Gründer Rodbertus verliert Kampf um Prokon

Prokon-Gründer Carsten Rodbertus hat den Machtkampf um den insolventen Windparkbetreiber verloren. Das Amtsgericht Itzehoe schloss am Dienstag auf der Gläubigerversammlung in Hamburg etwa 15.000 Anleger von der Abstimmung aus, weil es einen Interessenkonflikt sah.

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Rodbertus hatte in den vergangenen Wochen versucht, Anleger für sein Konzept für eine Weiterführung von Prokon zu gewinnen. Mehrere Befangenheitsanträge gegen die Rechtspflegerin, die die Versammlung leitete, lehnte das Gericht ab. Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin wurde bestätigt.

In einer Halle auf dem Hamburger Messegelände versammelten sich mehrere Tausend Gläubiger, um über die Zukunft von Prokon abzustimmen. Der Zugang zu der Versammlung wurde durch zahlreiche Justizbeamte geregelt. Nach Angaben des Gerichts waren etwa 2300 stimmberechtigte Vertreter anwesend, die 29.600 Gläubiger repräsentierten. Damit waren 886,6 Millionen Euro Genussrechtskapital auf der Versammlung präsent. Penzlin wurde nahezu einstimmig beauftragt, einen Insolvenzplan für Prokon aufzustellen.

Prokon hatte mit hohem Werbeaufwand im Fernsehen, auf Bussen und Straßenbahnen oder durch Postwurfsendungen bei 75.000 Anlegern insgesamt 1,4 Milliarden Euro an Genussrechtskapital eingesammelt. Das Geld steckte Prokon in Windkraftanlagen. Jährlich flossen acht Prozent Zinsen. Als viele Anleger angesichts der drohenden Krise ihre Papiere kündigten und das Investment zurückforderten, geriet das Unternehmen in Schieflage. Seit der Insolvenz müssen die Anleger um ihr Geld bangen. Nach ersten Schätzungen des Insolvenzverwalters werden sie mindestens 40 Prozent ihrer Einlagen in den Wind schreiben müssen.

Drei große Gläubigergruppen hatten sich im Vorfeld für eine Fortführung des Kerngeschäfts von Prokon ausgesprochen. Sie setzten sich mit ihrer Forderung durch, den Verwalter Penzlin mit der Entwicklung eines Insolvenzplans zu beauftragen. Die drei größten Gläubigergruppen sind die „Freunde von Prokon“, ein Verein von mehr als 7000 Genussrechts-Anleger, sowie die Kleinaktionärsvereine SdK und DSW.

Anwalt Dieter Graefe, der nach eigenen Angaben etwa 5000 der nicht zugelassenen Anleger vertritt, hatte rechtliche Schritte angekündigt. „Die 15.000 Gläubiger sind damit praktisch rechtlos. Das ist ein verfassungswidriges Vorgehen, das ich noch nicht erlebt habe“, erzürnte sich Graefe im Gespräch mit Journalisten.

TAUZIEHEN UM DIE MEHRHEIT

In den vergangenen Wochen hatte sich ein beispielloses Tauziehen um die Mehrheit auf der Gläubigerversammlung entwickelt. Firmengründer Rodbertus hatte nach Angaben von Gläubigervertretern in Rundbriefen, Anrufen und über das Internet bei den Anlegern darum geworben, den Insolvenzverwalter abzuwählen. Er wirft Penzlin vor, das Unternehmen zerschlagen zu wollen. Dem hat der Insolvenzverwalter widersprochen. Er will das Kerngeschäft von Prokon fortführen und 300 der zuletzt 450 Arbeitsplätze langfristig erhalten.

Die Staatsanwaltschaft Lübeck ermittelt gegen Rodbertus wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung und anderer Wirtschaftsdelikte. Der Firmengründer hatte 2013 vergeblich versucht, die Genussrechte-Inhaber dazu zu bewegen, ihr Geld im Unternehmen zu belassen. Nach wochenlangem Ringen stellte das Management im Januar Insolvenzantrag. Im Mai eröffnete das Amtsgericht Itzehoe das Insolvenzverfahren über die Prokon Regenerative Energien GmbH.

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