Krieg in Nahost: Raketen auf Tel Aviv, Luftangriffe auf Gaza

Mit Raketenangriffen auf Tel Aviv sowie weitere Städte durch Palästinenser und Dutzenden israelischen Luftangriffen ist der Gaza-Konflikt am Dienstag weiter eskaliert. Die israelische Luftwaffe flog innerhalb von 24 Stunden mehr als 100 Angriffe auf Raketenstellungen aber auch Häuser mit Verbindung zu radikalen Palästinensern.

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Mit Raketenangriffen auf Tel Aviv sowie weitere Städte durch Palästinenser und Dutzenden israelischen Luftangriffen ist der Gaza-Konflikt am Dienstag weiter eskaliert. Die israelische Luftwaffe flog innerhalb von 24 Stunden mehr als 100 Angriffe auf Raketenstellungen aber auch Häuser mit Verbindung zu radikalen Palästinensern. Dabei starben nach palästinensischer Darstellung 16 Menschen, darunter fünf Kinder. Als Reaktion auf den seit Tagen anhaltenden Dauerbeschuss Südisraels durch Hamas-Einheiten und andere radikale Palästinensergruppen bereitet die israelische Armee nun auch eine Bodenoffensive vor und kündigte an, bis zu 40.000 Reservisten einzuberufen.

Am späten Nachmittag fing das Luftabwehrsystem „Eiserner Dom“ nach Angaben aus Armeekreisen über der Mittelmeermetropole Tel Aviv eine Rakete ab. Es war der erste Angriff auf die neben Jerusalem wichtigste Stadt des Landes seit Beginn der jüngsten Eskalation. Kurz darauf ertönte auch in Jerusalem Luftalarm. Die Hamas erklärte am Abend, auch die nordisraelische Großstadt Haifa sei beschossen worden. Mit 140 Kilometern Entfernung wäre die drittgrößte Stadt Israels das bislang am weitesten entfernte Ziel der Extremisten. Allerdings berichteten Anwohner, in Haifa habe es keinen Alarm gegeben. Die Armee erklärte, es lägen keine Berichte über Schäden oder Verletzte vor.

Zuletzt waren Tel Aviv und Jerusalem während des achttägigen Krieges von 2008 unter Feuer genommen worden. Gemäß seiner Abschreckungsstrategie reagiert die israelische Armee auf Angriffe auf Tel Aviv oder Jerusalem gewöhnlich mit massiver Vergeltung.

„Wir bereiten uns auf eine Schlacht gegen die Hamas vor, die nicht in wenigen Tagen vorbei sein wird“, erklärte Verteidigungsminister Mosche Jaalon. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte am Abend eine „spürbare Ausweitung“ des Militäreinsatzes an und schwor seine Landsleute auf einen längeren Konflikt ein. Die Israelis sollten „Standfestigkeit beweisen, denn diese Operation könnte Zeit benötigen“. Zuvor war der Regierungschef in seiner Umgebung mit Blick auf eine Bodenoffensive mit den Worten zitiert worden: „Alle Optionen liegen auf dem Tisch.“

Die Armee begann mit der Einberufung weiterer Reservisten, nachdem das Sicherheitskabinett die Mobilisierung von bis zu 40.000 Männern und Frauen beschlossen hatte. Bislang waren 1500 Soldaten aus dem Zivilleben zur Armee beordert worden.

Die USA sprangen Israel bei und erklärten, kein Land könne es hinnehmen, wenn seine Zivilbevölkerung unablässig durch Raketenbeschuss terrorisiert werde.

Die Streitkräfte griffen den ganzen Tag über aus der Luft und vom Mittelmeer Ziele an, darunter Wohnhäuser. Allein bei einem dieser Angriffe wurden nach palästinensischen Angaben mindestens sechs Menschen getötet und etwa 25 verletzt. Anwohnern zufolge gehörte das attackierte Gebäude der Familie eines Hamas-Mitglieds. Die Organisation drohte dem jüdischen Staat mit einem „Erdbeben“.

Nach israelischen Angaben wurden innerhalb von 24 Stunden mehr als 100 Raketen vom Gazastreifen aus auf Israel abgefeuert. Einige wurden von einem Abwehrsystem zerstört. Zwei Menschen wurden durch Splitterteile verletzt. Vielerorts lag das öffentliche Leben lahm, weil Menschen in den Schutzräumen ausharren mussten.

Die israelischen Streitkräfte nahmen palästinensischen Angaben zufolge Ausbildungsstätten der Hamas sowie Wohnhäuser ins Visier. Das palästinensische Innenministerium berichtete, vor einem der Angriffe habe ein israelischer Offizier die Bewohner gewarnt und sie zum Verlassen aufgefordert.

Die Gewalt in der Region eskaliert seit Juni, als im Westjordanland drei jüdische Schüler entführt und getötet wurden. Die Regierung macht dafür die Hamas verantwortlich. Offensichtlich aus Rache wurde in der vergangenen Woche ein palästinensischer Jugendlicher in der Nähe von Jerusalem getötet. Sechs jüdische Tatverdächtige sind deswegen in Haft.

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