Banken-Krise erfasst Italien: Monte Dei Paschi mit schweren Verlusten

Die älteste Bank der Welt sorgt für Unruhe im europäischen Banken-Sektor: Die mit Staatsgeldern gerettete Banca Monte dei Paschi di Siena meldet einen unerwartet hohen Verlust. Damit erreicht die nächste Welle einer europäischen Banken-Krise nach Portugal und Frankreich auch Italien.

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Die Monte dei Paschi die Siena (MPS) hat ein lange Geschichte: Die Bank, die einer Stiftung der sozialdemokratischen Partei von Siena gehört, hat sich vor einigen Jahren an einer Akquisition überhoben und mit Schrottpapieren verspekuliert. Beaufsichtigt wurde das muntere Treiben vom damaligen Chef der italienischen Zentralbank und nachmaligen Goldman Sachs-Banker Mario Draghi. Gerettet wurde die MPS mit 4 Milliarden Euro Steuermitteln durch den vormaligen Goldman Sachs-Banker und damaligen Premier von Italien, Mario Monti (alles zu der Geschichte des Niedergangs der MPS hier; zum Rettungsversuch hier; und zu Draghis Beteuerungen, von nichts gewusst zu haben – hier).

Nun wird sich Draghi bald wieder mit einer der gefährlichsten Banken seines Heimatlandes beschäftigen müssen – als Chef der EZB und damit als Chef-Aufseher für alle großen europäischen Banken.

Die MPS wird ihm wenig Freude machen.

Denn Italiens drittgrößtes Kreditinstitut hat mit seinem Verlust im abgelaufenen Quartal die Befürchtungen des Marktes noch dramatisch übertroffen. Der Nettoverlust in den Monaten April, Mai und Juni habe bei 178,9 Millionen Euro gelegen, teilte die Bank am Donnerstag mit. Analysten hatten im Schnitt mit einem Minus von 57,5 Millionen Euro gerechnet, wobei die Bandbreite der acht von Reuters befragten Analysten von 150 Millionen Euro Verlust bis zu 15 Millionen Euro Gewinn reichte. Die Bank, die im vergangenen Jahr mit Staatsgeldern in Höhe von 4,1 Milliarden Euro vor der Pleite gerettet worden war, schrieb damit das neunte Quartal in Folge rote Zahlen.

Monte Paschi hat noch mehr als ihre italienischen Konkurrenten wie Intesa Sanpaolo und UniCredit mit faulen Krediten zu kämpfen. Die Wertberichtungen im Kreditgeschäft lagen im ersten Halbjahr 2014 bei netto 1,2 Milliarden Euro, ein Plus von 17,4 Prozent im Jahresvergleich. Zum Vorquartal stiegen die Rückstellungen für faule Kredite im zweiten Vierteljahr um 53,5 Prozent.

Unterdessen steckt Italien nach offiziellen Konjunkturdaten wieder in einer Rezession, was die Lage der Kreditnehmer noch komplizierter macht. Die Banken dürften daher Probleme haben, ihren Berg fauler oder unsicher gewordener Kredite abzubauen.

 

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