veranstalter der Fußball-WM bringt das globale Spektakel dem Land wirtschaftlich nichts. Es ist eher zu erwarten, dass die brasilianischen Steuerzahler für die Folgekosten aufkommen müssen.

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Im Vorfeld der Fußball-WM hatten die Fifa und alle an den Spielen interessierten internationalen Verbände und Medien verkündet, dass die WM eine gigantische Wachstumsmaschine für Brasilien sein.

Nun rückt die brasilianische Zentralbank mit der Wahrheit heraus: Die Fifa-WM bringt dem Land kein Wachstum.

Die Notenbank Brasiliens kappte am Donnerstag ihre Prognose für 2014 am Donnerstag auf 1,6 von zuvor 2 Prozent. Noch im Vorjahr hatte die Wirtschaft um knapp 2,5 Prozent zugelegt. Von Januar bis März 2014 halbierte sich das Wachstum mit einem Plus von 0,2 Prozent gegenüber Ende 2013. Finanzminister Guido Mantega hofft, dass die Fußball-WM dem Wachstum einen Kick gibt. Das Großereignis mit geschätzten 600.000 ausländischen Besuchern soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,5 Prozentpunkte anschieben. Viele Experten rechnen jedoch nur mit einem zusätzlichen Effekt von 0,2 Prozentpunkten.

Trotz der Fußballbegeisterung zwischen Fortaleza und Porto Alegre hat sich im Vorfeld der WM eine Protestbewegung in Brasilien gebildet, die die hohen Kosten der Veranstaltung anprangert. Die WM ist die teuerste in der Geschichte des Weltfußballverbands Fifa. Das Schwellenland lässt sich das Ereignis umgerechnet mehr als acht Milliarden Euro kosten. Die WM-Gegner fordern, mehr Geld in bessere Bildung und Infrastruktur zu stecken.

Vielen Brasilianern macht zudem die hohe Inflation zu schaffen, die Lohnzuwächse aufzehrt. Laut Notenbank wird der Preisauftrieb dieses Jahr seinen Höhepunkt erreichen: Die Zentralbank erhöhte ihre Inflationsprognose für 2014 auf 6,4 von 6,1 Prozent. Bis Mitte 2016 soll die Inflationsrate auf 5,1 Prozent sinken. Die Notenbank peilt 4,5 Prozent an. Sie toleriert aber bis zu zwei Prozentpunkte mehr Inflation. Daher gehen die meisten Experten davon aus, dass der Leitzins von elf Prozent vorerst nicht angetastet wird.

Auch in Südafrika hat die WM den Südafrikanern nichts gebracht, im Gegenteil: Die Steuerzahler müssen für die Folgekosten der ungenutzten und überdimensioniertenb Spielstätten aufkommen (mehr hier). Griechenland hat mit den Olympischen Spielen einen Milliraden-Verlust gemacht (hier bei DMN).

Alle Hintergründe zu den sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen in Brasilien in der Rubrik „Das andere Tagebuch“:

Teil 1: Die Revolution hat in Brasilien Feuer gefangen

Teil 2: Brasilien: Künstler protestieren gegen die Fußball-WM

Teil 3: Brasilien: Von der Fußball-WM profitieren Konzerne, Politiker und Banken

Teil 4: Weltmeister: Deutsche Waffen-Industrie verdient prächtig mit der Fußball-WM

Teil 5: Brasilien: Staudamm-Bau mit Methoden einer Militär-Diktatur

Teil 6: Wer ist die rätselhafte Dilma Rouseff?

Teil 7: Brasilien: Straßenkinder passen nicht ins Bild der WM – und verschwinden

Teil 8: Der ganz andere WM-Song:  „Öffnet eure Augen, Brüder / die FIFA greift in unsere Taschen“

Teil 9: Brasilien: Fifa unterstützt Projekte gegen Kinderprostitution nicht

Teil 10: Lage in São Paulo eskaliert: Polzei knüppelt streikende U-Bahn-Fahrer nieder

Teil 11: Der Schwarze Block will marschieren: „20 Prozent der Brasilianer sind gegen die WM“

Teil 12: Korruption bei der Fifa: „Wer einmal die Hand aufhält, versucht es auch ein zweites Mal“

Teil 13: Brasilianischer Fußball: Der lange Weg zur Vielfalt der Kulturen

Teil 14: Fußball: „Für die Brasilianer ist die Fifa so böse wie der IWF“

Teil 15: Schriftsteller Zé do Rock: „Sepp Blatter wäre der ideale Präsident für Brasilien“

Teil 16: „Die Demonstranten haben das Image von Brasilien verändert“

Teil 17: Das Foto, das den Zorn der Brasilianer auf die Fußball-WM entfacht hat

Teil 18: Kein gutes Geschäft: Fußball-WM schadet Brasiliens Mittelstand

Teil 19: Brasilianische Militärpolizei stürmt WM-Partys in den Armenvierteln

Teil 20: Mieten und Immobilien-Preise explodieren wegen der WM

Teil 21: Fußball-WM: Die Bilder aus Brasilien, die die Welt nicht sehen soll

Teil 22: Umwelt-Skandal: Eine Gemeinde in Brasilien kämpft gegen ThyssenKrupp

Teil 23: Militärpolizei ändert Taktik und verhaftet Aktivisten

Teil 24: Brasilien: „Die Reaktion der Politiker auf die Proteste ist desaströs!“

Teil 25: Die Linke knickt ein und jubelt der WM zu

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