Ukraine: Jazenjuk bezeichnet russische Hilfe als „grenzenlosen Zynismus“

Der ukrainische Premier Arseni Jazenjuk will den Hilfs-Konvoi der Russen nicht ins Land lassen. Er bezeichnete die Aktion als grenzenlosen Zynismus, weil die Russen zuerst Militärgerät und nun "Wasser und Salz" schicken. Die Bevölkerung von Lugansk steuert unterdessen auf eine humanitäre Katastrophe zu: Die Stadt ist ohne Wasser, Strom und Telefon. Außer dem russischen Konvoi sind bisher keine größeren Hilfsaktionen, etwa aus der EU, bekannt geworden.

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Die ukrainische Regierung will den russischen Konvoi mit Hilfsgütern für die Einwohner der belagerten Separatisten-Hochburg Luhansk nicht ins Land lassen. Innenminister Arsen Awakow schrieb am Mittwoch auf Facebook, die Fahrzeuge dürften nicht in die Region Charkiw einfahren. Die Entsendung des Konvois bezeichnete Awakow als Provokation eines zynischen Aggressors. Auch Ministerpräsident Arseni Jazenjuk warf Russland „grenzenlosen Zynismus“ vor. „Zuerst schicken sie Panzer, Grad-Raketen und Banditen, die auf Ukrainer schießen, und dann schicken sie Wasser und Salz“, sagte er bei einer Kabinettssitzung.

Jazenjuk, der von den Amerikanern ausgewählt wurde, die Regierung zu führen – die Sondergesandte Nuland sagte damals: „Jaz is it!“ – vertritt eine absolut kompromisslose Rolle gegenüber den Russen. Sogar Polen, das bisher auch zu den Hardlinern gehörte, ist bereits umgeschwenkt und erklärte, dass der Hilfskonvoi der Russen ein Schritt in die richtige Richtung sei (mehr zu dieser überraschenden Kehrtwende hier).

Am Dienstag war der Konvoi aus rund 280 Lastwagen mit Hilfsgütern nahe Moskau Richtung Ostukraine gestartet. Er wird am Mittwoch an der Grenze erwartet. Der Hilfskonvoi hat Befürchtungen genährt, dass die Regierung in Moskau direkt in die Kämpfe im Nachbarland eingreifen könnte. Das russische Außenministerium hat zugesichert, ab der Grenze könne das Rote Kreuz die Führung übernehmen. Westliche Politiker befürchten dennoch, dass die Lieferungen als Tarnung oder Vorwand für eine russische Intervention genutzt werden könnte.

Die Ukraine selbst ist offenbar nicht mehr in der Lage, die Grundversorgung der Bevölkerung aufrechtzuerhalten: Die Nachrichtenagentur Ukrinform meldete am Mittwoch, dass die Stadt Lugank ohne Wasser, Strom und Telefon sei. Die Lage der Zivilbevölkerung nimmt offenkundig immer bedrohlichere Ausmaße an.

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