Zweifel an Sanierung: Karstadt-Chefin wirft nach fünf Monaten das Handtuch

Der Karstadt-Konzern ist offenbar in einem weitaus schlechteren Zustand als bekannt. Die neue Chefin hat dem Eigentümer Nicholas Berggruen nach nur fünf Monaten ihre Abschied mitgeteilt. Die Schwedin Eva-Lotta Sjöstedt resigniert angesichts der "wirtschaftlichen Rahmendaten". Im Unternehmen herrschen Ratlosigkeit und Sorge.

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Die Chefin des angeschlagenen Warenhauskonzers Karstadt, Eva-Lotta Sjöstedt, wirft knapp fünf Monate nach ihrer Amtsübernahme das Handtuch. Sie habe festgestellt, dass die Voraussetzungen für die von ihr angestrebte Sanierung des Unternehmens nicht mehr gegeben seien, begründete Sjöstedt am Montag ihre Entscheidung. „Als ich mich im vergangenen Herbst dazu entschied, nach Essen zu gehen, tat ich dies in fester Annahme, ein angeschlagenes, in einer sehr schwierigen Situation befindliches Unternehmen übernehmen und entwickeln zu dürfen.“ Zudem hätten die Karstadt-Eigentümer, die Berggruen Holdings, die volle Unterstützung für meine Strategie und meine Investitionspläne für die 83 Warenhäuser zugesagt (mehr zu ihren Plänen von damals – hier).

„Nach eingehender Prüfung, den Erfahrungen der letzten Monate und in genauer Kenntnis der wirtschaftlichen Rahmendaten muss ich nun jedoch feststellen, dass die Voraussetzungen für den von mir angestrebten Weg nicht mehr gegeben sind“, so Sjöstedt. Daher habe sie dem Aufsichtsrat mitgeteilt, dass sie ihr Amt zum 7. Juli 2014 niederlegen werde.

Erneuter Rückschlag für Karstadt: Knapp fünf Monate nach ihrem Amtsantritt als Chefin des angeschlagenen Warenhausriesen wirft Eva-Lotta Sjöstedt das Handtuch. Die ehemalige Ikea-Managerin sollte den mit Verlusten und Umsatzeinbußen ringenden Traditionskonzern mit seinen 17.000 Beschäftigten wieder auf Kurs bringen und setzte dabei auf die Unterstützung des als Karstadt-Retter gefeierten Eigentümers Nicolas Berggruen. Sie habe aber feststellen müssen, dass die Voraussetzungen für eine Sanierung nicht mehr gegeben seien, begründete sie am Montag ihren Rücktritt. Das Unternehmen reagierte betroffen: „Dieser Schritt kommt für uns überraschend und in sehr schwierigen Zeiten“, erklärte Aufsichtsratschef Stephan Fanderl.

Kommissarisch sollen Finanzvorstand Miguel Müllenbach und Personalchef Kai-Uwe Weitz die Geschäfte führen. „Unser Ziel ist es jetzt, mit dem erfahrenen Management die Sanierung von Karstadt entschlossen und unverzüglich anzugehen“, erklärte Fanderl. „In der gegenwärtigen Situation dürfen wir uns durch personelle Veränderungen nicht bremsen lassen.“ Karstadt-Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt sieht Investor Berggruen nun in der Pflicht. „Frau Sjöstedts eigener Kommentar zu ihrem Rücktritt legt nahe, dass der Eigentümer Nicolas Berggruen Frau Sjöstedt nicht genügend unterstützt hat bei ihren Plänen, in die Zukunft von Karstadt, in die Häuser und damit auch in die Arbeitsplätze zu investieren“, sagte er.

Die Schwedin hatte Ende Februar das Ruder bei der Karstadt Warenhaus GmbH übernommen, in der das Kerngeschäft gebündelt ist. Die Mehrheit an den Luxushäusern, wie dem Berliner KaDeWe, und den Sportgeschäften hatte Eigner Berggruen bereits an den österreichischen Investor Rene Benko veräußert – und damit Spekulationen um die Zukunft von Karstadt und eine mögliche Fusion mit der Metro -Tochter Kaufhof angeheizt. 2010 hatte Berggruen, Sohn des während der Nazi-Diktatur emigrierten Berliner Kunstsammlers und Mäzens Heinz Berggruen, den Karstadt-Konzern für den Symbolwert von einem Euro gekauft und so vor der Insolvenz gerettet. Er wolle dem Konzern „frische und attraktive Perspektiven“ eröffnen, kündigte Berggruen seinerzeit an. Ihm gehe es darum, die „Kultmarke Karstadt“ und die Arbeitsplätze zu retten. Aus den roten Zahlen ist Karstadt bislang aber nicht gekommen. Aufsichtsratschef Fanderl hat eingeräumt, der Konzern werde auch in diesem Jahr nicht profitabel.

Alle Hoffnungen ruhten dann auf Sjöstedt, die zuvor für Ikea in Schweden, Japan und den Niederlanden in führenden Positionen gearbeitet hatte. Sie sollte den seit Jahren wankenden Warenhauskonzern wieder in die Spur bringen. Sjöstedt erklärte nun: „Als ich mich im vergangenen Herbst dazu entschied, nach Essen zu gehen, tat ich dies in fester Annahme, ein angeschlagenes, in einer sehr schwierigen Situation befindliches Unternehmen übernehmen und entwickeln zu dürfen.“ Die Karstadt-Eigentümer, die Berggruen Holdings, hätten die volle Unterstützung für ihre Strategie und Investitionspläne für die 83 Warenhäuser zugesagt. „Nach eingehender Prüfung, den Erfahrungen der letzten Monate und in genauer Kenntnis der wirtschaftlichen Rahmendaten muss ich nun jedoch feststellen, dass die Voraussetzungen für den von mir angestrebten Weg nicht mehr gegeben sind“, erklärte Sjöstedt. Daher habe sie dem Aufsichtsrat mitgeteilt, dass sie ihr Amt zum 7. Juli niederlegen werde.

Sjöstedt hatte ein schweres Erbe übernommen – neben Verlusten und Umsatzrückgängen macht Karstadt auch ein Dauerstreit mit der Gewerkschaft Verdi um einen vorübergehenden Ausstieg aus der Tarifbindung zu schaffen. Der Konzern will sich damit Lohnerhöhungen sparen. Sjöstedt erfreute sich indes bei den Mitarbeitern großer Beliebtheit. „Frau Sjöstedt hat das Gespräch mit den Beschäftigten von Karstadt gesucht, sie hat den einzelnen Kaufhäusern mehr Eigenständigkeit geben wollen, damit sie sich vor Ort auf das jeweilige Kundenumfeld einstellen können“, erklärte Stefanie Nutzenberger vom Bundesvorstand der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Das sei das Konzept, das Verdi bereits seit langer Zeit für den richtigen Weg halte und immer wieder gefordert habe.

„Was die Beschäftigten von Karstadt nun dringender denn je brauchen, ist Klarheit und Transparenz darüber, wie es nun mit Karstadt weitergehen soll. Investitionen sind dringend nötig, um Karstadt zukunftssicher zu machen“, forderte die Gewerkschafterin. „Die Eigentümer von Karstadt, vor allem Herr Berggruen aber auch Herr Benko, müssen endlich ihre Pläne für die Zukunft von Karstadt auf den Tisch legen.“

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