Wettlauf gegen Russland: Ukraine schickt eigenen Hilfskonvoi

Kiew reagiert auf den in Kürze an der ukrainischen Grenze eintreffenden russischen Hilfskonvoi und hat nach eigenen Angaben einen eigenen Konvoi losgeschickt. Dieser solle die Krisenregion vor den Russen erreichen. Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates sagte, dass der russische Hilfszug als aggressive Kraft bekämpft werde, wenn er nicht vom Roten Kreuz begleitet wird. Ein Wettrennen der Hilfe für Menschen, die um ihr Leben kämpfen, erweckt den Anschein einer hochgradig unprofessionellen Politik.

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In den vergangenen Tagen war die Regierung in Kiew vor allem damit beschäftigt, den russischen Hilfskonvoi als getarnte Invasion zu diskreditieren. Nun hat die Regierung offenbar ihre Strategie geändert. Die Ukraine schickt einen eigenen Hilfskonvoi in die Kriegsregion im Osten des Landes. Der Hilfskonvois soll wenn möglich früher ankommen als die Russen. Sviatoslav Tseholko, ein Sprecher von Präsident Petro Poroschenko, sagte in Kiew, dass sich der Konvoi bereits auf dem Weg nach Lugansk befinde. Er konnte allerdings keine Angaben darüber machen, wann der Zug die Stadt erreichen werde. Außerdem ist unklar, ob die Rebellen den ukrainischen Hilfskonvois passieren lassen werden.

Iryna Herashchenko, eine Sprecherin des Präsidenten sagte, dass der Hilfskonvoi bereits mit dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes koordiniert sei. Man könne die eigenen Bürger nicht unversorgt lassen, die von den Rebellen eingekesselt worden seien. Bisher hat Kiew offenbar keine Notwendigkeit gesehen, Hilfe in den Osten des Landes zu schicken, obwohl die UN bereits vor Wochen vor einer drohenden humanitären Katastrophe gewarnt hatte.

Die Tatsache, dass Poroschenko den Konvoi bekanntgab, deutet auf einen Machtkampf mit dem Übergangspremier Arseni Jazenjuk hin. „Jaz“ hatte noch am Vormittag die Russen geschmäht und unter anderem gesagt, die Russen sollten statt Hilfsgütern lieber leere Lastwagen schicken, um die russischen Söldner aus der Ost-Ukraine abzuholen (mehr hier).

Tseholko bestätigte, dass der russische Konvoi an der Grenze gestoppt werden werde. Wenn die Ladung einwandfrei Hilfsgüter darstellen sollte, würden diese über die Vermittlung des Roten Kreuzes auf eigene Lastwagen umgeladen.

Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates sagte in Kiew, dass der russische Hilfszug als aggressive Kraft bekämpft werde, wenn er nicht vom Roten Kreuz begleitet wird. Die Regierung werde einen solchen Konvoi als feindliche Truppen behandeln und entsprechend agieren. Der Sprecher führte nicht weiter aus, was das konkret bedeutet.

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