ZDF räumt Machenschaften ein: Wir haben manipuliert!

Das ZDF hat eingeräumt, bei einer Liste der wichtigsten Deutschen massiv manipuliert zu haben. Der Vorfall ist gravierend: Wenn die Sender schon bei einer harmlosen Unterhaltungssendung bewusst manipulieren, wie sieht das dann bei den Nachrichten-Sendungen aus? Diese werden mit Milliarden aus Zwangsgebühren finanziert - vorgeblich, um genau einen solchen Skandal zu verhindern. Das öffentlich-rechtlichen Fernsehen leistet mit solchen Machenschaften jenen Kritikern Vorschub, die die einzige Reform dieses Systems in seiner Abschaffung sehen.

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Das ZDF hat im großen Stil eine Rangliste manipuliert, in der die besten Männer und Frauen Deutschlands gewählt wurden.

Stefan Niggemeier, der den Skandal als erster in seiner Tragweite erkannte, erläutert die nun aufgeflogenen Machenschaften im Detail auf seinem Blog (mit den manipulierten Listen).

Die entscheidende Frage, die man sich stellen muss: Wenn das ZDF schon bei einer harmlosen Sendung aus dem Unterhaltungsbereich manipuliert, wie gehen die von Zwangsgebühren des Steuerzahlers finanzierten Sender dann bei politischen Sendungen vor – dort, wo es für die von Parteipolitikern kontrollierten Sendern ums Ganze, nämlich die Macht geht?

Das ZDF sollte es sich hier nicht so einfach machen und sagen: Das waren in paar durchgeknallte Idioten. Genauso hatte der ADAC zu Beginn seiner Manipulationsaffäre argumentiert. Die Folgen sind bekannt: Es stellte sich heraus, dass Fälschung und Manipulation meist systemisch sind. Wer einmal fälscht, dem glaubt man nicht – das gilt vor allen In Apparaten, die sich seit Jahren jeglich Kontrolle entziehen.

Den Journalisten im ZDF scheint dies schon zu dämmern: Fast hysterisch distanzierte sich Heute-Moderator Claus Kleber von den Vorfällen. Er twitterte:

Hier fliegen gerade die Fetzen. ZDF-Ranking-Show DeutschlandsBeste hat manipuliert. Mogelte mich weit vor Klöppel. Idioten! Sorry, Peter!

Und wenig später zwitschert Kleber:

BestenFälschung total. AB: Schäuble, vdLeyen, Jan Hofer /// AUF: Beckenb., Hannelore Kraft, Steinmeier etc. Unfassbar! Täter: I hate you!

Hier schreibt einer, der spürt, dass das Thema auch für ihn brandgefährlich werden kann.

In einen zweiten Niggemeier-Beitrag zur Nachrichtensendung „heute journal“ wird klar, woher die Nervosität kommt: Niggemeier erklärt, dass das ZDF die Sendung bewusst in die Halbzeitpause quetscht, um Quote zu machen. Ein Gutteil der Sendezeit der Nachrichten-Sendung wird dabei für Fußball-Berichte verwendet. Auch das ist Manipulation: Die öffentlich-rechtlichen Sender haben die Rechte für die Fußball WM gekauft und missbrauchen die Nachrichtensendungen, um das kommerzielle Sportereignis zu hypen. Dies geschieht, indem man Fußball-Spielen Nachrichtenwert verleiht.

Brot und Spiele – zwangsfinanziert.

Am Sonntag werden wie die Kanzlerin in Rio in die Hände klatschen sehen. ZDF und ARD werden sich gegenseitig auf die Füsse steigen, um die wichtigen Bilder zu bekommen. Denn die Steuerzahler müssen nicht nur die Lustreisen von Merkel und Bundespräsident Gauck finanzieren; sie sind als Beitragszahler auch die ungenannten Sponsoren, dass gleich zwei Sender in Brasilien unterwegs sind.

Übrigens: Angela Merkel ist, wenig verwunderlich, beim ZDF die unumstrittene Nummer 1 in der manipulierten Liste der besten Deutschen. Ob sie dort von irgendjemandem wirklich hingewählt wurde, ist unbekannt.

Das Schuldeingeständnis des ZDF im Wortlaut:

ZDF: Erstellung der Ranglisten bei „Deutschlands Beste“ fehlerhaft
Programmdirektor Norbert Himmler kündigt Konsequenzen an
Die Ranglisten für die beiden ZDF-Shows „Deutschlands beste Männer“ und „Deutschlands beste Frauen“ entsprechen nicht der repräsentativen Forsa-Umfrage. Das ist das Ergebnis einer internen Untersuchung, die Programmdirektor Norbert Himmler Anfang dieser Woche beauftragt hatte.

Die Redaktion wollte in zwei Unterhaltungssendungen die beliebtesten deutschen Frauen und Männer ermitteln. Um dafür eine möglichst breite Basis zu erreichen, wurden drei Umfragen durchgeführt: eine repräsentative Forsa-Befragung, ein Online-Voting sowie ein „Hörzu“-Leseraufruf.

Die Forsa-Studie gliederte sich in zwei Teile: Im ersten Schritt wurde offen gefragt, welche noch lebenden deutschen Frauen und Männer für sie die „besten bzw. bedeutendsten“ sind. Dafür waren 1016 repräsentativ ausgewählte Personen befragt worden. Es ging dabei um neun Kategorien, u.a. Wissenschaft/Forschung oder Sport. Hieraus wurde eine erste Liste von je 100 Männern und Frauen erstellt, aus denen im zweiten Schritt in einer weiteren Forsa-Befragung mit 2000 Teilnehmern sowie einem Online-Voting und der „Hörzu“-Abstimmung die jeweils 50 „Besten“ nominiert werden sollten.

Bei der Auswertung stellte sich heraus, dass es methodische Probleme gibt, die unterschiedlichen Ergebnisse zusammenzuführen. Daher hat sich die Redaktion zunächst dafür entschieden, sich allein auf die repräsentativen Forsa-Umfragen zu stützen. Wie sich im Rahmen der Untersuchung jetzt herausstellt, hat die Redaktion dann in der Vorbereitung der Sendungen Veränderungen am Ranking der Forsa-Befragung vorgenommen, die den Zweck hatten, angefragten Gästen der Show einen attraktiveren Rangplatz zu geben. Dies geschah ohne Wissen der eingeladenen Gäste.

Programmdirektor Norbert Himmler sagte dazu: „Die Veränderungen am Ergebnis der Forsa-Umfragen sind ein grober Verstoß gegen die Programmrichtlinien des ZDF. Das ist nicht zu rechtfertigen und schadet der Glaubwürdigkeit des ZDF. Daher werden auch arbeitsrechtliche Konsequenzen geprüft. Wir werden dem Fernsehrat außerdem spezifische Regeln für Voting-Shows vorlegen. Ein zentraler Bestandteil wird die Transparenz der Ergebnisse und der Befragungsmethode sein. Ich entschuldige mich bei allen Zuschauerinnen und Zuschauern, bei allen, die an den Abstimmungen teilgenommen haben, wie auch bei den betroffenen Prominenten.“

Bei der Rangliste „Deutschlands beste Männer“ wurden die folgenden Änderungen vorgenommen:

• Frank-Walter Steinmeier (von Platz 10 auf Platz 6)

• Franz Beckenbauer (von Platz 31 auf Platz 9)

• Wolfgang Schäuble (von Platz 6 auf Platz 11)

• Claus Kleber (von Platz 39 auf Platz 28)

• Michael „Bully“ Herbig (von Platz 42 auf Platz 36)

• Peter Kloeppel (von Platz 27 auf Platz 39)

• Jan Hofer (von Platz 36 auf Platz 42)

Bei der Rangliste „Deutschlands beste Frauen“ wurden die folgenden Änderungen vorgenommen:

• Hannelore Kraft (von Platz 5 auf Platz 4)

• Helene Fischer (von Platz 10 auf Platz 5)

• Ursula von der Leyen (von Platz 4 auf Platz 6)


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