Wall Street nervös: Massive Verkäufe wegen schlechter Zahlen bei Unternehmen

Die Party an den Börsen neigt sich dem Ende zu: Weil die US-Notenbank weniger Geld verschenken will, schauen die Anleger wieder genauer auf die Zahlen der Unternehmen. Und plötzlich werden Befürchtungen laut, dass etwas „fundamental nicht stimmen“ könnte.

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Aus Angst vor Enttäuschungen in der anstehenden US-Bilanzsaison haben die Anleger an den New Yorker Aktienmärkten am Dienstag Kasse gemacht. Händler sprachen von Verkäufen auf breiter Front. „Die Erwartungen an die Unternehmen sind extrem hoch, und viele fragen sich nun, ob die Konzerne tatsächlich so gute Geschäfte gemacht haben“, fasste ein Marktteilnehmer die Stimmung zusammen. Schließlich habe es in jüngster Zeit schon die ein oder andere Gewinnwarnung gegeben.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,7 Prozent tiefer mit 16.906 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 sank 0,7 Prozent auf 1963 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 1,4 Prozent auf 4391 Stellen.

In Frankfurt ging der Dax 1,4 Prozent tiefer auf 9772,67 Punkten aus dem Handel. Damit schloss der deutsche Leitindex unter der charttechnisch wichtigen Marke von 9800 Zählern und so niedrig wie seit dem 23. Mai nicht mehr. Dies sei für viele Anleger ein Verkaufssignal, sagte ein Händler. Der EuroStoxx50 büßte ebenfalls 1,4 Prozent auf 3184,38 Punkte ein. Die Berichtssaison berge Enttäuschungspotenzial, warnte CMC-Markets-Analyst Andreas Paciorek.

Mit dem Quartalsbericht des Aluminiumkonzerns Alcoa stand nach US-Handelsschluss der traditionelle Auftakt der Bilanzsaison an. Alcoa gilt als ein Barometer für die Konjunkturentwicklung in der weltgrößten Volkswirtschaft. Die Alcoa-Aktien schlossen nach einem unsteten Handel 0,7 Prozent im Plus.

Eine Senkung der Prognose von Air France-KLM setzte die Luftverkehrswerte unter Druck. Der Kurs der französisch-niederländischen Airline brach in Paris knapp neun Prozent ein. Die Aktien von Delta Air Lines verbilligten sich in New York um 1,2 Prozent, die Dividendenpapiere von Southwest Airlines um 1,7 Prozent. „Die Gewinnwarnung kurz vor den für die Branche wichtigen Sommermonaten drückt die Stimmung der Investoren und bestätigt, dass die vergangenen drei Monate für die Branche generell schwierig waren“, sagte Aktienhändler Tom Robertson von Accendo Markets. „Sollte es in den kommenden Monaten nicht zu einer Belebung kommen, würde das bedeuten, dass fundamental etwas nicht stimmt.“

An der New York Stock Exchange wechselten rund 680 Millionen Aktien den Besitzer. 1189 Werte legten zu, 1851 gaben nach und 139 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,16 Milliarden Aktien 547 im Plus, 2111 im Minus und 121 unverändert.

Die US-Kreditmärkte legten dagegen zu. Die zehnjährigen Staatsanleihen gewannen 15/32 auf 99-15/32. Die Rendite sank auf 2,5612 Prozent. Der 30-jährige Bond erhöhte sich um 1-3/32 auf 99-29/32 und rentierte mit 3,3790 Prozent. Händler sagten, dass die Anleihen nach der Reihe von enttäuschenden Konjunkturdaten aus Deutschland als sicherer Hafen gesucht worden seien.


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