Abschuss von Flug MH17: Alles deutet auf Fehler der Kriegs-Parteien hin

Der Abschuss des zivilen Flugs MH17 dürfte auf einen Irrtum einer der kriegsführenden Parteien zurückzuführen sein. Wer den Fehler gemacht hat, ist unklar. Wladimir Putin telefonierte unmittelbar nach dem Abschuss mit Barack Obama – ein deutliches Zeichen, dass beide Seiten deeskalieren wollen.

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Der Abschuss von Flug MH17, einer Boeing 777 der Malaysian Airlines über der Ostukraine, dürfte seine Ursache in einer Fehleinschätzung der Lage durch eine der kriegführenden Parteien haben.

Dies ergibt sich, wenn man die unterschiedlichen Versionen zum Unglück vergleicht.

In der FT beschreibt ein ukrainischer Experte ein Flugzeug seiner Armee und kommt zu dem Ergebnis, dass das Flugzeug der MH17 sehr ähnlich sei. Die Rebellen hätten eine Buk-Batterie gekapert und wollten einen Transporter der ukrainischen Luftwaffe abschießen. Sie hätten sich geirrt – und hätten stattdessen die Passagiermaschine getroffen. Die FT ist überzeugt, dass die Rebellen bei einem Überfall auf ein Militärlager bei Donezk vor zwei Monaten eine Buk-Batterie in ihren Besitz gebracht hätten.

Auf Russia Today wird die Version andersherum erzählt: Hier kursiert die Variante, dass die Ukrainer eigentlich Wladimir Putin abschießen wollten. Die russische Regierungsmaschine sehe der MH17 täuschend ähnlich. Putin habe sich auf dem Rückflug der Brics-Treffen aus Brasilien befunden. Die Ukrainer hätten sich geirrt – und statt dessen das zivile Flugzeug aus Amsterdam abgeschossen. Der Kreml bekräftigte, dass Putin schon länger nicht mehr durch den ukrainischen Luftraum fliege und daher für den Präsidenten zu keiner Zeit Gefahr bestanden habe. Ein russischer Experte erklärte RT, dass er überzeugt sei, dass die ukrainische Armee hinter dem Abschuss stehe. Das Unglück sei jedoch nicht absichtlich geschehen, sondern durch schlichte Unfähigkeit. Die Armee sei schlecht trainiert und habe schon einmal vor Jahren ein Transportflugzeug irrtümlich abgeschossen.

Beide Versionen lassen erkennen, dass man auch in den gegenseitigen Schuldzuweisungen von einem Irrtum –der jeweils anderen Seite – ausgeht.

Präsident Putin informierte US-Präsident Barack Obama unmittelbar nach der Katastrophe. Beide versicherten einander, dass der Vorfall aufgeklärt werden müsse. Bei dem Gespräch bedauerte Putin außerdem, dass Obamas harte Haltung gegen Russland das internationale Klima sehr beeinträchtige.

Auch wenn beide Seite nun eskalieren, so muss sich vor allem die Internationale Flugsicherung den Vorwurf machen, warum sie den Luftraum über der Ukraine nicht schon längst gesperrt hat. Der Grund dürfte wirtschaftlicher Natur sein: Über die Ukraine fliegen die meisten Maschinen von Nordeuropa nach Südostasien. Eine weiträumige Umleitung wird für die Airlines teuer, weil sie mehr Kerosin verbrauchen.

Nun haben 300 Zivilisten für den ökonomischen Zwang mit ihrem Leben bezahlt.


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