Finanz-Eliten wollen ihre Vermögen in Sicherheit bringen

Die großen Vermögensverwalter verschärfen die Gangart: Pimco und BlackRock haben mehrere Banken auf 250 Milliarden Dollar verklagt, weil die Banken in der US-Häuserkrise manipuliert haben. Die Finanz-Eliten bereiten sich offenbar auf einen Verteilungskampf in der Schuldenkrise vor. Bei einem Treffen in London berieten hochrangige Investoren mit dem IWF und den Zentralbanken über Möglichkeiten, wie sie ihr Vermögen schützen können.

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Bei einem Treffen der Finanz-Eliten in London hielt IWF-Chefin Christine Lagarde einen Vortrag zum Thema „Der Ruf zu den Waffen“. Im Bild links die Organisatorin der Konferenz über „Inklusiven Kapitalismus“, Lynn Forester de Rothschild und Prinz Charles. (Foto: Getty Images)

Bei einem Treffen der Finanz-Eliten in London hielt IWF-Chefin Christine Lagarde einen Vortrag zum Thema „Der Ruf zu den Waffen“. Im Bild links die Organisatorin der Konferenz über „Inklusiven Kapitalismus“, Lynn Forester de Rothschild und Prinz Charles. (Foto: Getty Images)

In den USA haben die beiden großen Vermögensverwalter Pimco und BlackRock Klage gegen mehrere Banken eingereicht. Sie wollen 250 Milliarden Dollar Schadenersatz, weil die Banken nach Auffassung der Vermögensverwalter bei den US-Immobilien getrickst haben und den Investoren dadurch Schaden in Milliarden-Höhe zugefügt hätten. Wie das WSJ erklärt, hätten die Banken ihre Treuepflichten gegenüber den Investoren verletzt. Das ist ein schwerwiegender Vorwurf.

Offenbar rechnen die Investoren mit weiteren Verwerfungen auf den Finanzmärkten. Vieles deutet darauf hin, dass die internationalen Finanz-Eliten über die Entwicklung des globalen Geldes ausgesprochen besorgt sind.

Vor allem beschäftigen sie sich erstmals auf höchster Ebene mit der Frage, welche Folgen mögliche soziale Unruhen für ihre Vermögen haben könnten.

In London trafen sich genau zu diesem Thema 250 Top-Vertreter der Finanzindustrie. Beobachter stellen fest, dass die Finanz-Eliten in Erwartung von sozialen Unruhen vorsorglich und zumindest verbal linke Positionen übernehmen. Sie haben Angst, dass sie als Teil des Problems identifiziert werden könnten. IWF und Vertreter der Zentralbanken unterstützen die Finanz-Eliten bei der Suche nach Auswegen.

Bei einem Treffen Ende Mai haben sich in London 250 der reichsten Menschen der Welt in London getroffen. Das Thema der von der Investmentbank E.L. Rothschild veranstalteten Konferenz war der „inklusive Kapitalismus“. Der exklusive Zirkel machte sich Gedanken, wohin der immer größere Kluft zwischen Arm und Reich in der Welt führen werde.

Die Gruppe vertrat ein Vermögen von insgesamt 30 Billionen Dollar – ein Drittel des gesamten, weltweit verfügbaren Anlagevermögens. NPR bezeichnete die Gruppe folgerichtig als die „mächtigste Gruppe von Leuten, die sich jemals zum Thema der Ungleichheit getroffen hat“.

Die FT, einer der Mitveranstalter der Tagung, will bei den Teilnehmern einen Linksrutsch beobachtet haben, „aus der Sorge, wie diese Gruppe ihren Reichtum bewahren“ könnte.

Die Teilnehmer kamen aus der internationalen Finanz-Elite – unter anderem aus den USA, China, Europa, Lateinamerika und Afrika. Lynn Forester de Rotschild sagte, dass das „Geschäft der Wirtschaft nicht die Probleme der Gesellschaft lösen könne“. Allerdings befinde man sich heute an einem Punkt, an dem „die Wirtschaft als eines der Probleme der Gesellschaft angesehen wird“.

Der Begriff des „inklusiven Kapitalismus“ wurde bewusst breit gewählt: Er suggeriert eine soziale Komponente, war jedoch von den Teilnehmern eher in dem Sinn gemeint, welche langfristigen Investments sinnvoll sein könnten. Vertreten waren unter anderem ein Repräsentant des staatlichen norwegischen Pensionsfonds und der Nigerianer Tony O Elumelu, der von Forbes zu einem der 20 mächtigsten Männer Afrikas gezählt wird. Diese Finanzleute verwalten die Vermögen ganzer Nationen und haben daher ein besonderes Interesse daran, dass sich ihr Geld nicht eines Tages in Nichts auflöst.

Die Gruppe hatte Experten geladen – und die Herkunft dieser Experten gibt Aufschluss, in wessen Interesse die großen internationalen Finanzorganisationen arbeitet: IWF-Chefin Christine Lagarde hielt ein Referat mit dem interessanten Titel „Der Ruf zu den Waffen“. Der ehemalige Goldman Sachs-Banker und heutige Gouverneur der Bank of England, Mark Carney, gab einen Einblick in die Rolle der Zentralbanken bei der Steuerung der Vermögensbildung.

Der ehemalige Chef der Schweizerischen Nationalbank, Philipp Hildebrand, sprach als Vize-Chef des wichtigsten Vermögensverwalters der Welt, Blackrock.

Mit Dominic Barton von McKinsey sprach ein Vertreter jenes Beratungsunternehmens, das die mittlerweile allgemein bekannte und gefürchtete Vermögensabgabe von 10 Prozent auf alle Ersparnisse als Lösung der Schulden-Krise vorgeschlagen hatte (mehr dazu hier).

Die aktive Mitwirkung von Zentralbankern und dem IWF lässt erkennen, dass die internationalen Finanzorganisationen genau hinhören, wenn die Finanz-Eliten ihre Sorgen artikulieren. Das Treffen dürfte daher auch Auswirkungen auf wichtige, globale Entscheidungen in der Finanzpolitik haben.

Die Diskussionen bei der Tagung ließen erkennen, dass sich die Finanz-Eliten offenbar darüber im Klaren sind, dass die Ungleichheit für sie zu einem Problem werden kann: Der rasche technologische Fortschritt wird ihren Vermögen höhere Profite bescheren. Allerdings müssten die Staaten dafür sorgen, dass die breite Bevölkerung über den möglichen Verlust des Arbeitsplatzes durch Innovation und Globalisierung („die harschen Effekte des technologischen Wandels“) in Schach gehalten wird. In den Beratungen klang ein gewisses Misstrauen gegen die CEOs der großen internationalen Konzerne durch. Diese Söldner des staatenlosen Kapitals müssten dafür Sorge tragen, dass die Unternehmen langfristig weiter wachsen – und zwar nicht durch Bilanz-Tricks, sondern durch neue Strategien und eine schärfere Kontrolle der Manager durch die Eigentümer.

Roger Martin von der Rotman School of Management in Toronto wies auf die Gefahr hin, die hinter der Globalisierung lauere: Manager fühlen sich nicht mehr der Gemeinde verpflichtet, in der die Fabriken ihrer Unternehmen stehen, sondern dem kurzfristigen Profitstreben einer globalen Investment-Community – „einer Liga, die das Leben in 10.000 Metern Höhe dem Leben auf dem Boden vorzieht“.

Das Treffen in London führte zu keinen Beschlüssen über das weitere Vorgehen der Finanz-Eliten. Es schloss mit einem Dinner, eine halbe Stunde vor Mitternacht.

Das Wirken eben dieser Finanz-Eliten beschreibt DWN-Herausgeber Michael Maier in seinem neuen Bestseller, „Die Plünderung der Welt“. Er zeigt im Detail, die die reichen Vermögensverwalter gemeinsam mit den Zentralbanken, dem IWF, der Weltbank und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zur Vermehrung und Sicherung der großen Vermögen die Weltwirtschaft zentral steuern. Unternehmensberater wie McKinsey bereiten die Strategien vor. Söldner wie die Manager der internationalen Konzerne setzen diese Strategien um. Die globalen Finanz-Eliten bauen auf einem Eigentums-Begriff auf, der sich eher an Herrschaft als an sozialer Verantwortung orientiert. Die Folge: Die Plünderung der Welt erfolgt in einer beispiellosen Umverteilung des Reichtums der Erde von unten nach oben. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Finanz-Eliten gelegentlich ein schlechtes Gewissen bekommen. Die internationalen Netzwerke operieren ohne ethisches Fundament – mit dramatischen Auswirkungen auf die Mehrheit der Bürger, die von dem Treiben erst erfahren, wenn es zu spät ist.

Das neue Buch von Michael Maier ist bereits die dritte Woche in Folge auf der Spiegel-Bestsellerliste.

Das neue Buch von Michael Maier ist bereits die dritte Woche in Folge auf der Spiegel-Bestsellerliste.

Michael Maier, Die Plünderung der Welt. Wie die Finanz-Eliten unsere Enteignung planen.

Das Buch ist überall im Buchhandel erhältlich. Beim Verlag kann es hier bestellt werden.

Das Buch ist auch bei Amazon erhältlich – hier.

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