Milliarden-Verlust: Aktien von Österreichs Großbanken stürzen ab

Bankenkrise in Österreich: Die Erste Group meldet einen Rekordverlust von bis zu 1,6 Milliarden Euro mit ihren Geschäften in Osteuropa. Der Kurs der Bank stürzte um 13 Prozent ab. Auch die Raiffeisen-Aktien wurde mit nach unten gerissen.

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Die Aktien der erste Group brachen am Freitag um 13 Prozent ein. (Grafik: ariva.de)

Die Aktien der erste Group brachen am Freitag um 13 Prozent ein. (Grafik: ariva.de)

Die Erste Group hat mit der Ankündigung eines Rekordverlusts für das laufende Jahr ihre Aktionäre schockiert. Die Aktie des österreichischen Sparkassenspitzeninstituts verlor am Freitag zum Börsenstart 13 Prozent an Wert und notierte bei 20,3 Euro. Am Donnerstagabend hatte die Bank mitgeteilt, sie erwarte wegen Problemen in Rumänien und Ungarn einen Jahresverlust zwischen 1,4 und 1,6 Milliarden Euro – der höchste in der Geschichte der Bankengruppe.

Im Gefolge büßten auch die Aktien der Raiffeisen Bank International knapp fünf Prozent an Wert ein. Das Institut erwarte keine Probleme in Rumänien, hatte eine Sprecherin erklärt.

Grund für den Milliarden-Verlust sind hohe Einbußen durch die Pläne der ungarischen Regierung, die Banken bei Fremdwährungskrediten erneut zur Kasse zu bitten. In Rumänien machen der Bank höhere Vorsorgen für faule Kredite zu schaffen. Konzernweit erwartet das Institut hier nun einen Anstieg der Vorsorgen auf 2,4 Milliarden statt der bislang in Aussicht gestellten 1,7 Milliarden Euro. Zudem droht der Erste Group bei der rumänischen Tochter im schlimmsten Fall eine Abschreibung von einer Milliarde Euro, sollte die Bank ihre dortigen Firmenwerte und latente Steuern komplett wertberichtigen. Die Erste-Aktie hatte tagsüber bereits rund zwei Prozent an Wert verloren.

Es ist die dritte Gewinnwarnung eines österreichischen Unternehmens innerhalb weniger Tage wegen Problemen in Osteuropa: Auch die Telekom Austria und der Versorger EVN mussten ihre Prognose kippen und erwarten nun Verluste.

Das Geschäft in Ungarn und Rumänien bereitet der Bank bereits seit Jahren Kopfzerbrechen. 2011 verbuchte die Erste wegen hoher Abschreibungen in beiden Märkten einen Jahresverlust von 719 Millionen Euro. Durch die nun erwarteten neuen Einbußen werde die harte Kernkapitalquote auf etwa zehn Prozent zum Jahresende schrumpfen – nach 11,1 Prozent per Ende März. Damit erfüllt die Bank die Anforderungen der Regulierer immer noch – auch ohne zusätzliche Kapitalspritzen. Für das laufende Jahr werde die Bank aber keine Dividende ausschütten, sagte ein Sprecher.

In Ungarn hatte die Regierung von Viktor Orban Banken bereits vor einigen Jahren gezwungen, Dollar- oder Eurokredite in die Landeswährung Forint zu wechseln. Das hatte den Instituten milliardenschwere Verluste eingebrockt. Doch trotz der Maßnahme ist das Problem nicht gelöst: Vor der Finanzkrise haben viele Ungarn solche Fremdwährungskredite aufgenommen, die sie nun wegen des Verfalls des Forint nicht mehr zurückzahlen können. Die Regierung will die Banken nun unter anderem dazu verdonnern, rückwirkend Zins- und Gebührenerhöhungen für diese Kredite zurückzunehmen.

In Rumänien muss sich die Erste auf Druck der dortigen Notenbank von faulen Krediten trennen. Hintergrund ist die bevorstehende vertiefte Bilanzprüfung der EZB, bei der auch das Sparkassenspitzeninstitut unter die Lupe genommen wird. Die Erste könne beim Verkauf solcher notleidender Kredite aber nicht so hohe Preise erzielen wie gedacht.

Angesichts dieser trüben Aussichten muss das Institut schlimmstenfalls den kompletten Firmenwert in Rumänien von 800 Millionen Euro abschreiben. Hinzukommen könnte auch noch eine Abschreibung latenter Steuern über 200 Millionen Euro.

Die Raiffeisen Bank International erwartet anders als ihre Konkurrentin Erste Group im laufenden Jahr keine Verwerfungen bei ihrer rumänischen Tochter. „Die Entwicklung unseres lokalen Geschäfts in Rumänien ist anhaltend gut, das ist also nicht wirklich ein Problem für uns“, sagte eine Sprecherin am Freitag. Die Erste Group hatte am Donnerstagabend erklärt, sie erwarte höhere Vorsorgen für faule Kredite. Grund dafür sei auch die bevorstehende vertiefte Bilanzprüfung der EZB für die Banken in der Euro-Zone. Das führe bei Raiffeisen nicht zu Problemen, sagte die Sprecherin. Die Genossenschaftsbank ist in Rumänien deutlich kleiner als die Erste Group.

Ob und inwiefern die neuen Pläne der ungarischen Regierung zu Fremdwährungskrediten die RBI träfen, könne die Bank erst in den kommenden Tagen feststellen. Ungarn will die Banken bei den umstrittenen Darlehen erneut zur Kasse bitten, um das Problem in den Griff zu bekommen. Viele Leute können dort ihre Schulden nicht begleichen, weil die Landeswährung Forint im Vergleich zum Franken seit der Krise an Wert verloren hat.

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