Auch der NDR hat manipuliert: Intendant spricht von „überschaubarer Tragweite“

Auch der NDR hat bei verschiedenen Rankings manipuliert. Intendant Lutz Marmor sagte, es sei ein Fehler gewesen, die Eingriffe in Ranglisten nicht im Programm kenntlich zu machen. Als Konsequenz kündigte der Intendant an, dass Online-Votings „künftig restriktiver eingesetzt werden“. Begründung und Konsequenzen zeigen, dass man in den Chef-Etagen der öffentlich-rechtlichen Sender die Tragweite der Manipulationen nicht erfasst hat.

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Der Norddeutsche Rundfunk teilt in einer Pressemeldung mit:

Bei einigen Unterhaltungssendungen im NDR, die auf nichtrepräsentativen Online-Votings basierten, haben Redaktionen aus unterschiedlichen Gründen Rangfolgen verändert, ohne dies transparent zu machen. Weil Bildrechte fehlten, die Materiallage schlecht war oder aus dramaturgischen Gründen wichen einzelne Platzierungen in so genannten Ranking-Sendungen vom Online-Voting ab. Die betroffenen Sendungen waren Zusammenschnitte und bis auf eine Ausnahme nicht moderiert.

Außerdem haben Redaktionen von Musik-Hitparaden in zwei Radioprogrammen in solchen Fällen einzelne Voten relativiert, wenn diese offenbar von außen manipuliert worden waren. Dabei wurde versäumt, dies im Programm kenntlich zu machen. Es handelte sich in allen Fällen um Unterhaltungssendungen. Beim NDR sind bei Rankings weder im Fernsehen noch im Radio repräsentative Umfragen verwendet worden. Produktionen, die der NDR für Das Erste herstellt, sind nicht betroffen. In keinem Fall wurden Protagonisten des NDR bevorzugt. Der NDR hatte die interne Untersuchung nach Berichten unter anderem des Medienmagazins „Zapp“ über die Geschehnisse im ZDF („Deutschlands Beste!“) veranlasst.

NDR Intendant Lutz Marmor: „Ich halte die festgestellten Fälle für nicht hinnehmbar, vor allem auch weil sie nicht transparent gemacht wurden, selbst wenn sie im Einzelfall in ihrer Tragweite überschaubar erscheinen mögen. Wir werden zukünftig alles dafür tun, selbst geringfügige Abweichungen zu vermeiden und offen darzulegen, wenn sie im Ausnahmefall redaktionell geboten sind. Deshalb haben wir vorläufige Leitlinien zum Umgang mit Online-Votings entwickelt, die wir noch mit unseren Gremien beraten werden. Zudem sollen Online-Votings im NDR künftig restriktiver eingesetzt werden.“

In den Jahren 2013 und 2014 hat der NDR insgesamt 30 Rankings im Fernsehen als Erstsendungen produziert. 2014 gab es in keiner Erstsendung Abweichungen zum Online-Voting, 2013 waren es zwei. Bei der Sendung „Die schönsten Gärten und Parks des Nordens“ vom 20.12.2013 wurde der Elftplatzierte („Planten un Blomen“, 81 Klicks) auf Rang zehn vorgezogen, auf dem tatsächlich der Rhododendronpark Ammerland (88 Klicks) gelandet war. Grund: Für „Planten un Blomen“ stand besseres Bildmaterial zur Verfügung. In einer weiteren Sendung („Die schönsten Mühlen Norddeutschlands“) war versehentlich ein Mühlenmuseum mit zur Abstimmung gestellt worden, in der Sendung sollte es aber um historische Einzelmühlen gehen. Obwohl das Museum beim Voting 89 Klicks erzielt hatte, wurde es im Ranking nicht berücksichtigt.

Die einzige moderierte Ranking-Show war die „Top Flops Gala 2013“. Die Zuschauerinnen und Zuschauer konnten in einem Voting über die Vorauswahl der schönsten Fernsehpannen und Versprecher des Jahres entscheiden. Die Schlussauswahl traf die Redaktion, was in der Moderation jedoch nicht gesagt wurde.

2011 und 2012 gab es bei Online-Votings im NDR Fernsehen ebenfalls Abweichungen. So wurde in der Langfassung des Rankings „Die bedeutendsten Norddeutschen“, gesendet am 3.10.2011, Platz acht der ein Jahr zuvor ausgestrahlten Kurzfassung geändert und dort Loriot durch Loki Schmidt ersetzt. Der Grund lag in fehlenden Senderechten für die verwendeten Loriot-Ausschnitte. In „Die spektakulärsten Rücktritte“ (27.12.2011) setzte die Redaktion zwei eigentlich herausgefallene Ausschnitte auf die beiden vorletzten Plätze, weil gutes Filmmaterial vorlag. Bei den „Beliebtesten Party-Hits“ (30.12.2012) wich die Online-Ergebnisliste von der Zusammenstellung ab, die der Fernsehredaktion vorlag. Offenbar war die Online-Abstimmung auch nach Beginn der Fernsehproduktion weitergelaufen. Insgesamt gab es 2011 und 2012 bei 28 Erstsendungen von Ranking-Formaten zusammen sieben Abweichungen.

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