China muss Wirtschaft mit Milliarden stützen

Staatliche Geldspritzen haben den Abwärtstrend der chinesischen Wirtschaft vorerst gebremst. Im zweiten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt um 7,5 Prozent zu. Die Regierung musste dafür die Ausgaben für Investitionen ins Schienennetz und den Wohnungsbau um ein Viertel erhöhen.

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Milliardenschwere Geldspritzen von Regierung und Banken haben den Abwärtstrend der chinesischen Wirtschaft vorerst gebremst. Im zweiten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt nach offiziellen Angaben um 7,5 Prozent zu und damit etwas mehr als zu Jahresbeginn. Damit schwinden die Sorgen vor einem Abschwung in der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, der auch auf die globale Konjunktur durchschlagen würde. Die Aktienkurse legten deshalb am Mittwoch von London bis Frankfurt zu. Experten warnen allerdings vor allzu großer Euphorie, da die Unternehmen den Aufwärtstrend nicht aus eigener Kraft schafften, sondern nur mit Hilfe des Staates.

Die Regierung erhöhte ihre Ausgaben allein im Juni um mehr als ein Viertel im Vergleich zum Vorjahresmonat auf umgerechnet 195 Milliarden Euro. Mit dem Geld wird beispielsweise der Ausbau des Schienennetzes beschleunigt und der öffentliche Wohnungsbau gefördert. Gleichzeitig reichten die Banken 128 Milliarden Euro an neuen Krediten aus, 20 Prozent mehr als erwartet. Dadurch wuchs die Wirtschaft trotz schwächelnder Exporte und einer Abkühlung am Immobilienmarkt etwas schneller.

Das Statistikamt trat am Mittwoch bei der Vorstellung der Wachstumszahlen auf die Euphoriebremse. „Wir können nicht blind optimistisch sein, denn die aktuelle Lage ist ziemlich kompliziert“, sagte Sprecher Sheng Laiyunfor. „Die traditionelle Industrie befindet sich in Anpassungen, und die können noch einige Zeit schmerzhaft sein. Die Konjunktur hat weiter Gegenwind.“

Das sehen Ökonomen ganz ähnlich. „Die Konjunkturerholung hängt von der Unterstützung der Regierung ab“, sagte Analyst Chang Jian von Barclays Capital in Hongkong. „Die Regierung kann nun wählen, ob sie entweder ein langsameres Wachstum hinnimmt oder noch mehr Hilfen durchdrückt.“ Auch die NordLB sieht erhebliche Abwärtsrisiken. „In einigen Branchen existieren nach wie vor nennenswerte Überkapazitäten“, sagte Ökonom Frederik Kunze. „Darüber hinaus hat Peking das Problem mit den Schattenbanken noch nicht gelöst.“

Die Staatsführung will die Wirtschaftsstruktur verändern und nimmt dafür kurzfristig Rückschläge in Kauf – solange genügend Jobs geschaffen werden (mehr hier). Sie will vor allem den Konsum stärken, um unabhängiger von ausländischen Investitionen und Exporten zu werden. Die Regierung in Peking rechnet offiziell mit Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr um mindestens 7,5 Prozent. Das ist auch notwendig, um die Heerscharen der Wanderarbeiter mit Jobs zu versorgen und so soziale Unruhen zu vermeiden. Nach Einschätzung von Volkswirten könnte sich das Wirtschaftswachstum in den kommenden Jahren aber erheblich verlangsamen. 2015 dürfte das BIP demnach noch um etwa sechs Prozent und danach nur um rund fünf Prozent zulegen.

 

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