Überraschender Rücktritt: Roland Koch bei Bilfinger gescheitert

Der ehemalige CDU-Ministerpräsident von Hessen, Roland Koch, tritt nach drei Jahren überraschend beim Baukonzern Bilfinger zurück. Er konnte den Wert des Unternehmens nicht steigern, weil er zu sehr wie ein Politiker operierte: Er versprach viel, konnte aber nichts einhalten. Das Patent-Rezept der Politik funktioniert in der Realwirtschaft nicht.

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Bilfinger-Chef Roland Koch tritt wegen eines Streits über die Zukunft des Mannheimer Bau- und Dienstleistungskonzerns überraschend zurück. Der ehemalige hessische Ministerpräsident erklärte am Montag nach Börsenschluss, wesentliche Teile des Aufsichtsrats und er stimmten bei weiteren notwendigen Schritten des Konzerns nicht ausreichend überein. Zudem müsse die Gewinnprognose für dieses Jahr zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit gesenkt werden. Das Vertrauen des Kapitalmarktes in das Unternehmen sei erschüttert und müsse durch die einvernehmliche Trennung wieder aufgebaut werden.

Nach Zustimmung – andere sagen: auf Drängen – des Aufsichtsrats will Koch am Freitag seinen Posten niederlegen. Der frühere Vorstandsvorsitzende Herbert Bodner soll vorübergehend vom Aufsichtsrat zurück an die Spitze des Vorstands wechseln. Koch sei, so war aus dem Unternehmen zu hören, an seinem Führungsstil gescheitert: Er sei aus der Politik gewöhnt gewesen, das Blaue vom Himmel zu versprechen. Doch anders als in der Politik muss ein Manager in der Wirtschaft auch reale Ergebnisse liefern. Nicht nur der schwedische Investor Cevian soll mit Kochs Performance nicht einverstanden gewesen sein.

Die Gewerkschaft formuliert das Scheitern Kochs so: „Koch hat zu viel auf einmal angepackt und dabei das System so unter Stress gesetzt, dass Fehler passieren“, sagte Holger Timmer, IG-Metall-Vorstand und bis Mai 2014 Bilfinger-Aufseher, dem Magazin „Wirtschaftswoche“ dazu.

Wegen der schlechteren Auftragslage in der Kraftwerkssparte hatte Koch den Abbau von 200 bis 300 Stellen angekündigt, nachdem mit einem früheren Sparprogramm bereits 1250 Arbeitsplätze in der Verwaltung auf die Streichliste gesetzt worden waren. Die IG Bau und die IG Metall hatten den Konzernchef für seine Umstrukturierung kritisiert.

Für Koch ist es der zweite überraschende Abgang innerhalb von vier Jahren. Im Mai 2010 war der CDU-Politiker, dem Ambitionen auf das Amt des Bundeskanzlers nachgesagt wurden, von seinem Amt als Ministerpräsident zurückgetreten. Ein Jahr später wechselte er zu Bilfinger. Als Vorstandschef setzte sich der Quereinsteiger ehrgeizige Ziele, die jetzt in noch weitere Ferne rückten: Nach der zweiten Gewinnwarnung innerhalb weniger Wochen rechnet der Vorstand demnach in diesem Jahr mit einem bereinigten Konzernergebnis von 205 bis 220 Millionen Euro, 25 Millionen Euro weniger als zuletzt. Zu seinem Antritt hatte sich Koch für 2016 ein Ergebnis von 400 Millionen Euro vorgenommen. Der Jahresumsatz soll nun mit 7,8 Milliarden Euro um 100 Millionen Euro niedriger ausfallen als vor einem Monat angekündigt.

AUFSICHTSRAT KÜNDIGT FÜR DIENSTAG STELLUNGNAHME AN

Die trüberen Aussichten hatte Koch im Juli mit der Energiewende erklärt, durch die der Kraftwerksbau lahme. Deshalb fehlten dem Ingenieurdienstleister Großaufträge. Die erneute Korrektur der Jahresprognose liege unter anderem an dem unerwarteten Verlust eines Projekts in Südafrika. Entscheidend dürfte aber die Diskussion über den künftigen Weg des Unternehmens sein. Bilfinger entfernt sich immer weiter von seinem angestammten Baugeschäft und setzt stärker auf technische Dienstleistungen wie den Entwurf und die Wartung von Kraftwerken und Industrieanlagen.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Bernhard Walter erklärte, diese Strategie habe Koch mit geschlossener Zustimmung des Gremiums umgesetzt. „An diesen Entscheidungen wird festgehalten“, ergänzte Walter, der am Dienstag zum Ausscheiden Kochs Stellung nehmen will. Zu dem von Koch angesprochenen Dissens äußerten sich weder Walter noch das Unternehmen.

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