Notfall-Pläne: EZB fürchtet Unruhe nach Banken-Stresstest

Die Europäische Zentralbank fürchtet offenbar stärkere Verwerfungen nach dem Stress-Test für Banken im Herbst. Daher sollen Banken, die wanken, innerhalb 48 Stunden einen Notfall-Plan präsentieren, wie sie Kapitallücken decken. Diese Frist sei völlig realitätsfremd, kritisieren die Banken.

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Banken in Europa steht ein heißer Herbst bevor. Die Geldhäuser, die beim europaweiten Gesundheitscheck durchfallen, müssen innerhalb von zwei Wochen einen Plan zur Lösung ihrer Kapitalprobleme präsentieren. Die Europäische Zentralbank (EZB) will damit verhindern, dass an den Finanzmärkten nach der Veröffentlichung der Ergebnisse im Oktober Unruhe entsteht und eine neue Bankenkrise ausbricht. Um die Löcher tatsächlich zu schließen, haben die Institute dann sechs bis neun Monate Zeit. Hinweise auf Auffälligkeiten sollen die Geldhäuser schon vor Bekanntgabe der Ergebnisse bekommen, wie die EZB am Donnerstag ankündigte. Die endgültigen Resultate erhalten die Geldhäuser jedoch erst „sehr kurz“ vor der Öffentlichkeit. Wie Reuters in der vergangenen Woche gemeldet hatte, soll dieser Zeitraum 48 Stunden betragen.

Damit wollen die Prüfer erreichen, dass die Banken um die Veröffentlichung von Pflichtmitteilungen, so genannter Ad-hoc-Meldungen, vor der offiziellen Bekanntgabe der Testergebnisse herumkommen. Der Bankenverband (BdB) hat jedoch Zweifel, ob dies auf diese Weise gelingt. Auch die Fristen sieht BdB-Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer kritisch. Es sei unmöglich, die Ergebnisse innerhalb von 48 Stunden auf Richtigkeit zu prüfen und innerhalb von zwei Wochen einen Kapitalplan zu erstellen, sagte Kemmer. „Wer Kapitallücken schließen will, braucht erheblich mehr Zeit – beispielsweise mit dem Verkauf von Portfolien.“ Aus Sicht von Gerhard Hofmann, Vorstand beim Genossenschaftsverband BVR, könnten die Fristen dagegen ausreichen. Die Geldhäuser würden schließlich bereits bei Gesprächen im September und Oktober „Teilinformationen über mögliche Problemfelder“ erhalten, sagte er.

Tatsächlich ist der Stresstest der EZB äußerst umstritten: Er wird im wesentlichen von der US-Unternehmensberatung Oliver Wyman durchgeführt. Das Unternehmen hat noch nie eine vergleichbare Aufgabe gestemmt und ist stark in der Banken-Lobby in London verankert (mehr zu dieser äußerst dubiosen Angelegenheit – hier).

Die EZB unterzieht die großen Institute derzeit einem umfassenden Stresstest, der aus einer Detailprüfung riskanter Bilanzpositionen und einem Stresstest besteht. Mit dem Fitnesscheck soll sicher gestellt werden, dass die Geldhäuser besenrein sind, wenn die Notenbank im November die Aufsicht über die größten Geldhäuser in 18 Euro-Ländern übernimmt. Aus Deutschland nehmen 24 Institute an der Prüfung teil, 21 davon werden ab Herbst direkt von der EZB beaufsichtigt. Europaweit durchleuchtet sie seit Monaten 128 Banken.

Die EZB wird im Oktober nicht nur veröffentlichen, wie hoch eventuelle Kapitallöcher einzelner Banken sind. Investoren und Analysten werden beinahe gläserne Geldhäuser präsentiert bekommen, da so viele Kennzahlen publiziert werden sollen wie nie zuvor. Das geht aus einem sechsseitigen Formular für die Veröffentlichung hervor, das die EZB am Donnerstag vorstellte. Erstmals wird die Öffentlichkeit dadurch auch die Verschuldungsquote aller geprüfter Banken erfahren. Diese sogenannte „leverage ratio“ ist definiert als das Verhältnis von Eigenkapital zu Bilanzsumme. Nach den neuen Basel-III-Regeln müssen Geldhäuser künftig mindestens drei Prozent erreichen. Allerdings ist diese Kennziffer noch nicht verbindlich, weshalb einige Institute gegen die Veröffentlichung protestiert hatten.

Die Ergebnisse von Bilanzcheck und Stresstest basieren auf den Bankbilanzen von Ende 2013. Allerdings soll gesondert vermerkt werden, wenn die Institute inzwischen ihr Kapital gestärkt haben. Andererseits will die EZB auch aufführen, wenn hohe Geldstrafen – wie sie beispielsweise der Deutschen Bank und der Commerzbank drohen – die Puffer haben schrumpfen lassen. Stichtag ist der 30. September 2014. Es sei wichtig, dass 2014 erfolgte Kapitalerhöhungen berücksichtigt werden, sagte BdB-Geschäftsführer Kemmer. Banken, die mögliche Kapitallücken in der Zwischenzeit geschlossen hätten, dürften nicht als „Durchfaller“ abgestempelt werden.

Das genaue Datum, an dem die Ergebnisse des Fitnesschecks der Banken veröffentlicht werden sollen, wollte die EZB noch nicht nennen. Es dürfte aber in der zweiten Oktober-Hälfte liegen. Zuletzt war wiederholt über Freitag, den 17. Oktober als Stichtag spekuliert worden. Zweieinhalb Wochen später, am 4. November, geht dann die Aufsicht von den nationalen Behörden auf die EZB über. In Deutschland teilen sich die Finanzaufsicht BaFin und die Bundesbank bislang diese Aufgabe. Sie sind weiter für die Aufsicht über die kleineren Institute, also vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken, zuständig und unterstützen die EZB bei der Aufsicht der Großbanken.

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