Gaza-Krieg: Hamas benutzt Zivilisten als menschliche Schutzschilde

Die israelischen Angriffe auf zwei Schulen im Gaza-Streifen haben zu heftigen internationalen Protesten geführt. Ein UN-Mitarbeiter brach vor laufender Kamera in Tränen aus. Doch die Hamas provoziert solche Katastrophen offenbar gezielt: Die islamistische Organisation lagert Waffen in Schulen, benutzt Zivilisten als menschliche Schutzschilder und schickt Morddrohungen an unabhängige Journalisten, die über Beweise für diese Taktik berichten. Eine von den UN vermittelte Waffenruhe war nach wenigen Stunden bereits wieder hinfällig.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Nachdem die israelische Armee zum zweiten Mal eine Schule im Gaza-Streifen bombardiert hatte, hagelte es internationale Proteste: Auch die USA warfen Israel unverhältnismäßiges Vorgehen vor. Die UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay warf der israelischen Armee vor, Kriegsverbrechen vor. Zugleich sagte sie, das Abfeuern von Raketen durch die Hamas auf Wohngebiete in Israel sei ebenfalls ein Kriegsverbrechen. Der Leiter der UN-Flüchtlingsorganisation UNRWA in den palästinensischen Gebieten, Pierre Krähenbühl, sagte: „Kinder werden im Schlaf getötet. Das ist ein Affront gegen uns alle, eine Quelle einer universellen Schande.“ Chris Gunness, der Sprecher von UNRWA, brach bei einem Interview mit dem Sender Al Jazeera in Tränen aus, als er über das Bombardement der Schule sprechen wollte.

Tatsächlich gehören die Bilder von den Kindern, die bei den israelischen Angriffen mit schweren Verbrennungen in die Krankenhäuser gebracht werden, zu den bisher schlimmsten eines offenbar von beiden Seiten mit äußerster Härte geführten Krieges. UN-Experten sagen, dass hunderttausende Kinder wegen des Krieges dringend psychologisch behandelt werden müssten, weil ihnen sonst ein lebenslanges Trauma drohe.

Offenbar funktionieren die gezielten Angriffe, sonst immer eines der Merkmale israelischer Kriegsführung, im Gaza-Streifen nicht: Im Fall der Schule von Jabalia, die am Mittwoch von Bomben getroffen wurde – es gab 20 Tote – berichten UN-Sprecher, dass sie der israelischen Armee 17 Mal die GPS-Koordinaten der Schule durchgegeben hätten, und trotzdem sei die Schule beschossen worden. Die Angriffe müssten, so UN-Sprecher, untersucht werden. Die UN bezweifeln, dass die Warnungen Israels an die Bevölkerung, sich aus der Kampfzone zu begeben, überhaupt zu befolgen seien. Der UN-Mitarbeiter John Ging sagte, in jedem anderen Konflikt könnten sich Flüchtlinge in Nachbarländer zu retten versuchen. Das sei im Gaza-Konflikt unmöglich.

Allerdings räumen die UNRWA-Mitarbeiter auch ein, dass die Hamas gezielt Schulen als Waffenlager verwende. In drei Schulen habe die islamistische Organisation Waffen versteckt, die von der UNRWA gefunden worden waren. Die Waffen seien, so ein Sprecher, an die lokalen Autoritäten übergeben worden – doch das ist im Gaza-Streifen fatalerweise die Hamas, die diese Raketen verwenden kann, um sie auf israelische Wohngebiete anzuschießen.

In Israel wird die Rolle der UNRWA im Gaza-Streifen mit gemischten Gefühlen gesehen: Einerseits, so ein Meinungsartikel in der Times of Israel, sei die Organisation die einzige, die sich überhaupt um die Flüchtlinge kümmere. Anderseits arbeite sie mit der Hamas als der lokalen Behörde zusammen und könne im Grund nicht neutral agieren. Chris Gunness verurteilte die Waffenlagerungen in Schulen und sagte, man „verurteile die Gruppen, die Zivilisten gefährden, indem sie Munition in unseren Schulen lagern“.

Tatsächlich ist der Krieg der Bilder, der von der Hamas geführt wird, der Versuch, Israel in aller Welt zu desavouieren. Dieser Krieg wird mit einer derartigen Brutalität geführt, dass die Islamisten auch nicht zögern, ihre eigenen Kinder und Zivilisten mitten aufs Schlachtfeld zu schicken, um sich hinter ihnen zu verstecken.

Bereits seit einiger Zeit berichten unabhängige Journalisten, dass es eine gezielte Taktik der Hamas sei, Zivilisten als menschliche Schutzschilder zu verwenden. Peter Stefanovic vom australischen TV-Sender Channel Nine News berichtete, dass die Hamas Raketen 200 Meter von dem Hotel entfernt abgeschossen habe, aus dem er berichtete. John Reed von der Financial Times berichtete, dass er beobachtet habe, wie zwei Raketen aus unmittelbarer Nähe des Al-Shifa-Krankenhauses abgefeuert wurden, „zur selben Zeit, als neue Bomben-Opfer in das Krankenhaus gebracht wurden“.

Nick Casey vom Wall Street Journal verschickte ein Foto auf Twitter, das einen Hamas-Sprecher zeigt, der ein Interview im Al-Shifa-Krankenhaus gab. Janis Mackey Frayer vom kanadischen Sender CTV berichtet, sie habe mehrere Hamas-Kämpfer gesehen, von denen einer als verschleierte Frau verkleidet war – und dem langen Gewand war „die Spitze eines Gewehres zu erkennen“. Harry Fear vom russischen Sender RT berichtete, dass Raketen vom Al-Wafa-Krankenhaus in Gaza-Stadt aus nach Israel gefeuert worden seien. Wenig später twitterte er: „Das Al-Wafa-Krankenhaus ist von Bomben getroffen worden. Es gibt Verletzte. Dies ist das Krankenhaus mit menschlichen Schutzschildern.“

Die Journalisten, die ihre Meldungen via Twitter abgesetzt hatten, haben postwendend Morddrohungen von der Hamas erhalten: Die Journalisten verrieten Geheimnisse an den Feind Israel. Man werde die Absender dieser Tweets „zur Verantwortung ziehen“. Die Journalisten seien „Informanten Israels“, im Zweiten Weltkrieg seien „Spione erschossen“ worden.

Am Donnerstag hatten sich Israel und die Hamas nach Aussage von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und US-Außenminister John Kerry auf eine Feuerpause geeinigt. Sie solle am Freitagemorgen um 07.00 Uhr MESZ in Kraft treten und für drei Tage gelten, teilte das US-Außenministerium am Donnerstag mit. Vertreter von Israel und der Palästinenser brechen demnach umgehend nach Kairo auf, um dort über eine dauerhafte Waffenruhe zu verhandeln.

Am Freitag war die Waffenruhe bereits wieder hinfällig.

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***

media-fastclick media-fastclick