Börsen sacken ab, Händler fürchten Rückkehr der Schulden-Krise

Turbulenzen im portugiesischen Bankensektor haben die Anleger weltweit aufgeschreckt. Sie warfen am Donnerstag Aktien in hohem Bogen aus ihren Depots und deckten sich mit sicheren Anlagen wie Bundesanleihen oder Gold ein. Das billige Geld von Mario Draghi reichte diesmal nicht mehr aus, um Anleger in Griechen-Bonds zu treiben: Athen blieb auf der Hälfte der Papiere sitzen.

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Turbulenzen im portugiesischen Bankensektor haben die Anleger weltweit aufgeschreckt. Sie warfen am Donnerstag Aktien in hohem Bogen aus ihren Depots und deckten sich mit sicheren Anlagen wie Bundesanleihen oder Gold ein. „Die Angst vor einem neuen Ausbruch der Schuldenkrise in Europa geht um“, sagte ein Börsianer. Dies verhagelte Griechenland die Emission neuer Anleihen.

Auslöser der Nervosität waren Spekulationen um Zahlungsprobleme der einflussreichen portugiesischen Bankiersfamilie Espirito Santo. Am Vormittag wurden Aktien und Anleihen der Espirito Santo Financial Group (ESFG) wegen „wesentlicher Schwierigkeiten“ der Muttergesellschaft Espirito Santo International (ESI) vom Handel ausgesetzt. Gegen Letztere ermitteln die Behörden wegen „erheblicher Unregelmäßigkeiten“. „Ein unschönes, aber beherrschbares Thema“, sagte Frank Wieser, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Packenius, Mademann & Partner. „Dass Anleger jetzt erst mal Kasse machen, ist nicht verwunderlich.“ (mehr zum portugiesischen Drama hier).

ESFG ist Hauptaktionär der Banco Espirito Santo (BES), des größten börsennotierten Geldinstituts in Portugal. Es wird ab November von der Europäische Zentralbank (EZB) beaufsichtigt und soll daher auch dem Stresstest unterzogen werden. BES-Papiere wurden am Nachmittag ebenfalls vom Handel ausgesetzt. Zuvor waren ESFG und BES zeitweise jeweils um mehr als 15 Prozent eingebrochen.

Der Kursverfall dieser Werte drückte den Lissaboner Leitindex zeitweise um 4,6 Prozent auf ein Neun-Monats-Tief von 6075,70 Zählern. Der Dax verabschiedete sich mit einem Minus von 1,5 Prozent bei 9659,13 Punkten in den Feierabend. Der EuroStoxx50 gab 1,6 Prozent auf 3152,66 Zähler nach. An der Wall Street büßten Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 etwa ein halbes Prozent ein.

Am Rentenmarkt trieben die Verkäufe portugiesischer Anleihen die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Titel auf bis zu 4,014 Prozent von 3,783 Prozent am Vortag. Vor diesem Hintergrund wurde Griechenland bei der Auktion dreijähriger Bonds nur etwa halb so viele Papiere los wie geplant. Die Rendite lag dem Finanzministerium zufolge bei 3,5 Prozent. „Das ist kein guter Tag für Griechenland, um an den Markt zu gehen“, sagte Guido Barthels von der Fondsgesellschaft Ethenea, die auf einen Kauf der Anleihen verzichtete. „Angesichts der Vorgänge in Portugal ist es wenig sinnvoll, das jetzt anzufassen.“

Einige Anleger kauften stattdessen Bundesanleihen und drückten die Rendite der zehnjährigen Titel auf ein 14-Monats-Tief von 1,168 Prozent. Der Bund-Future, der auf diesen Schuldverschreibungen basiert, erreichte mit 148,06 Punkten ein Rekordhoch.

Stark gefragt war auch die „Antikrisen-Währung“ Gold. Das Edelmetall legte 1,5 Prozent war mit 1345 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) zeitweise so teuer wie zuletzt Mitte März. Einige Investoren flüchteten in andere Währungen. Der Euro fiel um 0,8 Prozent auf ein Fünf-Monats-Tief von 137,50 Yen. Zur US-Valuta verbilligte sich die Gemeinschaftswährung um einen knappen halben US-Cent auf 1,3600 Dollar.

Im Sog der Banco Espirito Santo gingen auch die übrigen europäischen Finanzwerte in den Keller. Der europäische Banken-Index fiel um 3,1 Prozent auf ein Sieben-Monats-Tief von 184,97 Punkten. Zu den größten Verlierern zählte hier die Commerzbank mit einem Minus von zwei Prozent. Das Geldhaus müssen Insidern zufolge voraussichtlich 600 bis 800 Millionen Dollar zahlen, um ihren Streit mit den US-Behörden über Verstöße gegen US-Sanktionen beizulegen. Dies ist mehr als bislang gedacht.

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