Banken-Crash in Portugal: Aktien der Espírito Santo vom Handel ausgesetzt

Die Aktien der sich seit einiger Zeit in Notlage befindenden Banco Espírito Santo wurden am Freitag vom Handel ausgesetzt. Der Kurs war um 50 Prozent eingebrochen. Bereits drei Unternehmen aus der Espírito-Gruppe mussten wegen der Bank die Insolvenz anmelden. Die Börsen in Europa reagierten mit deutlichen Verlusten.

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Auch der DAX nahm am Freitag angesichts der Ereignisse in Portugal, der Ukraine und Argentinien keine erfreuliche Entwicklung. (Grafik: ariva.de)

Auch der DAX nahm am Freitag angesichts der Ereignisse in Portugal, der Ukraine und Argentinien keine erfreuliche Entwicklung. (Grafik: ariva.de)

Portugal schlittert immer tiefer in eine veritable Banken-Krise: Nachdem bereits die Holding, ein Investment-Vehikel und eine Schwester-Gesellschaft der in Schieflage geratenen Banco Espírito Santo die Insolvenz anmelden mussten, stürzte am Freitag die Aktie der Bank um 50 Prozent ab und wurde darauf hin vom Handel ausgesetzt. Das portugiesische Finanzministerium hat noch keine Stellungnahme herausgegeben.

Die portugiesische Regierung erwägt Insidern zufolge nun, der angeschlagenen Banco Espirito Santo (BES) mit Steuergeld unter die Armee zu greifen. Die Behörden reagierten damit auf die Rufe nach einer Kapitalerhöhung, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen am Freitag. Nach einem überraschend hohen Fehlbetrag im ersten Halbjahr benötige die BES wahrscheinlich drei Milliarden Euro. Ein Unternehmenssprecher, die Regierung und die Zentralbank des Landes lehnten Stellungnahmen ab.

Erst kürzlich war die Investmentbank Goldman Sachs bei der Espírito Santo eingestiegen, um die Bank zu retten. Offenbar waren die Zeit jedoch zu kurz, die Probleme zu groß und andere Investoren viel zu vorsichtig, um hier noch eine Rettung in letzter Sekunde zu bewerkstelligen.

Der Verlust der größten an der Börse notierten portugiesischen Bank belief sich in den sechs Monaten auf 3,6 Milliarden Euro. Damit wurden alle Kapitalpuffer vernichtet, die Kernkapitalquote fiel unter den von der Notenbank vorgeschrieben Wert. Ausgelöst wurden die Schwierigkeiten durch Geldprobleme der Gründerfamilie der Bank.

Die Börsen in Europa reagierten mit herben Verlusten. Anleger haben am Freitag erneut Aktien in hohem Bogen aus ihren Depots geworfen. „Die Lage in Argentinien, die Probleme der Banco Espirito Santo (BES) und die geopolitischen Spannungen – vor allem mit Russland – befeuern diese Gewinnmitnahmen“, sagte Fondsmanager Philippe Cohen von Barclays France.

Der Dax fiel um bis zu 2,4 Prozent auf ein Dreieinhalb-Monats-Tief von 9185,41 Punkten und verabschiedete sich mit einem Minus von 2,1 Prozent bei 9210,08 Zählern in den Feierabend. Im Vergleich zur Vorwoche büßte er 4,5 Prozent ein. Das ist sein schlechtestes Ergebnis seit mehr als zwei Jahren. Der EuroStoxx50 gab am Freitag 1,4 Prozent auf 3072,57 Stellen nach. An der Wall Street verloren Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 zwischen 0,3 und 0,6 Prozent.

KEINE EINDEUTIGEN IMPULSE DURCH US-DATEN

Großes Thema auf dem Börsenparkett war erneut die Geldpolitik der Fed. Eine eindeutige Antwort auf Frage, wann die US-Notenbank die Zinsen anheben wird, lieferten die am Nachmittag vorgelegten US-Daten allerdings nicht. Einem schwächer als erwartet ausgefallenem Stellenaufbau stand eine überraschend positive Stimmung der Einkaufsmanager aus der US-Industrie gegenüber. Unter dem Strich untermauerten die Zahlen allerdings die Erwartung, dass die US-Konjunktur weiter an Fahrt gewinne, betonten die Analysten der Helaba.

Am Devisenmarkt setzten Anleger darauf, dass eine US-Zinserhöhung noch etwas auf sich warten lassen wird. Daher beendete der Dollar seinen Höhenflug vorerst. Im Gegenzug verteuerte sich der Euro auf 1,3430 Dollar von 1,3389 Dollar zum New Yorker Vortagesschluss. Der Bund-Future, der auf der zehnjährigen Bundesanleihe basiert, notierte 44 Ticks fester bei 148,43 Punkten. Gold -Anleger wetteten ebenfalls auf eine Fortsetzung der US-Nullzinspolitik. Die „Anti-Inflationswährung“ verteuerte sich um 0,9 Prozent auf 1293,46 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

BERG- UND TALFAHRT BEI FUCHS PETROLUB

Einen Tag nach Adidas reihte sich Fuchs Petrolub in die Gruppe derjenigen Unternehmen ein, die ihre Geschäftsziele kassieren. Die Aktien des Schmierstoff-Herstellers fielen daraufhin um bis zu elf Prozent auf ein 20-Monats-Tief von 26,82 Euro, drehten vorübergehend ins Plus und schlossen ein Prozent tiefer. Für den Analysten John Klein von der Berenberg Bank eröffneten die jüngsten Kursverluste die Chance zum Einstieg. Schließlich verfüge das Unternehmen über ein tragfähiges Geschäftsmodell mit vielversprechenden Wachstumsaussichten in Asien und Amerika.

In Lissabon brachen die Titel der in Schieflage geratenen Banco Espirito Santo den zweiten Tag in Folge um zeitweise etwa 50 Prozent ein. Am Nachmittag wurden sie in Erwartung einer Mitteilung des Unternehmens vom Handel ausgesetzt. Das Geldhaus hatte wegen eines Milliardenverlustes eine Kapitalerhöhung angekündigt. Insidern zufolge könnte der portugiesische Staat der Bank zusätzlich unter die Arme greifen.

PROCTER & GAMBLE IM AUFWIND – GOPRO BRECHEN EIN

An der Wall Street legten T-Mobile US dagegen 0,9 Prozent zu. Neben dem US-Telefonkonzern Sprint umwirbt nun auch der französische Mobilfunker Iliad die US-Tochter der Deutschen Telekom. Die T-Aktie schloss kaum verändert bei 12,09 Euro, die Papiere von Iliad rutschten in Paris um sieben Prozent ab.

Spitzenreiter im Dow Jones war der Konsumgüter-Hersteller Procter & Gamble mit einem Kursplus von 4,2 Prozent. Der Rivale von Henkel und Beiersdorf steigerte seinen Gewinn um 37 Prozent.

GoPro brachen dagegen um mehr als 13 Prozent ein. Der Spezialist für tragbare Kameras hatte seinen Verlust wegen gestiegener Kosten im abgelaufenen Quartal vervierfacht.


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