BIZ warnt: Jede regionale Krise kann Crash im Finanzsystem auslösen

Die größte Bank Portugals meldet, dass sie die Zinsen auf ihre Schulden nicht mehr zahlen kann. Plötzlich ist ein massiver System-Fehler zu erkennen: Aufgrund der billigen Kredite seien diese Länder extrem verwundbar, warnt die Bank für Internationale Zahlungsausgleich (BIZ). Jede kleine, regionale Krise könne zu einem Crash im globalen Finanz-System führen.

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Am Mittwoch herrschte in Portugal große Nervosität: Die größte Bank des Landes meldete Zahlungsschwierigkeiten – und konnte die Zinsen für ihre Kredite nicht mehr bedienen. Sofort gerieten auch die portugiesischen Staatsanleihen unter Druck: Die Zinsen stiegen, und es ist völlig unklar, ob die Situation mit gewöhnlichen Maßnahmen unter Kontrolle gebracht werden kann (mehr dazu hier).

Der portugiesische Schock könnte weltweite Folgen haben. Wenn die Fed tatsächlich dazu übergeht, den Ankauf von Staatsanleihen zu stoppen, könnte das Kartenhaus zusammenbrechen (mehr dazu hier).

Die Ereignisse in Portugal könnten ein Vorbote sein.

In der Vergangenheit gab es nämlich eine „massive Expansion“ von Schuldenaufnahmen von Banken und Unternehmen auf den globalen Staatsanleihen-Märkten in den entwickelten Ländern. Dies habe sie einem „mächtigen Feedback“-Risiko (Rückkopplungs-Risiko) ausgesetzt, da die Anleihekosten im Westen ansteigen.

Dies hat auch Auswirkungen auf die Schwellenländer. So könnte es geschehen, dass das mit Portugal stark verflochtene Brasilien von einer Krise in Europa getroffen wird. 

Wie aus einem Arbeitspapier der BIZ hervorgeht, „führt die tiefere Integration der Schwellenländer in die globalen Märkte dazu, dass der Markt für deren Staatsanleihen weitaus verwundbarer im Hinblick auf die Bondmarkt-Entwicklungen in den Industrieländern geworden ist“, berichtet der britische Telegraph.

Bereits im Oktober 2013 bezeichnete die BIZ die Lage an den Kreditmärkten als äußerst kritisch. Damals meldete die BIZ, dass die außergewöhnlichen Maßnahmen – also das Gelddrucken – der Notenbanken die Illusion geweckt habe, dass damit die fundamentalen Probleme zu lösen seien. In ihrem Jahresbericht bezeichnete die BIZ die Schuldensituation in den Industrieländern als „desolat“ und forderte einen raschen Schuldenabbau ein.

Diese Forderung verhallte ungehört.

Die Krisenstaaten in der Eurozone können aufgrund der schlechten Wirtschaftslage und der hohen Arbeitslosigkeit ihre Schulden nicht abbauen. Im Gegenteil: die Verschuldung nimmt immer weiter zu.

Auch in den USA steht der Schuldenabbau nicht zur Disposition. Der Schuldenstand erreicht dort 17,3 Billionen US-Dollar und liegt damit auf über 100 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, doch fallen nicht alle Bundesschulden darunter. Im Gegenteil: Ende Februar diesen Jahres standen in den USA erneute Auseinandersetzungen über die Anhebung der Schuldengrenze an.

Der Lenkungsausschuss des IWF erhob vor einiger Zeit die Mahnung, ein Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik der Notenbanken dürfe nicht zu einer Destabilisierung der Schwellenländer führen. Dagegen müssten umgehend „Schutzmaßnahmen“ eingeführt werden.

Die Federal Reserve (Fed) kaufte zunächst monatlich Staatsanleihen und Hypothekenpapiere im Wert von 85 Milliarden US-Dollar. Sie reduzierte ihre Aufkäufe daraufhin 75 Milliarden US-Dollar. Kurz darauf kündigte die Fed eine weitere Reduzierung auf 65 Milliarden US-Dollar an. Inzwischen liegen die monatlichen Wertpapier-Ankäufe bei monatlich 35 Milliarden US-Dollar. Dies hat dazu beigetragen, dass Kapitalanleger aus den Schwellenländern flüchteten, um ihr Geld wieder in den USA anzulegen. Sie hoffen dort auf die Erhöhung der Leitzinssätze oder der Zinssätze für US-amerikanische Staatsanleihen.

Eine niedrige Staatsverschuldung, ein starkes Wachstum des Bruttoinlandsprodukts sowie eine wachsende Mittelschicht waren der Grund, weshalb so viel Kapital in den vergangenen fünf Jahren in Schwellenländer wie die Türkei, Brasilien, Indonesien geflossen ist.

Jetzt, da die Kapitalquellen abgeschnitten sind, zeigt sich, dass das Resultat eine Schädigung der Volkswirtschaften sowie einen Ausverkauf ihrer Vermögenswerte nach sich ziehen wird (mehr hier).

„Der globale, langfristige Zinssatz bedeutet für die Geldpolitik der Schwellenländer jetzt viel mehr als noch vor einem Jahrzehnt“, erklärt die BIZ in ihrem Arbeitspapier.

Dies steht im Widerspruch zu den weit verbreiteten Behauptungen, die Schwellenländer seien von der Straffung der Geldpolitik durch die US-Notenbank-Politik nicht betroffen, da sie in der Vergangenheit angeblich mit ihren eigenen Währungen Schulden gemacht und riesige Devisenreserven angehäuft hätten.

Der Bericht der BIZ besagt, dass die Schulden-Emissionen in den Schwellenländern so überhand genommen haben, dass ein „sudden stop“ – also ein plötzliches Anhalten – die Zentralbanken zu erdrücken droht und sich als Gefahr für das globale Finanzsystem entwickeln kann. Die wechselseitigen Auswirkungen von fallenden Wechselkursen und steigenden Zinsen für Staatsanleihen können in einem Teufelskreis enden (hier).

Der beispiellose und unbeschränkte Zugang zu den globalen Kapitalmärkten ermöglichte den Unternehmen in den Schwellenländern, sich mit riesigen Summen bei einem Zinssatz von einem Prozent zu verschulden. Seit 2008 wurde diese Schuldenaufnahme verdoppelt. Sie betragen in den jeweiligen Währungen der Schwellenländer aktuell 9,1 Billionen US-Dollar. Dies sei faustischer Pakt, der die Schwellenländer weitaus mehr verschuldet hat als je zuvor in der Geschichte, so die BIZ.

Doch dies hat auch eine Kehrseite:

Die Forderungen allein aller deutscher Banken an die Schwellenländer belaufen sich nach Statistiken der Deutschen Bundesbank wie folgt: Brasilien 3,4 Milliarden Euro, Russland 16,5 Milliarden Euro, Indien 5,8 Milliarden Euro und China 13,4 Milliarden Euro.

Noch deutlicher sehen die Forderungen der europäischen Banken gegenüber allen Schwellenländern aus. Laut Statistik der Bank für Internationalen Zahlungsverkehr aus dem August 2013 betragen die gesamten Forderungen aller europäischen Banken – einschließlich vergebener Kredite und Staatsanleihen – an die Schwellenländer 3,40 Billionen US Dollar.

Wenn die sich die Krise in den Schwellenländern verschärft, hat das also direkte Konsequenzen auf europäische und deutsche Banken. 

Die Krise der Espirito Santo und ihre Auswirkungen wird daher in der Banken-Szene mit Besorgnis beobachtet.

Niemand weiß, welcher Stein als nächster fällt.

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