US-Luftschläge gegen Irak: Obama will Ölpreis niedrig halten

Der Ölpreis ist am Freitag wieder gesunken: Damit dürfte sich die Vermutung von Analysten bestätigen, Obama könnte mit seiner Ankündigung von Luftschlägen zu einer Stabilisierung im Irak beitragen, um die Ölförderung nicht zu gefährden. Obama will keinen Zwei-Fronten-Krieg und braucht niedrige Ölpreise für eine mögliche Auseinandersetzung mit Russland.

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Obamas Rechnung ging am Freitag auf: Nach einer Schrecksekunde haben auch die Algos verstanden, dass Bomben auf den Irak den Ölpreis eher drücken werden. Grafik: ariva.de

Obamas Rechnung ging am Freitag auf: Nach einer Schrecksekunde haben auch die Algos verstanden, dass Bomben auf den Irak den Ölpreis eher drücken werden. Grafik: ariva.de

Der Ölpreis verhält sich am Freitag für die Amerikaner günstig: Für den Analysten Olivier Jakob vom Research-Haus Petromatrix sind auch die geplanten Luftschläge ein Grund für fallende Kurse. „Diese Maßnahme zieht eine rote Linie, die IS nicht überschreiten darf und stabilisiert sowohl den Süd-Irak als auch Kurdistan“, betonte er.

Obama will keinen Zweifronten-Krieg – und er will verhindern, dass Russland von steigenden Ölpreisen profitiert. Seine Ankündigung, den Irak zu bombardieren, könnte daher vor allem den Zweck haben, im Irak für eine sichere Ölförderung zu sorgen. Explodierende Ölpreise würden die Kosten einer militärischen Auseinandersetzung des Westens mit Russland in die Höhe treiben.

Der Vormarsch der Islamisten im Nord-Irak hat dennoch zur Schließung eines ersten Ölfeldes in der autonomen Kurdenregion geführt. Der Ölkonzern Afren teilte am Freitag mit, dass er vorsorglich die Arbeit an der Anlage Barda Rasch bis auf weiteres eingestellt habe. Alle nicht zwingend benötigten Mitarbeiter würden abgezogen. Erst am Donnerstag hatten die beiden US-Ölmultis Exxon Mobil und Chevron erklärt, einige Mitarbeiter in dem Gebiet in Sicherheit zu bringen. Die Lieferungen durch die kurdische Pipeline in die Türkei sind Insidern zufolge bislang von den Kämpfen unbeeinträchtigt.

Der Konflikt trieb den Ölpreis zunächst in die Höhe. Nachdem US-Präsident Barack Obama Luftangriffe auf die radikal-islamischen Kämpfer des Islamischen Staates (IS) autorisiert hatte, machte sich am Markt die Furcht vor Versorgungsengpässen breit. Die Afren-Aktie in London gab zeitweise rund sieben Prozent nach und zog auch andere Branchenwerte nach unten.

Doch am Nachmittag hatten die Algorithmen kapiert, was Obama wirklich will – der Ölpreis sackte deutlich ab. Ob die Strategie allerdings langfristig aufgeht, wird davon abhängen, ob die weiteren Krisenherde mit einfachen Bomben-Drohungen in Schach gehalten werden können (aktuelle Kursentwicklung Brent hier).

„Der Markt wird sehr genau beobachten, was als nächstes passiert“, sagte Fondsmanager Tetsu Emori vom Vermögensverwalter Astmax. Entscheidend sei die Frage, ob IS auch in den ölreichen Südirak vorstoße und die dortige Förderung gefährde. Genau deshalb droht Obama mit einer Intervention.

Im Juni hatte der Vormarsch der islamistischen Kämpfer den Brent-Preis auf ein Neun-Monats-Hoch von 115,06 Dollar getrieben. Wegen eines Rohöl-Überangebots ging er in den darauffolgenden Wochen allerdings bis auf etwa 100 Dollar zurück. Da die Nachfrage dem Angebot auch weiterhin hinterherhinke, sei trotz der neuen Kämpfe im Irak nicht mit weiteren größeren Preissteigerungen zu rechnen, betonte Fondsmanager Emori.

 

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