Abschuss MH17: US-Regierung legt erstes Satelliten-Foto vor

Die amerikanische Regierung hat am Dienstag via CNN ein erstes Satelliten-Foto des Abschusses von Flug MH17 vorgelegt. Es zeigt die Ost-Ukraine aus dem Weltall und beschreibt mit einer Zeichnung die Flugrouten der Passagiermaschine und jene der Rakete. Die Ukraine teilt mit, ein „in Russland ausgebildeter Offizier hat bewusst den Abschuss-Knopf gedrückt“. Die Black Box wird nun in Großbritannien untersucht.

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Diesen Beleg legen die Amerikaner für den Abschuss von Flug MH17 durch ukrainische Rebellen vor. (Foto: CNN via Twitter)

Diesen Beleg legen die Amerikaner für den Abschuss von Flug MH17 durch ukrainische Rebellen vor. (Foto: CNN via Twitter)

CNN hat ein Satellitenfoto veröffentlicht, das ein erster Beleg der US-Regierung dafür sein soll, dass Flug MH17 von den Rebellen in der Ost-Ukraine abgeschossen wurde. Dieses Foto zeigt allerdings nicht, was am Unglückstag oder davor geschehen ist, sondern ist eine Fotomontage: Über der Landschaft der Ostukraine sind zwei Fluglinien in Grün und Gelb eingezeichnet. Sie sollen zeigen, von wo die Rakete gegen die Maschine abgeschossen worden sein soll und wo Flug MH17 getroffen wurden. Mit orangen und gelben Kreisen werden Detonationen und Absturz veranschaulicht.

Das Bild wurde von der CNN-Reporterin Barbara Starr via Twitter verbreitet.

Die Berichterstattung von CNN ist allerdings widersprüchlich: Der Sender vermeidet es zu sagen, woher das Satelliten-Foto kommt. Er berichtet lediglich, dass „die US-Regierung eine Landkarte zur Verfügung gestellt hat“, auf der die Ereignisse dargestellt werden.

Der Grund dürfte darin liegen, dass das Foto nicht von der CIA stammt, sondern wie am Copyright-Vermerk am linken unteren Bildrand unschwer zu erkennen ist, von der privaten Bildagentur DigitalGlobe aus Nevada, die laut Eigenbeschreibung als privater Dienstleister für Geheimdienste arbeitet. Auffällig: Das Foto stammt aus dem Jahr 2010. Bereits am Montag waren in der Denver Post Fotos von dieser Agentur zu sehen, die die Absturzstelle zeigen. Im Unterschied zum CIA-Foto sind jene der Denver Post wenigstens aktuell.

Die Bilder können im Internet vergleichsweise preisgünstig erworben werden.

Ob die CIA das Bild von DigitalGlobe gekauft hat oder CNN geht aus der Berichterstattung nicht hervor. Das Foto dürfte also nicht, wie die International Business Times hofft, „substantielle Aufschlüsse“ über den Hergang der Katastrophe liefern.

Zu der etwas kryptischen Darstellung referiert CNN die Meinung des ukrainischen Direktors für Informationssicherheit, also des Pressesprechers des ukrainischen Geheimdienstes. Vitaly Nayda. Er sagte in einem Interview, dass ein russischer Offizier Flug MH17 abgeschossen haben soll: „Ein von den Russen trainierter, gut ausgerüsteter, gut ausgebildeter Offizier hat den Abschuss-Knopf ganz bewusst gedrückt.“

Für diese Darstellung haben weder die Ukraine noch die USA Belege vorgelegt.

Interessanterweise berichtet CNN weiters, dass die US-Geheimdienste noch damit beschäftigt seien, „abgefangene Telefonate, Social Media und Informationen vom Boden“ auszuwerten, um herauszufinden, ob „russische Offizielle eine direkte Rolle bei dem Abschuss gespielt haben“. Diese zurückhaltende Aussagen von zwei Geheimdienst-Quellen deckt sich mit der Skepsis von anderen Regierungsquellen nach der ersten Sichtung der Fotos.

Die Amerikaner wollten ihre Auswertung eigentlich bereits am Wochenende abgeschlossen haben, wie die ARD in Aussicht gestellt hatte. Doch offenbar hatten CIA-Analysten erhebliche Zweifel an einer brauchbaren Version: So sollen auf den von Spionage-Satelliten aufgenommenen Fotos ukrainische Soldaten mit der ominösen Buk-Batterie zu sehen sein (mehr dazu hier).

Die Russen hatten bereits am Montag ihre Version vom Abschuss der malaysischen Passagiermaschine MH17 in der Ost-Ukraine vorgelegt (mehr im Detail hier).

Die Black Box des abgestürzten Flugzeuges wird nun nicht, wie ursprünglich erwartet, von der Internationalen Luftfahrtbehörde untersucht werden, sondern von einer britischen Untersuchungs-Kommission. Die Niederländer haben die Briten am Dienstag um entsprechende Amtshilfe gebeten.

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