Fußball-WM in Brasilien: Ein Festival der Reichen und der Weißen

Die Mehrheit der brasilianischen Stadionbesucher ist weiß und wohlhabend. Zwei Drittel von ihnen verdient mehr als 3200 Dollar pro Monat, was dem zehnfachen des Mindestlohns entspricht. Der Durchschnitts-Brasilianer hat keine Chance, an Karten zu kommen: Er muss die Spiele wegen der hohen Ticket-Preise von zu Hause aus verfolgen.

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Die überwiegende Mehrheit der brasilianischen Stadionbesucher ist weiß, wohlhabend und kritisch gegenüber der aktuellen Regierung um Dilma Rousseff eingestellt ist. Dies geht aus einer Umfrage während des WM-Achtelfinals von Brasilien hervor. Die Mehrheit der schwarzen Bevölkerung sieht sich durch die hohen Ticket-Preise von den Stadien ausgeschlossen.

Einer aktuellen Umfrage des Instituts Datafolha beim WM-Achtelfinale Brasilien gegen Chile zufolge, bezeichneten sich 67 Prozent der Teilnehmer selbst als weiß. Datafolha befragte 693 Fußball-Fans im Mineirao Stadion in Belo Horizonte. 90 Prozent der Befragten stammten aus den zwei höchsten Einkommensklassen Brasiliens, wie ABC News berichtet.

Nur neun Prozent der WM-Besucher kommen aus Brasiliens Mittelschicht, die im Schnitt zwischen 500 und 2000 Dollar pro Monat verdient. Zwei Drittel der Befragten gaben sogar an, mehr als 3200 Euro im Monat zu verdienen. Das entspricht etwa dem zehnfachen des gesetzlichen Mindestlohns in Brasilien. Insgesamt machen die beiden höchsten Einkommensklassen in Brasilien nur etwa 15 Prozent der Bevölkerung aus.

Von den rund 200 Millionen Brasilianern hat etwa die Hälfte afrikanische Vorfahren. Die schwarze Bevölkerung des Landes fühlt sich durch die hohen Ticket-Preise zusätzlich benachteiligt. Sie haben zunehmend das Gefühl, dass ihnen zwar die Lasten der Fußball-WM in Form steigender Preise aufgebürdet werden, sie jedoch von den Annehmlichkeiten des Großereignisses kaum profitieren.

„Natürlich sind nur Weiße im Stadion. Es ist eine Frage des Geldes“, zitiert ABC News Ana Beatriz Ferreira, eine 27-jährige Schwarze, die als Parkeinweiserin arbeitet. „Ich kenne niemanden, der sich Tickets leisten konnte“, so Ferreira weiter.

Der 18-jährige Marcos Carvalho versuchte gar nicht erst an die teuren Tickets zu kommen.

„Es gab keine Chance, dass ich sie mir hätte leisten können“, sagte Carvalho.

Die Preise der Eintrittskarten für das Spiel Brasilien gegen Chile lagen zwischen 25 Dollar und 200 Dollar. Die günstigsten Tickets machten dabei jedoch nur 5 Prozent der Gesamtzahl aus und wurden nur an Studenten, Senioren und Sozialhilfe-Empfänger vergeben. Laut Angaben der FIFA wurden während der Gruppenphase pro Partie nur etwa 3.000 dieser Tickets verkauft.

Das andere Tagebuch:

Teil 1: Die Revolution hat in Brasilien Feuer gefangen

Teil 2: Brasilien: Künstler protestieren gegen die Fußball-WM

Teil 3: Brasilien: Von der Fußball-WM profitieren Konzerne, Politiker und Banken

Teil 4: Weltmeister: Deutsche Waffen-Industrie verdient prächtig mit der Fußball-WM

Teil 5: Brasilien: Staudamm-Bau mit Methoden einer Militär-Diktatur

Teil 6: Wer ist die rätselhafte Dilma Rouseff?

Teil 7: Brasilien: Straßenkinder passen nicht ins Bild der WM – und verschwinden

Teil 8: Der ganz andere WM-Song:  „Öffnet eure Augen, Brüder / die FIFA greift in unsere Taschen“

Teil 9: Brasilien: Fifa unterstützt Projekte gegen Kinderprostitution nicht

Teil 10: Lage in São Paulo eskaliert: Polzei knüppelt streikende U-Bahn-Fahrer nieder

Teil 11: Der Schwarze Block will marschieren: „20 Prozent der Brasilianer sind gegen die WM“

Teil 12: Korruption bei der Fifa: „Wer einmal die Hand aufhält, versucht es auch ein zweites Mal“

Teil 13: Brasilianischer Fußball: Der lange Weg zur Vielfalt der Kulturen

Teil 14: Fußball: „Für die Brasilianer ist die Fifa so böse wie der IWF“

Teil 15: Schriftsteller Zé do Rock: „Sepp Blatter wäre der ideale Präsident für Brasilien“

Teil 16: „Die Demonstranten haben das Image von Brasilien verändert“

Teil 17: Das Foto, das den Zorn der Brasilianer auf die Fußball-WM entfacht hat

Teil 18: Kein gutes Geschäft: Fußball-WM schadet Brasiliens Mittelstand

Teil 19: Brasilianische Militärpolizei stürmt WM-Partys in den Armenvierteln

Teil 20: Mieten und Immobilien-Preise explodieren wegen der WM

Teil 21: Fußball-WM: Die Bilder aus Brasilien, die die Welt nicht sehen soll

Teil 22: Umwelt-Skandal: Eine Gemeinde in Brasilien kämpft gegen ThyssenKrupp

Teil 23: Militärpolizei ändert Taktik und verhaftet Aktivisten

Teil 24: Brasilien: „Die Reaktion der Politiker auf die Proteste ist desaströs!“

Teil 25: Brasilien: Linke knickt ein und jubelt über Fußball-WM

Teil 26: Rio de Janeiro: Polizei verhaftet harmlosen Demonstranten in Spiderman-Klamotten

Teil 27: Aufruhr in Rio: Brasilianer fordern Freiheit für Obdachlosen

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