„Lumpen-Proletariat“ in Deutschland: Vorbote einer Revolution?

Wenn es nicht gelingt, die Umverteilung des Reichtums an eine kleine Finanz-Elite zu stoppen, dann könnte der Unmut der enteigneten Mittelschicht leicht umschlagen und sich gegen die herrschenden Systeme richten. Die OECD hat im vermeintlich reichen Deutschland die Existenz eines veritablen "Lumpenproletariats" entdeckt. Noch versuchen die Systeme allerdings, die Bürger mit Brot und Spielen ruhig zu stellen. Die Taktik könnte nach dem WM-Finale allerdings obsolet werden.

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Die neuesten Zahlen aus Frankreich bestätigen die Thesen des Herausgebers der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: In seinem Bestseller „Die Plünderung der Welt“ hat Maier belegt, dass die Netzwerkeffekte der globalen Wirtschaft dazu führen, dass die Reichen auch in Krisenzeiten reicher werden, während die Folgen einer Krise stets von den unteren Einkommensschichten und der Mittelschicht getragen werden. In Frankreich hat das Magazin Challenges ermittelt, dass die reichsten Franzosen ihr Vermögen im Jahr 2013 um 15 Prozent steigern konnten – vor allem, weil sie von den Gewinnen der globale tätigen Konzerne profitieren, deren Eigentümer diese Franzosen sind.

Die Finanz-Eliten sind sich offenbar darüber im Klaren, dass sich diese Entwicklung unversehens gegen sie richten könnte. Bei einer Konferenz in London berieten die wichtigsten Vermögensverwalter hinter verschlossenen Türen über die Folgen der ungleichen Verteilung des Reichtums auf der Welt (mehr dazu im Detail hier).

Die OECD warnt vor einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich. Nach den Worten von OECD-Generalsekretär Jose Angel Gurria hat sich das Problem seit der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise massiv verschärft. „In den ersten drei Krisenjahren nahm die Ungleichheit stärker zu als in den zwölf Jahren zuvor“, sagte er der WirtschaftsWoche“. „Im Durchschnitt der OECD-Länder verdienen die obersten zehn Prozent der Bevölkerung heute 9,5 Mal so viel wie die untersten zehn Prozent. Die Ungleichheit ist um 35 Prozent gewachsen.“ Deutlich spürbar sei dies in den USA, wo es keinen Wohlfahrtsstaat wie in Europa gebe. Doch auch im vermeintlich reichen Deutschland beobachtet die OECD eine gefährliche Entwicklung, „dass es nämlich ein Lumpenproletariat gibt, einen sehr schlecht ausgebildeten und schlecht bezahlten Teil der Arbeiterschicht“ wie Gurria wörtlich sagte.

Es stellt sich also auch den Finanz-Eliten die Frage, wie lange dieses Lumpenproletariat noch stillhalten werde.

Im zweiten Teil des Interviews mit Georg Hodolitsch vom FinanzBuch Verlag aus München erklärt Maier, dass er den aktuellen Frieden in Deutschland für trügerisch hält (Video zu Beginn des Artikels). Er spricht über das Konzept Brot und Spiele und erklärt, warum die aktuelle Krise nicht nur eine Kampf Norden gegen Süden oder Arm gegen Reich ist, sondern dass wir im auch auf einem Konflikt Staat gegen Privat zusteuern. Solche Konflikte bergen in der Regel erheblichen Sprengstoff für soziale Konflikte, wie Maier in seinem neuen Buch belegt. Maier glaubt dass sich der Widerstand vor allem deshalb auf unkontrollierte Weise Bahn brechen könnte, weil es im Zuge einer Globalisierung der Staatsgewalt keine klare Zuordnung mehr von Handlungen und Verantwortung gäbe: Nationale Regierungen, IWF, EZB und viele andere bilden eine machtpolitische Gemengelage, der der einfache Bürger kaum noch mit kühlem Kopf und nüchternen Sachverstand entgegentreten könne. Solch eine politische Lage sei aber, so Maier, in der Geschichte stets der Nährboden für radikale politische Bewegungen gewesen. Vergleichbare Entwicklungen könne man auch im Süden Europas erkennen. Maier: „Die Folgen werden gravierend sein, denn es gibt keine lauwarme Revolution. Eine Revolution ist immer ein heißer Kampf – mit enormen Schäden für die gesamte Gesellschaft.

Der ersten Teil des Interview mit Michael Maier sehen Sie hier.

Das Buch hat es auf Anhieb auf die Bestseller-Listen des Manager Magazins und des Spiegel geschafft. Ein interessante Rezension des Buches hat die Wochenzeitung Der Freitag verfasst. Auch die Ökonomenblog befasst sich mit den Thesen des Buchs.

Das neue Buch von Michael Maier ist bereits die dritte Woche in Folge auf der Spiegel-Bestsellerliste.

Das neue Buch von Michael Maier ist bereits die dritte Woche in Folge auf der Spiegel-Bestsellerliste.

Michael Maier
Die Plünderung der Welt
Wie die Finanz-Eliten unsere Enteignung planen 288 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag 19,99 € (D), 20,60 € (A)
Auch als E-Book erhältlich
ISBN 978-3-89879-853-2
FinanzBuch Verlag, München 2014

Das Buch ist überall im Buchhandel erhältlich. Beim Verlag kann es hier bestellt werden.

Das Buch ist bei Amazon erhältlich – hier.

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