ZDF blamiert sich in Brüssel: Reporter singt allein vor Merkel

Der ZDF-Reporter Udo van Kampen hat sich in Brüssel mit einem peinlichen Auftritt vor der internationalen Presse blamiert. Er sang allein ein Geburtstagsständchen für Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der Vorfall zeigt: Sender und Regierungen leben distanzlos bis an die Grenze der Lächerlichkeit.

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ZDF-Reporter Udo van Kampen ist ein Gemütsmensch. Daher wollte der Leiter des ZDF-Studios in Brüssel bei der Mitternachts-Pressekonferenz im EU-Parlament der Bundeskanzlerin die Ehre erweisen und gratulierte ihr zum Geburtstag. Doch damit nicht genug: Er forderte die Weltpresse auf („ein, zwei, drei!“) ein kräftiges „Happy Birthday, liebe Bundeskanzlerin!“ an Angela Merkel zu richten.

Die nette Geste geriet jedoch zum Rohrkrepierer: Natürlich erhob kein einziger Journalist seine Stimme. Mit Befremden und ungläubigem Staunen verfolgten die Medienvertreter die skurrile Huldigungs-Arie des ZDF-Mannes. Die BBC stellte das Video sogar ins Netz (siehe Anfang des Artikels).

Der ZDF-Reporter hat es sicher gut gemeint und wollte einfach eine nette Geste zeigen. Doch das Ergebnis wirft ein grelles Schlaglicht auf die Distanzlosigkeit vieler Journalisten in den öffentlich-rechtlichen Sendern. Sie verstehen sich als Teil des politischen Machtgefüges und nicht als kritisch-distanzierte Beobachter. Das ist im Fall der mit Zwangsgebühren finanzierten Sender besonders verwerflich: Die Rundfunkbeiträge werden den Bürgern ja mit der Begründung abgenommen, dass diese Methode die einzig mögliche sei, um Qualität im Programm zu garantieren. Doch tatsächlich ist die Zwangsgebühr die Garantie für TV-Macher und Politiker, sich im Staatsfernsehen ungestört wie im eigenen Wohnzimmer bewegen zu können.

Wie sehr diese systemische Kumpanei korrumpiert, zeigt das jüngste Beispiel des ZDF-Manipulations-Skandals zeigt (mehr dazu hier).

Dazu teilt das ZDF heute mit:

Der Leiter der ZDF-Hauptredaktion Show, Oliver Fuchs, hat im Zusammenhang mit den Manipulationen bei der Rankingshow „Deutschlands Beste!“ die Verantwortung übernommen und seinen Rücktritt angeboten. Die interne Untersuchung des ZDF hat ergeben, dass Fuchs selbst keine Kenntnis von den Manipulationen hatte. Die für die beiden Showsendungen am 2. und 3. Juli zuständige Teamleiterin wurde ihrer Führungsfunktion enthoben und abgemahnt. Eine weitere Redakteurin wurde ebenfalls abgemahnt. ZDF-Intendant Thomas Bellut: „Ich danke Herrn Fuchs für sein Engagement und seine Arbeit. Ich respektiere sein Angebot, persönlich die Verantwortung zu übernehmen.“

Fuchs soll freigestellt worden sein.

Tatsächlich wird der Skandal im ZDF behandelt wie die Skandale bei den Banken: Es findet sich ein Schurkenhändler oder eben ein Mitarbeiter, der zum Sündenbock gemacht wird. Die Oberen haben von nichts gewusst und machen weiter wie bisher.

Der Auftritt van Kampens in Brüssel war harmlos. Er ist jedoch eine Karikatur eines Systems, das sich gelöst hat von der Verantwortung gegenüber dem Gebührenzahler und nur noch an den Lippen der Mächtigen hängt.

Eins, zwei drei!

Doch keiner singt mit.


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