Draghi warnt Investoren: EZB wird nichts gegen Crash unternehmen

EZB-Chef Mario Draghi sagte vor dem EU-Parlament, dass die EZB billiges Geld auch auf die Gefahr produzieren werde, dass Blasen entstehen. Selbst wenn die EZB eine Blase erkennen sollte, würde sie weiter Geld in den Markt pumpen - weil ihre Aufgabe nach Draghis Ansicht in der bedingungslosen Stabilisierung der Euro-Zone besteht und nicht im Schutz von Investoren vor einem möglichen Crash.

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EZB-Präsident Mario Draghi will bei der Notenbank bleiben und nicht Staatspräsident seines Heimatlandes Italien werden. „Ich bin bei der EZB und werde bei der EZB bleiben“, wies Draghi am Montagabend im Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europa-Parlaments in Straßburg entsprechende Medienberichte zurück. „Und alle gegenteiligen Gerüchte, die möglicherweise von interessierter Seite kommen, sind unbegründet“. Mehrere Medien hatten in den vergangenen Tagen berichtet, Draghi wolle die EZB verlassen und Nachfolger von Giorgio Napolitano werden, dem hochbetagten italienischen Staatoberhaupt.

Draghi ist vielmehr entschlossen, unbegrenzt Geld in den Euro-Markt zu pumpen: Draghi sagte, auch wenn die EZB eine Blasen-Bildung erkennen würde, würde sie ihren Kurs nicht ändern und die Zinsen weiter niedrig halten. Diese Aussage, hier bei Bloomberg dokumentiert, ist eine klare Warnung an Investoren, sich nicht auf die EZB zu verlassen. Sie ist nach Draghis Selbstverständnis die Zentralbank für die Staaten und hat deren Stabilität sicherzustellen, nicht jene der Aktienmärkte.

Draghi trat sein Amt als Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) im November 2011 an. Seine Amtszeit dauert regulär acht Jahre, also bis Ende Oktober 2019. Draghi wird im September 67 Jahre alt, Napolitano ist 89. Erstmals 2006 zum Präsidenten gewählt, begann die laufende zweite Amtszeit des Ex-Kommunisten im vergangenen Mai. Er ist einer der ältesten Staatschefs. Viele Experten erwarten daher, dass er nicht mehr lange im Amt bleiben will und zurücktritt. EZB-Chef Draghi waren in der Vergangenheit immer wieder politische Ambitionen in Italien nachgesagt worden. Dort war er bis zu seinem Wechsel an die EZB-Spitze nach langer Karriere in Wissenschaft, Bankenwelt und Politik Gouverneur der Notenbank Banca d’Italia.

Draghi verteidigte vor den Europaabgeordneten die jüngsten geldpolitischen Entscheidungen der EZB. Diese hätten sich schon positiv auf den Finanzmärkten ausgewirkt und seien nötig, um den fragilen konjunkturellen Aufschwung zu stabilisieren. Die EZB hatte Anfang Juni ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,15 Prozent gekappt und außerdem erstmals einen Strafzins für Banken eingeführt, die Geld lieber bei ihr parken als es an Unternehmen und Haushalte als Kredite weiterzurreichen. Um die Kreditvergabe anzuregen will die EZB zudem in den kommenden zwei Jahren bis zu eine Billion Euro in das Finanzsystem pumpen, 400 Milliarden bereits in diesem Jahr.

Draghi bekräftigte, die Notenbank sei entschlossen bei Bedarf abermals zu handeln, sollte die Teuerung weiter niedrig bleiben und die Gefahr einer für die Konjunktur hochriskanten Abwärtsspirale von Preisen, Nachfrage und Investitionen weiter zunehmen. „Der EZB-Rat ist sich darin einig, bei Bedarf auch unkonventionelle Maßnahmen zu ergreifen“, bekräftigte Draghi. Er ließ ausdrücklich die Möglichkeit offen, dass dazu auch massive Wertpapierkäufe gehören könnten – im Fachjargon „quantitative easing“ oder „QE“ genannt. „QE fällt voll und ganz unter unser Mandat.“ Wegen der Nähe zur Staatsfinanzierung und möglicher Nebenwirkungen ist der Einsatz von QE vor allem in Deutschland umstritten.


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