EZB merkte erst nach Erpresser-Email, dass ihre Server gehackt wurden

Hacker haben versucht, die Europäische Zentralbank zu erpressen. Nachdem tausende Email-Adressen und Datensätze gestohlen waren, meldeten sich die Diebe bei der EZB und forderten eine Geldzahlung. Kurios: Der EZB ist der Diebstahl erst durch die Erpresser-Email aufgefallen.

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Computerhacker haben versucht, die Europäische Zentralbank (EZB) mit gestohlenen Daten zu erpressen. Wie die Notenbank am Donnerstag in Frankfurt mitteilte, wurde ihre Internetseite angegriffen. Es seien zahlreiche E-Mail-Adressen und andere Kontaktdaten wie Telefonnummern gestohlen worden. Wichtige interne Computersysteme seien aber nicht betroffen. Zudem seien keine für die Finanzmärkte sensiblen Daten entwendet worden. Entdeckt wurde der Diebstahl, nachdem die EZB am Montagabend in einer anonymen E-Mail zu einer Geldzahlung für die Daten aufgefordert worden war. Eine konkrete Höhe der Forderung sei von den Hackern aber nicht genannt worden. Die Polizei in Frankfurt wollte sich nicht äußern.

Die Hacker hatten sich laut EZB Zugang zu einer Datenbank verschafft, in der Teilnehmer an Konferenzen der Zentralbank, Journalisten und andere Besucher registriert worden waren. Die Datenbank habe rund 20.000 Einträge gehabt, von denen jedoch nicht alle gestohlen worden seien. Alle Betroffenen würden von der EZB kontaktiert. Der Fall bekommt zusätzliche Brisanz durch den laufenden Bilanzcheck der europäischen Großbanken durch die EZB, die ab November die Aufsicht über die Institute übernimmt. Zahlreiche Banken hatten schon vor Beginn der umfangreichen Überprüfung Fragen nach der Sicherheit der Daten gestellt, die sie der EZB im Rahmen der Prüfung zur Verfügung stellen.

Allerdings sollten sich die Banken weniger Sorgen um Hacker machen als vielmehr über die Firma Oliver Wyman, die den Stresstest durchführt: Wyman ist eng mit der Banken-Lobby in London vernetzt. Bisher hat es kein aktiver Banker gewagt, diesen „conflict of interest“ anzuprangern – aus Angst, dafür von der EZB beim Stresstest abgestraft zu werden (mehr dazu hier).


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