Adidas erlebt wegen Russland-Krise schwersten Kurs-Sturz der Geschichte

Die Russland-Sanktionen der EU und der USA treffen den Sportartikel-Hersteller Adidas schwer: Das Unternehmen musste seine Gewinnziele drastisch senken, weil Adidas einen Einbruch im Russland-Geschäft erwartet. Auch die Argentinien-Pleite und der Rekordverlust der portugiesischen Espírito Santo Bank führten zu Verlusten an den internationalen Börsen.

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Der pessimistische Ausblick von Adidas hat unter Aktienanlegern am Donnerstag Furcht vor den Folgen der westlichen Sanktionen gegen Russland geschürt. Darüber hinaus sorgten die erneute Pleite Argentiniens und die anhaltenden Turbulenzen um die portugiesische Banco Espirito Santo (BES) für Unruhe.

Der Dax verabschiedete sich mit einem Minus von 1,9 Prozent bei 9407,48 Punkten in den Feierabend. Das ist der größte Tagesverlust seit Anfang März. Der EuroStoxx50 gab am Donnerstag 1,7 Prozent auf 3115,51 Zähler nach. An der Wall Street notierten Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 zwischen einem und 1,6 Prozent schwächer. Hier belasteten zusätzlich enttäuschende Konjunkturdaten. Das Stimmungsbarometer der Einkaufsmanager aus dem Großraum Chicago für Juli ging überraschend auf 52,6 (Prognose: 63,0) Punkte von 62,6 Zählern zurück.

Der Sportartikel-Hersteller Adidas senkte unter anderem wegen der Abwertung des Rubel und einer schlechteren Kauflaune der russischen Konsumenten sein Gewinnziel für das Gesamtjahr auf 650 Millionen von bislang 830 bis 930 Millionen Euro. Die Aktien brachen daraufhin um bis zu 16,4 Prozent ein, so viel wie noch nie zuvor in der Unternehmensgeschichte. Sie schlossen 15,4 Prozent tiefer bei 59,41 Euro. „Das zeigt einmal mehr: Wer nicht liefert, wird gnadenlos abgestraft“, sagte ein Börsianer.

BANCO ESPIRITO SANTO KÜNDIGT KAPITALERHÖHUNG AN

Bei den Finanzwerten sorgte der 51-prozentige Rekord-Kurssturz der Banco Espirito Santo für Aufsehen. Das größte börsennotierte Geldhaus Portugals kündigte als Reaktion auf einen 3,6 Milliarden Euro schweren Verlust eine Kapitalerhöhung an. Citigroup-Analyst Stefan Nedialkov warnte allerdings, dass BES dennoch staatliche Hilfe benötigen könnte. Im Sog von BES rutschte der Leitindex der Lissaboner Börse um bis zu 4,6 Prozent ab und notierte mit 5887,89 Punkten auf dem niedrigsten Stand seit September 2013. Auch die übrigen Finanzwerte gerieten unter Verkaufsdruck. Der Index für die Banken der Euro-Zone gab 2,4 Prozent nach.

SHELL ÜBERZEUGEN MIT ZAHLEN – T-MOBILE US IM PLUS

In London stiegen die Titel von Royal Dutch Shell um bis zu 3,7 Prozent auf ein Rekordhoch von 2469,5 Pence. Der Ölkonzern stellte nach einem überraschend großen Gewinnsprung für 2014 und 2015 Dividenden und Aktienrückkäufe im Volumen von mehr als 30 Milliarden Dollar in Aussicht.

Exxon Mobil – weltweit größter börsennotierter Ölförderer – übertraf beim Quartalsgewinn zwar ebenfalls die Erwartungen. Die Enttäuschung über die rückläufige Produktion drückte die Aktie aber 2,1 Prozent ins Minus.

Spekulationen auf einen Bieter-Wettstreit trieben T-Mobile US bis zu 9,1 Prozent in die Höhe. Dem „Wall Street Journal“ zufolge will der französische Mobilfunker Iliad für die Tochter der Deutschen Telekom bieten und damit den US-Konkurrenten Sprint ausstechen. Dessen Aktien fielen um bis zu 6,3 Prozent auf ein Achteinhalb-Monats-Tief von 7,27 Dollar. Die Telekom-Aktie drehte im Frankfurter Späthandel ins Plus und notierte zeitweise 0,6 Prozent fester.

ARGENTINIEN-PLEITE MACHT SPANISCHER BÖRSE ZU SCHAFFEN

Neben den Firmenbilanzen sorgte die zweite Pleite Argentiniens innerhalb von zwölf Jahren für Diskussionsstoff auf dem Börsenparkett. Die Gefahr eines Überschwappens der Krise auf andere Staaten sei aber gering, betonte Portfolio-Manager Steve Ellis von der Fondsgesellschaft Fidelity. Schließlich würden nur ganz bestimmte argentinische Anleihen nicht mehr bedient.

Der Leitindex der Aktienbörse Buenos Aires brach um bis zu 7,7 Prozent ein. Die argentinische Währung geriet ebenfalls unter Druck. Der inoffizielle Kurs des Dollar stieg um knapp fünf Prozent auf 12,95 Peso und lag damit nur knapp unter seinem Rekordhoch von 13 Peso vom Januar. Die in den USA gelisteten Aktien argentinischer Unternehmen wie der Ölkonzern YPF oder BBVA Banco Frances verbuchten Kursverluste von zehn Prozent und mehr.

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