Deutschland gehorcht den USA und verschärft Kontrollen bei Flügen

Die Bundesregierung entspricht dem Wunsch der Amerikaner und verschärft die Sicherheitskontrollen bei Flügen in die USA. Neben dem Verbot von Zahnpasta und Mineralwasser-Flaschen haben die Sicherheitsbehörden nun freie Hand, Computer und Handys zu durchschnüffeln. Die Behörden weigern sich, Hintergründe für die verschärften Maßnahmen zu nennen. Den Isis-Terror im Irak haben die Anti-Terror-Experten dagegen verschlafen. Worum geht es bei den neuen Schikanen wirklich?

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Auf Flugreisen in die USA werden pünktlich zum Sommerurlaub neue Sicherheitsmaßnahmen eingeführt.

Reuters meldet:

Auf Wunsch der Vereinigten Staaten verschärfen deutsche Behörden die Sicherheitskontrollen für Flüge in die USA. Passagiere sollten sich darauf einstellen, dass technische Geräte auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft und aus ihren Schutzhüllen genommen werden müssten, teilte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums am Dienstag in Berlin mit. Auskünfte zu Hintergründen und Details der Kontrollmaßnahme seien „aufgrund von Sicherheitsaspekten leider nicht möglich.“

Die USA hatten aus Sorge vor Anschlägen bei bestimmten Direktflügen aus Europa die Mitnahme von Smartphones und anderen elektronischen Geräten mit leerem Akku verboten. Zunächst war unklar, welche Länder betroffen sind. Hintergrund ist nach Angaben von Insidern die Sorge, dass sich Al-Kaida-Mitglieder in Syrien und Jemen zur Entwicklung von Bomben zusammengeschlossen haben, die an Bord von Flugzeugen geschmuggelt werden könnten.

Seit Jahren müssen sich Flugreisende wegen der Terrorgefahr teilweise grotesken Prozeduren unterwerfen: Es ist nicht überliefert, ob die Millionen an Flaschen, Kosmetika oder Zahnpastatuben, die Reisende wegen Bombenverdachts wegwerfen mussten, die Sicherheit in irgendeiner Weise erhöht haben. Es ist nicht überliefert, ob in den Millionen Sneakers, die durch die Durchleuchtung geschickt werden müssen, auch nur ein einziges Gramm Sprengstoff gefunden wurden.

Es ist jedoch evident, dass das wortlose Unterwerfen der Bürger unter den Zwang, sich vor wildfremden Beamten zu entkleiden, eine deutliche psychologische Botschaft aussendet: Die Staaten haben das Recht, den Bürger nackt vor sich zu sehen. Denn jeder Bürger ist ein potentieller Terrorist.

Ab sofort können sich nun die freundlichen Damen und Herren von der Sicherheit an den Smartphones und Computern der Passagiere gütlich tun. Unter dem Vorwand, die „Funktionstüchtigkeit“ zu überprüfen, kann das Personal diskret checken, ob sich unter den Kontakten irgendwelche Ahmeds oder Abdullahs finden. Wenn ein Geschäftsreisender das Pech hat, dass ihm wegen der schlechten Ladezeiten beim iPhone der Saft ausgegangen ist, kann ihm das Gerät wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit abgenommen werden. Er kann dagegen nichts unternehmen.

Der Sicherheitswahn erscheint hysterisch, willkürlich und wenig durchdacht. Man wird den Eindruck nicht los, es gehe vor allem darum, den globalen Bürgern in Erinnerung zu halten, dass es eine Staatsmacht gibt, die sie überwacht. Der Widerstand der Bürger gegen die Schikanen wird im Keim erstickt, indem man den abstrakten Terror-Begriff als Begründung für jede staatliche Zwangsmaßnahme in Anspruch nimmt. Wer widerspricht, macht sich verdächtig.

Wie unfähig die Amerikaner in der Terror-Bekämpfung sind, wenn es wirklich gefährlich wird, zeigt die jüngste Entwicklung im Irak: Eine Terror-Gruppe namens Isis war den Amerikanern erst aufgefallen, als es schon hunderte Tote gab und der ganz Irak in einen mörderischen Religionskrieg zu stürzen begann. Keine Geheimdienst hatte vor der Isis gewarnt, keine Anti-Terror-Aufklärung hatte die Ereignisse antizipiert.

Kaum einer von den Killer-Brigaden dürfte in seinem Tun gestoppt worden sein, weil der Akku seines Computers am Frankfurter Flughafen leer gewesen ist.

Die deutschen Sicherheitsbehörden sollten, statt willfährig hinter jeder US-Bürokratie herzutraben, den Amerikanern erklären, dass man den Unsinn nicht mitmacht.  Oder aber die Amerikaner „ersuchen“, von jedem nach Deutschland reisenden US-Bürger zu verlangen, er möge ein Gedicht von Goethe rezitieren. Diese Methode ist besser geeignet, zu erkennen, wes Geistes Kind einer ist, als an seinen Socken oder in seiner Mailbox zu schnüffeln.

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