Amerikaner werden nervös: Hat die Ukraine den Abschuss von MH17 ausgelöst?

Eine US-Sprecherin hat in Washington überraschend ein Geständnis abgelegt: Sie musste einräumen, dass die Ukraine tatsächlich einen Kampf-Jet in Richtung von MH17 geschickt haben könnte. Dieser Jet könnte die Rebellen provoziert haben, in Richtung der Passagier-Maschine zu schießen. In diesem Fall hätte die Ukraine eine klare Mitschuld am Tod von fast 300 Zivilisten. Die Amerikaner kämen als militärische Drahtzieher der ganzen Aktion gewaltig unter Druck.

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Das tägliche Presse-Briefing in Washington förderte am Mittwoch ein bisher wenig beachtetes, aber doch sehr wichtiges Eingeständnis der USA zu Tage: Eine Sprecherin des Außenministeriums sagte, sie könne „nicht ausschließen, aber auch nicht bestätigen“, dass sich zum Zeitpunkt des Abschusses ein ukrainischer Kampfjet in der Nähe von Flug MH17 befunden habe.

Zu diesem Eingeständnis gelangte die Sprecherin auf hartnäckiges Nachfragen der Journalisten. Zunächst war es in dem Briefing nur um die Frage gegangen, ob die Version der Russen zutreffend sein könne, dass ein Kampfjet der Ukraine vom Typ SU-25 die Boeing 777 der Malaysia Airlines abgeschossen hat.

Darauf sagte die Regierungssprecherin Marie Harf:

Die SU-25 ist eine Maschine, die Ziele am Boden aus der Luft angreift. Die einzigen Raketen, die sie trägt, haben einen kurzen Radius und sind infrarot-geleitet. Die Fotos vom Boden machen den Eindruck eines Schadens, den ein Abschuss durch eine Boden-Luft-Rakete verursacht. Die Wahrnehmung entspricht nicht dem Eindruck dessen, was man erwarten würde, wenn der Abschuss durch eine Rakete aus der Luft erfolgt, wie die Russen behaupten.“

Interessanter Weise haben die Russen das nicht zum Hauptvorwurf ihrer Darstellung gemacht: Sie haben lediglich verlangt, dass die Ukraine klarstellt, ob ein Kampf-Jet der ukrainischen Armee zum Zeitpunkt des Abschusses in der Nähe von MH17 war. Kiew hat diese Behauptung bisher weder bestätigt noch dementiert.

Nach einem kurzen Exkurs über die Fähigkeit der Rebellen, eine SA-11 abzufeuern, kommt ein Journalist auf die Frage nach dem ukrainischen Kampf-Jet zurück.

Journalist: Ich bin mir nicht sicher… Ich weiß, es gab einige Vermutungen, dass der ukrainische Kampf-Jet das Flugzeug abgeschossen hat – mit einer Rakete, aber die…

Harf: Die Russen hatten im Wesentlichen einige alternative Erklärungen.

Journalist: Richtig.

Harf: Es wird da über einen ukrainischen Kampf-Jet geredet. Ich glaube, dass wir…dass die Geheimdienste gestern sehr ausführlich erklärt haben, dass das nicht der Fall war.
Die andere … eines der anderen Dinge, die sie gesagt haben, war, dass ein ukrainisches SA-11-System geschossen hat. Noch einmal, ich glaube, sie haben es sehr klar gemacht, dass das auch nicht der Fall war.

Journalist: Aber die Theorie – oder, wenn Sie lieber mögen – die Vermutung ist nicht notwendigerweise die – ich meine, Sie haben…Sie haben entdeckt, dass der ukrainische Kampf-Jet in der Nähe war, aber das er nicht in der Lage war (das Flugzeug) abzuschießen…

Harf: Nein, ich kann nicht einmal bestätigen, dass überhaupt ein ukrainischer…wir haben keine Bestätigung, die ich gesehen habe, dass da ein ukrainischer Kampf-Jet war.

Journalist: Oh, das da überhaupt…

Harf: Ich sage nicht, dass da keiner war. Ich kann es nur nicht bestätigen.

Journalist: Richtig.

Harf: Aber unabhängig davon, die Annahme, dass diese Art von ukrainischem Kampf-Jet, von dem die Russen reden, dies mit einer Rakete hätte machen können, das passt einfach nicht zu den Wrackteilen, die wir gesehen haben.

Journalist: Weil ich glaube, die Annahme, dass, wer auch immer diese Rakete abgeschossen hat, könnte auf dieses Flugzeug geschossen haben, so wie das, was wir heute in Form eines Abschusses gesehen haben.

Harf: Was es um keinen Deut besser macht.

Journalist: Das sage ich nicht, ich sage nicht, dass das besser ist, überhaupt nicht, aber es ist nicht…

Harf: Und ich weiß nicht, welche Absicht derjenige hat, der am Boden auf den Knopf gedrückt hat. Ich weiß es nicht.

Journalist: Eine letzte Frage noch…

Harf: Ganz klar, klar, ich weiß, dass die Absicht war, eine komplizierte Rakete abzuschießen und Menschen zu töten. Ob diese… ob sie versucht haben, ukrainische Militär-Offiziere zu töten oder Zivilisten – wir warten immer noch darauf, das herauszufinden.

Journalist: Ich – ja, okay. Ich behaupte nicht, dass das eine besser als das andere ist.

Harf: Okay. Ich weiss.

Aus dem Dialog, der auf der Website des US-Außenministeriums als Transkript wiedergegeben ist, geht eindeutig hervor: Die Amerikaner können nicht ausschließen, das ein ukrainischer Kampf-Jet in der Nähe von MH17 war. Mehr noch: Die Aussagen der Sprecherin Harf erwecken den Eindruck, dass auch die Amerikaner davon ausgehen, dass eine solche Maschine in der Luft war.

Denn Sprecherin Harf sagt am Ende der Passage, es sei im Grunde einerlei, ob die Rebellen feindliche Soldaten töten wollten oder Zivilisten – beides sei gleich schlimm. Der Journalist stimmt ihr zu.

Es ist natürlich nicht dasselbe, ob Soldaten andere Soldaten oder Zivilisten erschießen.

Abseits dieser moralischen Kategorie stärkt die Schilderung der Sprecherin Harf die These eines Rebellenführers, der in einem Interview mit Reuters gesagt hatte: Kiew habe einen Luftangriff zu der Zeit durchgeführt, als zivile Maschinen den Korridor durchflogen. Damit habe Kiew einen Abschuss der Rebellen provozieren wollen.

Selbst wenn die Ukraine den Angriff nicht provozieren wollte, sondern ihn nur in Kauf genommen hat, würde das zu einer klaren Mitschuld führen – aus dem einfachen Grund: Wäre zu dem fraglichen Zeitpunkt keine ukrainische SU-25 in der Nähe von MH17 gewesen, hätten die Rebellen mit großer Wahrscheinlichkeit keine Rakete abgefeuert – und die unschuldigen 300 Zivilisten wären heute noch am Leben.

Die Ukraine tritt als Stellvertreter der USA in diesem Krieg auf.

Alle Vorwürfe, die man in diesem Zusammenhang der Ukraine machen wird, wird man wegen der engen Verflechtung der Geheimdienste auch den USA machen.


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