Aufruhr in Rio: Brasilianer fordern Freiheit für Obdachlosen

Brasilianische Regierungs-Kritiker fordern die Freilassung eines inhaftierten Obdachlosen. Er wurde verhaftet, weil Putzmittel in seinem Rucksack gefunden wurden. Die Polizei behauptet, er wollte Molotow-Cocktails bauen.

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Demonstration in Rio für die Freilassung von Rafael Braga. (Foto: Francisco Chavez)

Demonstration in Rio für die Freilassung von Rafael Braga. (Foto: Francisco Chavez)

Ein Wandbild von Rafael Braga Vieira. (Foto: Captain Boderline)

Ein Wandbild von Rafael Braga Vieira. (Foto: Captain Boderline)

Dieses Bild ist dem obdachlosen Rafael Braga Vieira gewidmet, der zu einer 5-jährigen Haftstrafe verurteilt wurde, weil er während einer Demo im Juni 2013 mit Putzmitteln im Rucksack aufgegriffen wurde. Die Polizei warf ihm vor, dass er Molotow-Cocktails bauen wollte. Am vergangenen Freitag hat Rafael Braga Vieira, 25, sein erstes Haftjahr hinter sich gebracht.

Der Hintergrund:

Es geschah am 20. Juni 2013 in Rio de Janeiro: Verschiedene Bürgerbewegungen hatten zu einer Großdemonstration gegen die bevorstehenden Mega-Sportevents in Brasilien aufgerufen. Ein Polizeigroßaufgebot rückte vor und verhaftete mehrere Personen, unter anderen einen jungen, schwarzen, obdachlosen Mann.

Name: Rafael Braga Vieira. Alter: 25 Jahre. Beruf: Sammler von Wertstoffen. Rafael wird der Prozess gemacht. Er wird bezichtigt Material zur Herstellung von Molotov-Cocktails mitgeführt zu haben. Und: Er wird zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Bei dem sichergestellten Material handelte es sich um zwei Plastikflaschen: Eine gefüllt mit einem Desinfektionsmittel, die andere mit sterilisiertem Wasser. Putzmittel, sagt Rafael Braga Vieira, der angibt, in keinster Weise an den Demonstrationen beteiligt gewesen zu sein. Beobachter bestätigen: Er hatte keinerlei ideologischen Bezug zu den Demonstranten. In die Demonstration war er nur zufällig hineingeraten. Er ist Analphabet und kennt weder den Namen der Präsidentin, noch den des Gouverneurs, noch den des Bürgermeisters von Rio. Sein einziges Vergehen: Er war zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort.

Die Verhaftung von Rafael stellt eine schockierende Verletzung der Menschenrechte dar, sagen diverse Organisationen der brasilianischen Zivilgesellschaft. Seit über einem Jahr sitzt er im Gefängnis von „Bangu 5“ in Rio und teilt sich eine Zelle mit 70 anderen Insassen. Zwei Stunden am Tag darf er die Zelle verlassen und im Innenhof seine Runden drehen.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat zum Fall Rafael Braga Vieira ein

Dossier verfasst:

http://www.amnesty.org.uk/blogs/campaigns/brazil-world-watching

http://action.amnesty.de/l/ger/p/dia/action3/common/public/?action_KEY=9635&d=1

Das andere Tagebuch:

Teil 1: Die Revolution hat in Brasilien Feuer gefangen

Teil 2: Brasilien: Künstler protestieren gegen die Fußball-WM

Teil 3: Brasilien: Von der Fußball-WM profitieren Konzerne, Politiker und Banken

Teil 4: Weltmeister: Deutsche Waffen-Industrie verdient prächtig mit der Fußball-WM

Teil 5: Brasilien: Staudamm-Bau mit Methoden einer Militär-Diktatur

Teil 6: Wer ist die rätselhafte Dilma Rouseff?

Teil 7: Brasilien: Straßenkinder passen nicht ins Bild der WM – und verschwinden

Teil 8: Der ganz andere WM-Song:  „Öffnet eure Augen, Brüder / die FIFA greift in unsere Taschen“

Teil 9: Brasilien: Fifa unterstützt Projekte gegen Kinderprostitution nicht

Teil 10: Lage in São Paulo eskaliert: Polzei knüppelt streikende U-Bahn-Fahrer nieder

Teil 11: Der Schwarze Block will marschieren: „20 Prozent der Brasilianer sind gegen die WM“

Teil 12: Korruption bei der Fifa: „Wer einmal die Hand aufhält, versucht es auch ein zweites Mal“

Teil 13: Brasilianischer Fußball: Der lange Weg zur Vielfalt der Kulturen

Teil 14: Fußball: „Für die Brasilianer ist die Fifa so böse wie der IWF“

Teil 15: Schriftsteller Zé do Rock: „Sepp Blatter wäre der ideale Präsident für Brasilien“

Teil 16: „Die Demonstranten haben das Image von Brasilien verändert“

Teil 17: Das Foto, das den Zorn der Brasilianer auf die Fußball-WM entfacht hat

Teil 18: Kein gutes Geschäft: Fußball-WM schadet Brasiliens Mittelstand

Teil 19: Brasilianische Militärpolizei stürmt WM-Partys in den Armenvierteln

Teil 20: Mieten und Immobilien-Preise explodieren wegen der WM

Teil 21: Fußball-WM: Die Bilder aus Brasilien, die die Welt nicht sehen soll

Teil 22: Umwelt-Skandal: Eine Gemeinde in Brasilien kämpft gegen ThyssenKrupp

Teil 23: Militärpolizei ändert Taktik und verhaftet Aktivisten

Teil 24: Brasilien: „Die Reaktion der Politiker auf die Proteste ist desaströs!“

Teil 25: Brasilien: Linke knickt ein und jubelt über Fußball-WM

Teil 26: Rio de Janeiro: Polizei verhaftet harmlosen Demonstranten in Spiderman-Klamotten

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