Öl-Krise: Bürgerkrieg im Irak wird zum Problem für China

Sollte die Lage im Irak weiter eskalieren, könnte der Erdöl-Handel zwischen China und dem Irak komplett zusammenbrechen. China ist massiv in der Erdöl-Förderung im Irak engagiert. Die Folgen eines flächendeckenden Bürgerkriegs im Irak wären für die chinesische Wirtschaft gravierend.

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Die aktuelle Irak-Krise ist für die Wirtschaft Chinas eine große Herausforderung. China krankt an einer massiven Abhängigkeit von Energieträger-Importen.

Im vergangenen Jahr war das Land noch vor den USA der wichtigste Handelspartner des Iraks und der größte Öl-Importeur der Welt. Peking galt seit dem Saddam-Sturz als der größte Nutznießer der Energiepolitik Bagdads. Der Irak ist Chinas fünftgrößter Erdöl-Lieferant.

Die irakischen Erdöl-Exporte nach China sind 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent gestiegen. „Der Irak ist ein sehr wichtiges Land für die Chinesen“, zitiert das Magazin Fortune den amerikanischen Energie-Analysten Simon Powell.

Doch der aktuelle Bürgerkrieg zwischen Schiiten und Sunniten stellt die Beziehungen auf eine Probe. Es befinden sich immer noch etwa 10.000 chinesische Arbeiter und Ingenieure im Irak, die im Erdölsektor tätig sind.

Diese wurden angesichts der Zusammenstöße aus den Raffinerien evakuiert und befinden sich in geschützten Gebieten des Landes. Dabei hat die Maliki-Regierung ein gutes Verhältnis zu den Chinesen. Diese fallen vor allem dadurch auf, dass sie keinerlei Aussagen über Politik oder Religion treffen. Das ist im Sinne der Zentralregierung.

Zudem investiert Peking vor allem in den schiitisch dominierten Regionen des Südiraks. Das Erdöl-Unternehmen PetroChina hat Investitionen bei den Ölfeldern Halfaya, Rumaila, Ahdan und West Qurna. Lediglich das chinesische Erdgas-Unternehmen Sinopec investiert im Nordirak.

Doch Sinopec beschäftigt dort keine Chinesen, sondern nur Einheimische und einige Ausländer. Ein kompletter Abzug der chinesischen Arbeiter aus dem Irak ist für Peking eine Option. Die tritt aber erst dann ein, wenn die Isis-Extremisten Bagdad angreifen.

Der Energie-Analyst Powell sagt, dass die Chinesen noch ausharren wollen. Der Premierminister Nuri al-Maliki setzt alles daran, um die Sicherheit der chinesischen Unternehmen zu garantieren. Zu Beginn des Jahres sagte er, dass der Irak ein unerschütterliches Vertrauen in China habe und sich noch mehr Direktinvestitionen erhoffe.

Denn das Land braucht 30 Milliarden US-Dollar an ausländischen Investitionen, um die Produktionsziele zu erreichen, melden die New York Times. Die ausländische Nachfrage ist groß.

Im Jahr 2013 sah es so aus, als ob China und der Irak eine neue Achse im weltweiten Energie-Handel bilden würden.

Bloomberg zitierte den Chefökonomen der Internationalen Energiebehörde (IEA), Fatih Birol:

„Die Achse zwischen Bagdad und Peking ist die neue Seidenstraße. Bagdad exportiert Erdöl nach China und China investiert im Gegenzug in den irakischen Energiesektor.“

Weder die IEA noch eine andere internationale Organisation konnte sich damals ausmalen, dass eine Offensive islamischer Extremisten stattfinden würde. Die Irak-Krise könnte die Karten im weltweiten Energie-Handel neu mischen.

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