Winterkorn kündigt massives Sparprogramm bei Volkswagen an

VW-Chef Martin Winterkorn hat für Volkswagen "schmerzhafte Einschnitte" angekündigt. Der Konzern leide unter "Gigantomanie" und müsse 5 Milliarden Euro einsparen. Wie viele Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren, ist noch nicht bekannt. Es wird ein Kahlschlag erwartet, der Betriebsrat unterstützt den Konzernchef bei seinem Kurs.

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VW-Chef Martin Winterkorn greift bei der Marke Volkswagen durch und will deren Kosten um fünf Milliarden Euro jährlich senken. „Dies ist dringend, weil die Ertragskraft unserer Marke immer noch zu niedrig ist“, schrieb Winterkorn in einem Brief an das Management, der der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag vorlag. Die Einsparungen sollten ab 2014 schrittweise steigen und ab 2017 nachhaltig wirken. Die geplanten Einschnitte seien „deutlich, effektiv und manchmal schmerzhaft“. Damit wolle VW das für 2018 gesteckte Renditeziel von mindestens sechs Prozent absichern. Im vergangenen Jahr lag die operative Marge (Ebit-Marge) von VW erst bei 2,9 Prozent. Die VW-Aktie gewann in einem stabilen Markt mehr als ein Prozent an Wert.

VW müsse alles daransetzen, um profitabel weiter zu wachsen, betonte Winterkorn und fügte hinzu: „Seien wir ehrlich: Wir haben in der Produktivität erheblichen Nachholbedarf gegenüber unseren Hauptwettbewerbern.“ Zum Vergleich: Hauptrivale Toyota hatte im abgelaufenen Geschäftsjahr im Autogeschäft eine Rendite von über acht Prozent. Erreichen will VW die geplanten Einsparungen durch eine verbesserte Effizienz, geringere Komplexität, einen optimierten Einkauf und geringere Fertigungs- und Fixkosten. Als Kostentreiber nannte Winterkorn, der als Konzernchef auch die Hauptmarke VW führt, unter anderem die seit 2010 um 80 Prozent gestiegenen Forschungs- und Entwicklungskosten. Dieser Trend müsse dringend gestoppt werden, forderte er.

Winterkorn brachte erneut auch Einschnitte in der Modellpalette ins Gespräch. Namentlich nannte er das Cabriolet-Segment, in dem der Konzern in Europa zwölf verschiedene Modelle im Angebot hat. Das Management müsse sich stärker die Frage stellen, welche der insgesamt 310 Fahrzeugmodelle des Konzerns für die Zukunft entscheidend seien und welche man einstellen könne.

Auch die Komponentenwerke, in denen VW Bauteile selbst herstellt, bleiben nicht verschont. Sie sollen flexibler arbeiten und müssten sich von Bereichen verabschieden, die externe Lieferanten günstiger herstellen könnten. Selbstkritisch fragte der VW-Chef: „Haben wir die richtigen Produkte zur richtigen Zeit? Oder realisieren wir manche Dinge, weil sie machbar oder einfach begeisternd sind? Und nicht so sehr, weil sie sich gut verkaufen oder das Ergebnis verbessern?“ Analysten hatten VW in den vergangenen Jahren wiederholt Technikverliebtheit vorgeworfen. Die Kosten würden vielfach nicht im Blick behalten. Das Manager-Magazin hatte im vergangenen Jahr von Renditeproblemen berichtet, die Volkswagen jedoch umgehend dementierte. Nun erweist sich der Bericht womöglich im Kern als richtig.

Winterkorn hob hervor, dass die Marke VW vielfach Vorreiter für technologische Entwicklungen im Konzern sei und daher zusätzliche Lasten tragen müsse, die die Ertragskraft schmälerten. Jüngstes Beispiel ist das neue Baukastensystem, das Volkswagen derzeit bei immer mehr neuen Fahrzeugmodellen einführt, um die Kosten zu senken. Zunächst waren dafür hohe Investitionen nötig. Der VW-Chef kritisierte auch die hohen Kosten für neue Fabriken. Diese seien oft zu groß angelegt und zu komplex.

Die Probleme seien nicht nur hausgemacht, betonte der VW-Chef. Als weitere Gründe für das Sparprogramm nannte er die wirtschaftlichen Unsicherheiten in Schwellenländern sowie Währungsschwankungen. Hinzu kämen hohe Investitionen in die Reduzierung des CO2-Ausstoßes der Fahrzeuge, neue Antriebsarten wie Elektromotoren und der immer schärfere Wettbewerb in der Branche.

Der Betriebsrat sagte Winterkorn Unterstützung zu, prangerte aber seinerseits auch Missstände an. Angesichts der Probleme , vor denen VW in Brasilien, Russland und Indien stehe, sei es richtig, dass Winterkorn die Belegschaft auf die Renditeziele einschwöre, sagte Betriebsratschef Bernd Osterloh. Einschnitte bei tariflichen Leistungen werde es mit ihm nicht geben, betonte Osterloh in der Betriebszeitung „Mitbestimmen“ zugleich. Vorstand und Management müssten eigene Fehler beheben.

Das Manager-Magazin berichtete, Winterkorn werde seinen Vertrag voraussichtlich um zwei Jahre bis Ende 2018 verlängern, um die geplanten Schritte umzusetzen. Darauf habe er sich mit der Spitze des Aufsichtsrats verständigt. VW wollte sich dazu nicht äußern. In der Vergangenheit war wiederholt spekuliert worden, Winterkorn werde seinen Vertrag verlängern.

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