Israel legt Kraftwerk in Gaza lahm, Hamas feuert auf Tel Aviv

Die Kämpfe in Gaza sind am Dienstag eskaliert. Israel hat das einzige Kraftwerk im Gaza-Streifen bombardiert. Das palästinensischen Angaben könnte das Kraftwerk für bis zu einem Jahr ausfallen. Die Hamas schoss weitere Raketen auf Israel ab. Der iranische Ajatollah Chameinei bezeichnete Israel als einen "tollwütigen Hund". Israel fürchtet, dass die Hisbollah aus dem Südlibanon ebenfalls mit einem Raketenangriff beginnen könnte.

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Israels Militär hat bei seinen schwersten Angriffen seit Beginn der Offensive gegen die radikal-islamische Hamas das einzige Kraftwerk im Gazastreifen lahmgelegt. Die Stadtverwaltung von Gaza warnte am Dienstag vor einer Wasserknappheit, weil viele Wasserpumpen vom Strom abgeschnitten seien. Das Kraftwerk deckt bis zu zwei Drittel des Energiebedarfs von Gaza. Am Dienstag beschoss das Militär nach eigenen Angaben etwa 110 Ziele im Gazastreifen vom Land und vom Meer aus sowie aus der Luft, darunter auch das Haus des Hamas-Anführers Ismail Hanija. Mindestens 79 Palästinenser starben nach Angaben der Gesundheitsbehörden. Die Zahl der palästinensischen Opfer seit Beginn der Kämpfe vor drei Wochen stieg nach Angaben der Times of Israel auf 1.200. Auf israelischer Seite kamen Dutzende Soldaten und drei Zivilisten ums Leben.

Die Stromversorgung für Gaza und viele andere Gebiete im Gazastreifen, in dem 1,8 Millionen Palästinenser leben, war nach dem Ausfall des Kraftwerks unterbrochen. Durch israelischen Panzer-Beschuss gingen den Angaben zufolge riesige Vorratstanks in Flammen auf, in denen etwa drei Millionen Kubikliter Diesel als Treibstoff für das Kraftwerk gebunkert waren. Die örtliche Energiebehörde erklärte, das Kraftwerk könnte für ein Jahr ausfallen. „Das Kraftwerk ist erledigt“, sagte sein Direktor Mohammed al-Scharif. Die Stadtverwaltung von Gaza rief die Einwohner auf, ihren Wasserverbrauch einzuschränken.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte am Montag seine Landsleute auf einen längeren Krieg eingestellt, der erst dann enden werde, wenn das Tunnelsystem der Hamas zerstört und der Gazastreifen entmilitarisiert seien. „Wir werden diese Operation nicht vorher beenden, bis die Tunnel ausgeschaltet sind, deren einziger Zweck es ist, unsere Bürger und unsere Kinder zu töten“, sagte Netanjahu in einer Fernsehansprache. Zuvor waren trotz einer Feuerpause Hamas-Kämpfer durch einen Tunnel nach Israel vorgestoßen und hatten einen Wachposten am grenznahen Kibbuz Nahal Os mit einer Rakete beschossen. Die Soldaten töteten nach Armeeangaben fünf Angreifer. Auch fünf Soldaten seien getötet worden.

Die israelische Armee forderte vor der Angriffswelle in der Nacht zum Dienstag Tausende Bewohner der Gebiete rund um Gaza auf, ihre Häuser zu verlassen. Nach Einbruch der Dunkelheit setzten die Angriffe ein. Der Himmel war von Leuchtkörpern erhellt, Schüsse waren zu hören. Nach Darstellung der Hamas wurden auch die Gebäude ihres Fernsehsenders Al-Aksa TV und des Hörfunksenders Al-Aksa Radio bombardiert. Das Fernsehen sendete aber weiter, der Hörfunk blieb indes stumm.

Hamas-Anführer Hanija – der frühere Ministerpräsident des Küstengebietes – erklärte auf seiner Internetseite zum Beschuss seines Hauses: „Die Zerstörung von Steinen wird unseren Willen nicht brechen, und wir werden unseren Widerstand fortsetzen, bis wir unsere Freiheit erringen.“ Die Hamas schoss wieder Raketen auf Israel ab, unter anderem auf Tel Aviv.

Mit der jüngsten Eskalation und der Erklärung Netanjahus scheint auch ein Waffenstillstand in weite Ferne gerückt zu sein. Die Appelle von US-Präsident Barack Obama und des UN-Sicherheitsrates, die Waffen schweigen zu lassen, verhallten ungehört. Netanjahu warf dem Rat vor, er kümmere sich einseitig um die Bedürfnisse einer „mörderischen Terrorgruppe“, habe aber keine Antworten auf das Sicherheitsbedürfnis Israels. Zuvor waren die Vermittlungsbemühungen von US-Außenminister John Kerry erfolglos im Sande verlaufen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon warf beiden Konfliktparteien vor, sie hätten nicht den politischen Willen, den Konflikt zu beenden.

Die Führung in Teheran verschärfte ihren Ton gegen Israel. Der oberste politische und religiöse Führer des Landes, Ajatollah Ali Chamenei, nannte Israel einen „tollwütigen Hund“ und „raubgierigen Wolf“. Die muslimische Welt rief er auf, die Palästinenser mit Waffen zu versorgen, damit sie sich gegen „diesen Völkermord“ zur Wehr setzen könnten.

Die Drohungen aus Teheran werden in Israel besonders ernst genommen: Nach Angaben der Times of Israel will Premier Netanjahu nicht in den Gaza-Streifen einmarschieren, um nicht in einen Zwei-Fronten-Krieg verwickelt zu werden. Die vom Iran unterstützte Hisbollah im Südlibanon verfüge über mehr und wesentlich gefährlichere Raketen als die Hamas, schreibt das Blatt.

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