HSH Nordbank: Freispruch für Dirk Jens Nonnenmacher

Das Landgericht Hamburg hat den Vorstand der HSH-Nordbank freigesprochen: Die Manager um Dirk Jens Nonnenmacher hätten sich bei einer riskanten Transaktion zwar unzureichend informiert, als vorsätzliche Pflichtverletzung sei das Verhalten jedoch nicht zu werten. Die HSH Nordbank will nun auf zivilrechtlichem Weg Schadenersatz erstreiten.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Im Untreue-Prozess gegen ehemalige Vorstände der HSH Nordbank hat das Hamburger Landgericht die Angeklagten überraschend freigesprochen. Die Manager um den damaligen Finanzvorstand Dirk Jens Nonnenmacher hätten sich zwar unzureichend informiert, als sie in der aufziehenden Finanzkrise per Eilentscheid die umstrittene „Omega“-Transaktion beschlossen. Für eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Pflichtverletzung reiche das jedoch nicht aus, befand die Wirtschaftsstrafkammer am Mittwoch. Die HSH will trotz des Urteils weiter Schadenersatz von drei ehemaligen Vorständen erstreiten, wie die Bank erklärte.

Zu Beginn der Gerichtsverhandlung vor fast einem Jahr war es der erste Prozess überhaupt, in dem ein kompletter Bankvorstand wegen Ereignissen während der Finanzkrise auf der Anklagebank saß. Im Zentrum des Prozesses stand die Frage, ob die Ex-Vorstände gezockt haben oder ein vertretbares Risiko eingegangen sind, als sie Ende 2007 die umstrittene Transaktionen namens „Omega 55“ durchwinkten. Das Geldhaus wollte damit Bilanzrisiken loswerden. Es holte sich jedoch Risiken ins Haus, die es beinahe in die Pleite getrieben hätten. Die Landesbank musste später von ihren Eignern Hamburg und Schleswig-Holstein – also den Steuerzahlern – mit Milliardensummen gerettet werden.

Die Staatsanwaltschaft wollte für die sechs Manager Haftstrafen zwischen zehn und 22 Monaten zur Bewährung sehen und hatte zudem Geldbußen in unterschiedlicher Höhe gefordert. Richter Marc Tully sah dafür jedoch keine Grundlage. „Die Angeklagten werden freigesprochen“, sagte er. Die Kosten für den Prozess trage die Staatskasse. Bereits vor dem Urteilsspruch waren Experten jedoch davon ausgegangen, dass die Anklagebehörde im Falle eines Freispruchs Revision beim Bundesgerichtshof einlegen wird.

Die HSH erklärte, zivilrechtliche Schadenersatzansprüche der Bank seien von dem Urteil unberührt. Eine Anwaltskanzlei habe den Sachverhalt bereits 2009 im Auftrag des HSH-Aufsichtsrats aufgearbeitet und dabei Pflichtverletzungen von drei Vorständen festgestellt. Gegen die Vorstände hat die HSH schon vor Beginn des Strafverfahrens zivilrechtliche Schiedsverfahren eingeleitet. „Die Bank wird diese Verfahren mit allem Nachdruck fortführen und ihre Rechte durchsetzen“, erklärte die Bank, die derzeit wegen der Krise in der Schifffahrt unter Druck steht.

Der Prozess war eine von mehreren juristischen Auseinandersetzungen in Deutschland, in denen um die Verantwortung für Fehlverhalten vor oder während der Finanzkrise gestritten wird. Auch ehemalige Manager der BayernLB, der Mittelstandsbank IKB und der LBBW mussten sich schon vor Gericht verantworten. Der LBBW-Prozess war im April gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt worden.

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***


media-fastclick media-fastclick