WHO: Ebola-Ausbruch in Westafrika außer Kontrolle

Die Ebola-Epidemie in Westafrika ist nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) außer Kontrolle geraten. Die WHO warnt vor katastrophalen Folgen. Die Sterberate der Seuche liegt bei 90 Prozent. Zuletzt hatten sich ein amerikanischer Arzt und eine Missionarin angesteckt. Beide wurden nach Atlanta in ein Krankenhaus überführt. Die US-Gesundheitsbehörde hat die Fluglinien angewiesen, verdächtige kranke Passagiere vor der Einreise in die USA umgehend zu melden.

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Die Ebola-Epidemie in Westafrika ist nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) außer Kontrolle geraten. Allerdings könne der Ausbruch der Krankheit noch gestoppt werden, erklärte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan am Freitag bei einem Krisentreffen mit den Regierungschefs der am stärksten betroffenen Staaten laut Redemanuskript. „Dieser Ausbruch entwickelt sich schneller als unsere Maßnahmen, ihn zu kontrollieren“, sagte die WHO-Chefin. Wenn sich die Situation weiter verschlechtere, könnten die Folgen katastrophal sein. Viele weitere Menschen verlören ihr Leben, es bestehe zudem die Gefahr einer Ausweitung auf andere Länder. Die Seuche könne zur Zerrüttung von Wirtschaft und Gesellschaft führen.

An dem Treffen in Guineas Hauptstadt Conakry sollten die Regierungschefs von Guinea, Liberia, Sierra Leone und der Elfenbeinküste teilnehmen. Das Treffen müsse einen Wendepunkt im Kampf gegen die Seuche markieren, forderte Chan. Die Regierungen müssten die Bewegung der Bevölkerung einschränken und öffentliche Zusammenkünfte verbieten. Die Polizei müsse zudem die Sicherheit der internationalen Hilfsgruppen garantieren.

Für den 6. und 7. August berief die WHO einen Krisenstab ein. Dieser solle darüber entscheiden, ob Ebola als gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite erklärt werden solle, was spezielle Maßnahmen nach sich ziehen würde.

Die Krankheit macht sich durch Halsschmerzen und Fieber bemerkbar. Es folgen Übelkeit, Durchfall und innere Blutungen. Das Virus wird durch direkten Kontakt mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten wie Urin oder Speichel übertragen.

Der US-Arzt Dr. Kent Brantly und die Missionarin Nancy Writebol haben sich mit dem Virus infiziert, nachdem sie jahrelang versucht hatten, Patienten in Afrika zu helfen. Sie wurden in ein Krankenhaus nach Atlanata, Georgia, gebracht. Dort sollen sie unter Quarantäne behandelt werden. Beide befinden sich in kritischem Zustand, meldet der TV-Sender WSB-2 aus Atlanta. Die US-Gesundheitsbehörde CDC hat eine Reisewarnung herausgegeben. Außerdem hat die Behörde die Fluggesellschaften angewiesen, Patienten, bei denen der Verdacht bestehen könnte, sofort der Behörde zu melden.

Am Vortag hatte die WHO ein Sofortprogramm für die betroffenen Länder im Volumen von 100 Millionen Dollar angekündigt und die internationale Staatengemeinschaft zu verstärkten Anstrengungen aufgerufen.

Das Auswärtige Amt stellt nach eigenen Angaben weitere 500.000 Euro zur Bekämpfung des Virus zur Verfügung, mit dem etwa die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ unterstützt werden solle. Zudem riet das Amt im Internet „von nicht notwendigen Reisen“ in die drei Länder ab. Trotz internationaler Bemühungen sei ein Ende der Ausbreitung nicht abzusehen, heißt es dort zur Begründung. Ein Überspringen der Krankheit in Nachbarländer sei zudem nicht auszuschließen.

Ein Lufthansa -Sprecher sagte, derzeit gebe es keine Notwendigkeit die Sicherheitsvorkehrungen zu verschärfen. Die Lufthansa stehe aber engen Kontakt mit den zuständigen Behörden wie der WHO. Auch ein Sprecher des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport sieht keinen Grund zur Panik. Die WHO stuft ebenso wie Wissenschaftler die Gefahr einer Ansteckung während eines Flugs als gering ein. Allerdings besteht laut Wissenschaftlern eine Gefahr für Mitreisende, wenn bei einem Infizierten etwa während eines Flugs die Krankheit akut ausbrechen würde.

Nach neuen Angaben der WHO sind seit Februar mindestens 729 Menschen an der Seuche gestorben, darunter 60 medizinische Kräfte. Mehr als 1300 Menschen haben sich infiziert. Das Virus führt in 60 bis 90 Prozent aller Fälle zum Tod. Eine Übertragung geschieht durch sämtliche Körperflüssigkeiten eines Kranken.

Am Donnerstag hatte Sierra Leone den Notstand ausgerufen. Die besonders betroffenen Regionen wurden unter Quarantäne gestellt. Das Nachbarland Liberia hat ebenfalls mehrere Regionen unter Quarantäne gestellt. Zudem wurden die meisten Grenzübergänge geschlossen. An den Hauptgrenzübergängen sowie an den Flughäfen werden Reisende auf Anzeichen einer Ebola-Erkrankung untersucht. Auch Nigeria und Ghana verschärften die Einreisekontrollen.

Die US-Regierung will nach Medienberichten im September erstmals einen Ebola-Impfstoff an Menschen testen. Das Präparat habe bereits positive Ergebnisse an Primaten gezeigt, berichteten der Sender CNN und die Zeitung USA Today. Seit längerem forschen Biotechfirmen und Universitäten an Impfstoffen gegen den tödlichen Erreger.

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