Aldi-Gründer Karl Albrecht ist tot: „Gerecht und berechenbar“

Der Mitgründer des Discounters Aldi ist tot. Das Unternehmen bezeichnete Karl Albrecht als „gerechten und stets berechenbaren Unternehmer“.

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Der Einzelhandels-Milliardär und Aldi-Mitgründer Karl Albrecht ist tot. Er starb bereits am vergangenen Mittwoch im Alter von 94 Jahren, wie Aldi Süd am Montag mitteilte. Einem Sprecher von Albrechts Heimatstadt Essen zufolge wurde er am Montag im engsten Familienkreis beigesetzt. Das Unternehmen ehrte den Gründer in seinem Nachruf als „gerechten und stets berechenbaren Unternehmer“, der seine christlichen Werte gelebt habe. Albrecht habe keine öffentliche Aufmerksamkeit gewollt und ihm angetragene Ehrungen stets mit dem Hinweis auf die Verdienste aller Mitarbeiter abgelehnt.

Nach Schätzungen des Wirtschaftsmagazins „Forbes“ war Karl Albrecht der reichste Deutsche mit einem Vermögen von 19,15 Milliarden Euro. Vor vier Jahren war sein zwei Jahre jüngerer Bruder Theo gestorben. Die beiden hatten das Imperium 1960 in Aldi Nord, das Reich von Theo, und Aldi Süd, das Karl verantwortete, geteilt. Aldi Süd beschäftigt 35.000 Mitarbeiter in rund 1800 Filialen.

Firmenangaben zufolge schuf Karl Albrecht bereits 1973 die Voraussetzungen für unternehmerische Kontinuität. Das Vermögen der Unternehmensgruppe Aldi Süd werde seitdem von zwei Stiftungen kontrolliert.

Die medienscheuen Albrecht-Brüder entstammten einer Kaufmannsfamilie. Sie schmiedeten nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem 1913 gegründeten Tante-Emma-Laden ihrer Mutter Deutschlands größten Discounter. Der „Aldi-Äquator“, der die beiden Unternehmensteile trennt, verläuft zwischen Essen und dem benachbarten Mülheim, wo Aldi Süd seinen Sitz hat. Der Norden und die östlichen Bundesländer gehören zu Aldi Nord. Auch das Ausland teilten sich die Brüder: Aldi Nord ist in Belgien, den Niederlanden, Frankreich, Spanien und Portugal vertreten. In den USA gehört der Discounter „Trader Joe’s“ zum Imperium. Aldi Süd hat Filialen beispielsweise in Österreich und der Schweiz.

Die Albrecht-Brüder waren extrem medienscheu. So wenig sie von den Bilanzen preisgaben, so wenig gaben sie auch von sich preis. Selbst das exakte Geburtsdatum von Theo war bis zuletzt ein Geheimnis. Ein Grund für diese Diskretion dürfte seine Entführung 1971 gewesen sein. Zwei Männer waren durch das Buch „Die Reichen und die Superreichen in Deutschland“ auf Albrecht aufmerksam geworden. Sie erpressten sieben Millionen Mark von der Familie.

Der Nachruf des Unternehmens im Wortlaut:

Wir betrauern den Tod unseres Unternehmensgründers Karl Albrecht. Ihm verdanken wir den Aufbau und die Fortentwicklung unserer Unternehmensgruppe.
Karl Albrecht wuchs im bergbaugeprägten Essener Norden auf. Dort betrieben seine Eltern ein Lebensmittelgeschäft, in dem er den Beruf des Einzelhandelskaufmanns erlernte. Seine Herkunft und das Wissen um die Kundenbedürfnisse prägten seine Handelsaktivitäten zeitlebens. Er war davon überzeugt, dass auch Kunden mit sehr begrenzten Einkommen die Möglichkeit haben sollten, gute Lebensmittel zu essen und zu trinken. Dies zu ermöglichen sah er als seine Lebensaufgabe an.

Nach Wegfall der kriegs- und besatzungsbedingten Beschränkungen erweiterten Karl Albrecht und sein im Jahre 2010 verstorbener Bruder Theo das elterliche Einzelgeschäft ab 1948 zu einem Filialbetrieb von mehr als dreihundert Läden, die zum großen Teil in Bedienung geführt wurden und sich über Nordrhein-Westfalen erstreckten.

Nach 1961 wurden die Bedienungsgeschäfte vollständig durch „ALDI“ Läden ersetzt (Albrecht-Diskont). Diese boten in Selbstbedienung ein sehr begrenztes Sortiment an, das sich einfach handhaben und schnell verkaufen ließ. Die Kostenvorteile, die dieses Konzept gegenüber den Vollsortimentern aufwies, wurden in Form niedriger Preise an die Kunden weitergegeben. Vom ersten Tag an erzielten die ALDI Läden eine hohe Akzeptanz, die bis heute anhält. ALDI wurde rasch zum Inbegriff des Discounthandels in Deutschland und setzte Maßstäbe für eine ganze Vertriebsform.

Diese Geschäfte mit beschränktem Sortiment sowie guter Warenqualität zu niedrigen Preisen beeinflussten den Lebensmittelhandel wie kaum eine Innovation zuvor. Jahrzehntelang als Außenseiter angesehen, folgten die Brüder Albrecht unbeirrt ihren Prinzipien. Mit ALDI konnten sie eine kerngesunde Unternehmensgruppe aufbauen, die den Mitarbeitern sichere Arbeitsplätze, den Lieferanten verlässliche Abnahmestrukturen und den Kunden ein günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis boten.
Seit den 60er Jahren expandierte die Gruppe auch international. Heute ist sie in vielen Ländern auf drei Kontinenten tätig und erzielt den größeren Umsatzanteil außerhalb Deutschlands.

Karl Albrecht blieb dem Unternehmen bis zu seinem 75. Lebensjahr in verantwortlicher Stellung verbunden, zog sich danach zurück und begleitete bis wenige Tage vor seinem Tod die Unternehmensgeschicke aufmerksam und wohlwollend.

Bereits im Jahre 1973 schuf Karl Albrecht die Voraussetzungen für eine unternehmerische Kontinuität über seinen Tod hinaus: Das Vermögen der Unternehmensgruppe ALDI SÜD wird von zwei Stiftungen kontrolliert, die eine erfolgreiche Fortführung seines Lebenswerks gewährleisten. Durch eine stets ausreichende Ertragslage konnte die Unabhängigkeit bewahrt werden; wir sehen es als ein Vermächtnis an, dies auch zukünftig zu gewährleisten.

Karl Albrecht wollte keine öffentliche Aufmerksamkeit, lehnte die ihm angetragenen Ehrungen stets mit dem Hinweis auf die Verdienste aller Mitarbeiter ab und lebte zurückgezogen.

Er schuf eine Firmenkultur gegenseitigen Respekts. Er vertraute seinen Mitarbeitern und ihren Talenten und gab ihnen Gelegenheit, diese zu entfalten – zum Wohle nicht nur der Firma, sondern auch zur Zufriedenheit der Mitarbeiter. Er war ein gerechter und stets berechenbarer Unternehmer und ein Mann, der seine Überzeugung und seine christlichen Werte lebte. Er war Vorbild. Wir sind stolz auf die von ihm geschaffene Kultur und werden sie fortführen. Wir verneigen uns vor ihm. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie.

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